Metadata : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuß Älterer Linie. 1904. (53)

Allgemeine  Bestimmungen  über  das  Verhalten  der  Gefangenenausseher.

Lebenswandel,  Benehmen  gegeniber  Vorgesetzten,  auderen  Beamten,  Gefangenen.

*  12.

Die  Gefangenenaufseher  haben  sich  eines  christlichen,  sittlichen,  nüchternen
und  anständigen  Lebenswandels  zu  befleißigen.

Sie  müssen  die  ihnen  obliegenden  Dienstgeschäfte  mit  Treue,  Fleiß  und
Orduung  besorgen  und  bemüht  sein,  durch  rege  Selbsttäligkeit,  auch  dann,  wenn  sie
sich  nicht  kontrolliert  wissen,  die  Aufgaben  der  Gefängnisverwaltung  zu  fördern.
In  allen  dienstlichen  Angelegenheiten  haben  sie  strenge  Verschwiegenheit  zu  beobachten.

Gehorsam  gegen  die  Besehle  der  Vorgesetzten,  ein  ernstes  und  festes,  aber
wohlwollendes  und  gerechtes  Verhalten  gegenüber  den  Gefangenen  wird  ihnen  zur
Pflicht  gemacht.

Die  BVehandlung  der  Gefangenen  soll  unter  Berücksichtigung  ihrer  Individnalität
und  ihres  bürgerlichen  Standes  erfolgen.  Die  Bevorzugung  einzelner  Gefangener  ist
streng  untersagt.

ie  erwachsenen  Gesangenen  sind  mit  „Sie“  anzureden.
Verlkehr  mit  den  Gefangenen.
13.

Jeder  Privatverkehr  der  Gefangenenaufseher  mit  Gefangenen  ist  unzulässig.
Insbesondere  dürfen  die  Beamten  unter  keinem  Vorwande  mit  den  Gefangenen
Handelsgeschäfte  eingehen  oder  in  Darlehnsverkehr  treten,  auch  von  denselben  oder
für  dieselben  weder  Geld  noch  andere  Sachen  als  Geschenk  oder  zur  Verwahrung  nehmen.

Verantwortlichkeit  flr  ihre  Familienglleder.

Die  Gesangenenaufseher  sind  für  alle  seitens  ihrer  Familie,  ihrer  Dienstboten
  und  ihres  Besuchs  statifindenden  Übertrelungen  der  Hausordnung  persönlich
verantwortlich.  Sie  haben  darüber  zu  wachen,  daß  sich  ihre  Angehörigen  und
Dienstboten,  insoweit  nicht  in  der  gegenwärtigen  Gefängnisordnung  ctwas  anderes
bestimmt  wird,  jeder  Einmischung  in  den  Dienst  und  jedes  direkten  oder  indirekten
Verkehrs  mit  den  Gesangenen  enthalten.

ie  Verwendung  von  Familienmitgliedern  oder  Dienstboten  zu  anderen  als
in  dieser  Gefängnisordnung  gestatleten  amtlichen  Verrichtungen  ohne  ausdrückliche
Erlaubnis  des  Vorstehers  ist  untersagt.
Bestrasungen.

Ubertretungen  der  Dienstvorschriften  werden  nach  Maßgabe  der  Disziplinargesetze
  bestraft.

Waffengebrauch.

8  16.
Die  vberste  Aussichtsbehörde  (8  18)  kann  im  Interesse  der  Sicherheit  des