Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Konrad  III.  Heinrichs  des  Stolgen  Tod.  Wiederaufnahme  der  Kolonijation.  213

nachdem  er  fich  der  maßgebenden  Fürften  verfichert  hatte,  eine  Berjammlung
  nad)  Koblenz,  wo  dann  am  7.  März,  ohne  den  feitgejegten
MWahltag  abzuwarten,  Konrad  II  (1138—1152)  gewählt  wurde.
Die  Krönung  erfolgte  jchon  am  13.  zu  Aachen:  vor  die  vollendete
ZTatjache  geitellt,  erfannte  alsbald  eine  weitere  Anzahl  von  Fürften
und  Bilchöfen  den  neuen  Herricher  an,  den  eine  gemwinnende  perjünfie
  Ericheinung  empfahl.  Obfchon  Heinrich  der  Stolze  die  Keich3-Hleinodien
  außlieferte,  Fonnte  fich  Konrad  doch  nicht  mit  ihm  verjtändigen,
  da  er  entichloflen  war,  nicht  die  beiden  großen  Herzogtümer,
Sadjen  und  Bayern,  den  Norden  und  den  Süden  des  Neichd,  Dem
Welfen  zu  überlaffen,  und  daher  legteres  in  eigener  Hand  behielt.  Der
Gegenjag  mußte  mit  den  Waffen  ausgetragen  werden:  Heinrich  wurde
im  Suli  1138  geächtet  und  Sachen  einem  im  Lande  zwilchen  Elbe  und
Dder  mächtigen,  um  die  Kolonifation  diefer  Gebiete  verdienten  Fürften
verliehen,  Albrecht  dem  Bär,  dem  Stammwater  des  asfanılchen
Haufes.  Thn  Hatte  Kaifer  Lothar  1134  mit  der  Nordmarf  belehnt,
und  die  jeit  den  Herten  der  Dttonen  in  den  öftlichen  Gebieten  unterbrochene
  Kolonijation  war  alsbald  durch  den  tüchtigen  Mann  zu
neuem  Leben  gekommen,  zumal  auch  noc  andere  Fürften  in  gleicher
Richtung  wirkten:  von  Mark  Meißen  aus  eroberte  Graf  Konrad
von  Wettin  Die  Niederlaufig,  während  in  Holjtein  die  beiden
Grafen  von  Schaumburg,  Bater  und  Sohn,  an  Stelle  eines  Slavenorteg,
  den  jie  zerjtörten,  1143  die  Stadt  Yübed  begründeten,  die  für
dieje  Gegenden  von  fo  großer  Bedeutung  werden  jollte  Es  ift  an
diejer  Stelle  aud)  der  in  jene  Sahre  fallenden  Wirfjamkeit  des  Bifchof3
Ditto  von  Bamberg  (1132—1139)  zu  gedenken:  auf  zwei  großen
Milfionsreifen  gewann  er  Bommern  dem  Chrijtentum  und  damit
der  deutichen  Kolonifation  ein  wichtiges  Gebiet  an  der  Ditjee,  das  ein
Menjchenalter  jpäter  von  Friedrich  Barbarofja  dem  Keiche  einverleibt
und  zum  Herzogtum  erhoben  wurde.  Ber  allen  diejen  zufunftsreichen
Begebenheiten  war  Konrad  unbeteiligt;  ihn  nahm  zunächft  völlig  der
Kampf  zwijchen  der  jtaufiichen  und  welfischen  Bartei  in  Anfprucd),
deren  Gegenjab  num  für  jo  lange  die  innere  VBolitif  Deutichlands  bejtimmen
  follte.  Dabei  war  e3  ein  Glüd  für  den  König,  daß  Heinrich