204 Neuere oberſtrihterlihe Erkenntniſſe.
Daß der Geſekbgeber ſolHe den geſeklichen
Güterſtand außſchließende Eheberedungen nur vor
der Copulation und in den erſten drei Monaten
nach derſelben zugelaſſen haben will, dafür ſpricht
auch die in LS. 14 enthaltene ſorgliche Mahnung an
jene, die eine Ehe eingehen wollen, ſich unter Beirath
der Eltern und Vormünder wohl zu überlegen,
ob ſie ſic) der hier zu Lande herrſchenden allgemeinen
Gütergemeinſchaft unterwerfen oder in bedingter
Ehe leben wollen, wie nicht minder die Aufforderung
an die Beamten, Bürgermeiſter u. [. w.,
die neu angehenden Eheleute diebfall8 zu erinnern,
damit ſich Niemand ſpäter mit Unwiſſenheit entſchuldigen
und dieſer Verordnung entziehen möge.
. Solhe ängſtliche Vorſorge für die Willenserklärung
der Betheiligten bei dem Beginne der
ehelichen Vereinigung wäre nicht zu erklären, wenn
auch während der Ehe jeder Zeit eine Aenderung
als möglich würde erachtet worden ſein *).
in wel<hem Zeitpunkte (etwa nad) der Trauung)
dieſelbe eintreten ſolle, und das könnte im Eingange
des 6. 2 -- (verbis: „Was ſodann vor der
prieſterlichen Copulatioa, oder in denen nächſten
dreyen Monaten nad derſelben, bedungen und
verabredet worden, das ſoll gültig ſeyn“) =- ge»
ſchehen ſein. Es iſt damit nad unſerer Anſicht nichts
Anderes geſagt, als: Iſt 3 Monate nach der Trauung
ein Ehevertrag nicht abgeſ<loſſen, ſo gilt als
Güterſtand Gäütergemeinſ<aft. Daß der Geſehgeber
ſich nicht kurzweg ſo ausdrüte, thut nichts zur
Sache , und kann man gerade ſo gut ſagen : Hätte
der Geſehgeber einen vertragsmäßigen Ausſ<luß der
GG. drei Monate nach der Trauung als unſtatthaft
erklären wollen, ſo hätte er gerade ſo beſtimmen
müſſen.
Uns will bedünken, daß die Conſequenzen der GG,
ua<h Bayreuth. N. ſo gewichtig und einſ<hneidend
ſeien, daß ſhon allein daraus die „in F. 1 enthaltene
ſorglihe Mahnung“ und „ſolche ängſtlihe Vor-*
Wer