Full text : Württembergische Geschichtsquellen. Zehnter Band. (10)

Vorwort.

Die  kirchliche  Verfassungsgeschiehte  des  Stifts  Ellwangen  ist
ein  bisher  noch  wenig  erforschtes  Gebiet.  Fine  gute,  aber  nicht
vollständige  und  allzu  gedränzte  Darstellung  gab  Paul  Stälin  in
der  Beschreibung  des  Oberamts  Ellwangen  (1886),  während  Sartori’s
  fehlerhaftes  und  oberflächliches  Staatsrecht  der  deutschen
Stifter  unvollendet  geblieben  war.  Dureh  Richters  Ausgabe  der
Statuta  eeelesiae  Fuldensis  (1904)  angeregt,  plante  ich  deshalb  eine
Ausgabe  der  Akten  über  die  Krriehtung  des  Stifts  und  der  noch
ganz  ungedruckten  Stiftsstatuten  mit  Binleitung  und  kurzen  Brläuterungen.
  Im  Laufe  der  Arbeit  erkannte  ich  es  als  angezeigt,
den  Texten  eine  Geschiehte  der  Umwandlung  des  Benediktinerklosters
  in  ein  weltliches  Chorherrnstift,  iiber  welehe  die  im  ersten
Abschnitt  veröffentliehten  Texte  (Nr.  I—X])  sehr  interessanfe  Autschlüsse
  gewähren,  und  eine  Darstellung  der  kirehliehen  Verfassung
des  Stifts  wenigstens  nach  ihren  Grundzügen  folgen  zu  lassen;
auch  hiefür  konnte  viel  neues,  ungedrucktes  Material,  namentlich
aus  den  Kapitelsrezessen,  geschöpft  werden.  Dem  Leser  wird  ces
nicht  entgehen,  dass  erst  auf  diese  Weise  ein  richtiges  Bild  von
der  wirklichen  Verfassung,  von  den  tatsächlichen  (ewolmheiten
gewonnen  wird,  da  Gesetz  und  Praxis  oft  genug  nicht  in  Binklang
miteinander  waren.  Besonderer  Nachdruck  wurde  auf  die  geschichtliche
  Entwicklung  und  auf  den  Nachweis  der  Quellen  gelegt;  als
hauptsächlichste  Quelle  ergaben  sich  die  Gebräuche  der  dem  Stift
vorausgehenden  Benediktinerabtei  und  die  Verfassung  des  Angsburger
  Domkapitels,  für  welche  noch  Leuze’s  Untersuchung  benützt
  werden  konnte.  Naturgemäss  wurden  die  alten  Statuten  und
die  im  ersten  Jahrhundert  des  Stifts  vorgenommenen  Änderungen
besonders  berücksichtigt;  für  diesen  Teil  wurde  so  ziemlich  das
gesamte  archivalische  Material  durchgearbeitet.  Eine  Ergänzung