Volltext : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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legen  fühlen  würden.  Als  man  sich  setzen  wollte,  fragte  der
General:  „Aber,  Kurzhagen,  wo  sind  denn  Ihre  Eltern?  Ich
denke,  sie  essen  mit  Ihnen  an  einem  Tische!“  Der  Rittmeister
lächelte  und  wufßte  nicht  sogleich  zu  antworten.  Da  stand  Zieten
  auf  und  holte  die  Eltern  selbst  herbei;  sie  mußten  sich
rechts  und  links  an  seine  Seite  setzen,  und  er  unterhielt  sich.
mit  ihnen  aufs  freundlichste.  Als  man  anfing,  Gesunddheiten
auszubringen,  nahm  er  sein  Glas,  stand  auf  und  sprach:  „Meine
Herren,  es  gilt  dem  Wohlergehen  dieser  braven  Eltern  eines
verdienstvollen  Sohnes,  der  es  beweist,  daß  ein  dankbarer
Sohn  mehr  wert  ist  als  ein  hochmütiger  Rittmeister!“

Später  fand  der  General  Gelegenheit,  dem  Könige  von
der  kindlichen  Achtung  zu  erzählen,  die  der  Rittmeister  seinen
Eltern  erwies,  und  Friedrich  freute  sich  sehr  darüber.  Als
Kurzhagen  einst  nach  Berlin  kam,  wurde  er  zur  königlichen
Tafel  gezogen.  „Hör’  Er,  Rittmeister,“  fragte  der  König,  um
seine  Gesinnung  zu  erforschen,  „von  welchem  Hause  stammt
Er  denn  eigentlich?  Wer  sind  Seine  Eltern?““  „Majestät,“
antwortete  Kurzhagen  ohne  Verlegenheit,  „ich  stamme  aus
einer  Bauernhütte,  und  meine  Eltern  sind  Bauersleute,  mit
denen  ich  das  Glück  teile,  das  ich  Eurer  Majestät  verdanke.“

„So  ist's  recht“,  sagte  der  König  erfreut;  „wer  seine  Eltern
  achtet,  der  ist  ein  ehrenwerter  Mann;  wer  sie  geringschätzt,
verdient  nicht,  geboren  zu  sein.“

124.  Mutterliebe.  Von  Stern.

s  war  einmal  ein  schwüler  Sommertag.  Fast  alle  Bewohner  des

Dorfes  waren  hinausgezogen  aufs  Feld,  um  das  reife  Getreide
zu  mähen.  Plötzlich  erscholl  vom  hohen  Kirchturme  herab  der
dumpfe  Ton  der  Sturmglocke.  Die  kurzen  Stöße  des  Feuerhorns
verkündeten  weithin  den  fleißigen  Landleuten  die  große  Gefahr.
„Feuer,  Feuer!“  erscholl  es  an  allen  Orten.  Auf  der  Straße  und
in  den  Gassen  liefen  die  erschrockenen  Dorfbewohner  ängstlich  suchend
umher.  Eine  dichte  Dampfwolke  und  eine  hohe  Feuersäule  zeigten
ihnen  bald  die  Stätte  des  Unglüchs.  Es  war  ein  altes  Haus,  um
dessen  Giebel  schon  mancher  Sturm  getobt  hatte.  Nun  war  ein
Kindlein  in  dem  Hause  zurüchgeblieben.  Das  stand  in  seinem  Hemdchen
  am  oberen  Fenster  und  wußte  sich  nicht  zu  helfen.  Auf  ein-