Kriegsberichte: Sommeschlacht
Unhaltiner, Torgauer und später die ruhmgekrönten
Regimenter der Brandenburger und Sachsen dem
wahnwitzigen Anprall vielfacher Überlegenheit und
dem Tag und Nacht nicht aussetzenden Hagel schwerer
und schwerster Geschosse Trotz geboten haben, kann
hier nur mit höchster Bewunderung genannt werden.
VII.
Ein Vergleich der Schlacht an der Somme
und der Kämpfe bei Verdun drängt sich auf.
Bei Verdun sind wir die Angreifer, in der Pikardie
befinden wir uns in der Abwehr. Aber die Verteidiung
Verduns, auf deren Hartnäckigkeit die Franzosen
62ê stolz sind und von der sie in aller Welt so viel Wesens
zu machen verstehen, stützt sich auf den wuchtigen
Rückhalt der stärksten Festung Frankreichs, ihren doppelten
Fortgürtel und ein kunstvoll ausgebautes Verbindungsnet
von Feldbefestigungen. Schon das Angriffsgelände
an sich bietet durch sein starkes Ansteigen
und die tiefen Einschnitte, die es durchziehen, die
überragenden Kuppen, die es schützen, dem Angreifer
ungleich viel höhere Schwierigkeiten als die leicht gewellte
Ebene der Pikardie. Unseren Kämpfern an der
Somme stand nur ein schmaler Gürtel von Schützengräben
zur Verfügung, deren vorderste Linie, als sie
dem Erdboden gleichgemacht war, von der ungeheuren
seindlichen Übermacht nach siebentägigem Trommel-=euer
im ersten Anlauf stellenweise überrannt und
damit für die Verteidigung vielfach ausgeschaltet
werden konnte.
Was aber das Stärkeverhältnis anlangt, so ist es
bekannt, daß bei Verdun die Franzosen uns in einer
überlegenheit gegenüberstanden, die an Infanteriesich
zu unserer Stärke wie 2: 1 verhält. Dabei waren
wir dort in der Rolle der Angreifer! An der Somme
aber stellt sich das Zahlenverhältnis jedenfalls noch
weit ungünstiger für uns. Und trotzdem ist der Geländegewinn
unserer Feinde im ersten Monat ihrer
Offensive noch nicht halb so groß als der unfrige im
ersten Monat vor Verdun! (Übrigens mag darauf
gngewielen werden, daß der Geländegewinn, den die
ranzosen erzielen konnten, fast doppelt so groß ist
als der der Engländer, während die Verluste der
ersteren etwa halb so groß sind als die der letzteren.)
Die Schlacht an der Somme stellt selbst gegen die
Kämpfe bei Verdun noch eine Steigerung des Einsatzes
an Menschen und Munition dar. Sie bildet
den 6höhepunk der Kraftentfaltung unserer Feinde
und der ganzen bisherigen Kriegsgeschichte. Zum
erstenmal hat das bisher listig geschonte englische
Ler- gewaltige Verluste erlitten. An den nutzlosen
pfern trägt aber auch diesmal wieder Frankreich
weitaus den größten Anteil. Ein weiter blühender
Landstrich Frankreichs ist durch die Julikämpfe in
eine grausige Trümmerwülste verwandelt.
VIII
Nach erheblichen Anfangserfolgen an Geländegewinn
und Beute war die große Somme-Offensive
der Engländer und Franzosen um die Mitte des Julis
zum Stehen gebracht worden und hatte während des
letzten Drittels dieses Monats keine nennenswerten
Fortschritte mehr erzielen können. Auch der gewaltige
Ansturm auf unsere ganze Front, welcher am 30. Juli
eingesetzt hatte, und dessen Nachwehen sich noch bis
zum 1. August bemerkbar machten, hatte den Feinden
keine anderen Ergebnisse als die am 25. den Engländern
geglückte Eroberung der Trümmerstätte des
217
Dorfes Pozières gebracht. Der weitere Verlauf der
Sommeschlacht seit Anfang August bietet der rück.
schauenden Betrachtung den Anblick eines ununterbrochenen,
ungeheuren Ringens. Während dieser gesamten
Zeit hat die Kampftätigkeit bis Ende Novem.
ber nicht einen Augenblick nachgelassen. Ganz deutlich
heben sich indessen aus dem geschlossenen Gesamtbilde
solche Gruppen von Kämpfen hervor, die sich als besondere
Kraftanstrengungen unserer Gegner kennzeichnen,
und aus ihrer Mitte treten einzelne Tage
noch besonders als Großkampftage hervor. Unter
diesen größeren Anstrengungen unserer Feinde lassen
sich solche unterscheiden, die den Gesamtangriff auf
der ganzen Front oder auf sehr großen Frontabschnitten
bringen, und solche, in denen der Feind seine
ganze Kraft auf die Eroberung einzelner ihm wichtig
erscheinender Geländeabschnitte oder Stützpunkte, wie
Dörfer oder Waldstücke, zusammenrafft. Das Ergebnis
derartiger größerer nstrengungen sind in
vielen Fällen Geländefortschritte des Feindes gewesen,
welche ihm in ihrer Gesamtheit eine unter furchtbaren
Opfern erkämpfte und nur sehr allmähliche Zurüctdrängung
unserer vordersten Linie ermöglicht
haben. Auch konnte es nicht ausbleiben, daß jeder
derartge Fortschritt uns Verluste an Mannschaften
und gelegentlich auch an Material zufügte. Überblickt
man indessen am Schluß des fünften Monats der
Schlacht ihr Gesamtergebnis, so darf einleitend bereits
ausgesprochen werden, daß die Errungenschaften unserer
Feinde außer jedem Verhältnis zu dem ungeheuren
Aufgebot an Menschenleben und Kriegsmaterial
sehen. das jene an die Erreichung von Zielen
gesetzt haben, von denen sie höchstens einen Bruchteil
haben verwirklichen können.
Diese Kennzeichnung trifft in ganz besonderem
Maße auf den ersten Abschnitt des hier zubetrachtenden
Zeitraumes, auf den Monat August, zu.
Betrachten wir die Lage, wie sie zu Anfang August
bestand, so ist daran 7 erinnern, daß es dem Feinde
während des ersten Monats seiner Anstrengungen
gelungen war, in dem Abschnitt Ancre und Somme
einen Geländegewinn zu erkämpfen, welcher an der
uns zugewandten Seite eine stumpfwinklige Einbuchtung
darstellt, deren Spitze bei Delville-Wald
liegt. Im Abschnitt südlich der Somme stellte der
feindliche Geländegewinn ein unregelmäßiges Viereck
dar, dessen Flächeninhalt ungefähr der doppelte des
Nordabschnittes war. Den Inhalt des Augustes nun
bilden dauernde heftige Angriffe unserer Feinde von
der Gesamtheit der bislang erkämpften Fronten aus.
Zugroßen einheitlichen Angriffen schwoll diese Kampftätigkeit
vor allen Dingen in der Woche des 13. bis
18. Augustes an, sernerin den Tagen nach dem 24. August
und endlich am 31. August. Das Ergebnis dieser
größtenteils mit ungeheurer Erbitterung und beständighin
undher schwankendem Glück geführten Kämpfe
ist gering. Am 2. August verloren wir die Monacu-Ferme,
am 12. ein Waldstück bei Hem, am 17. und
18. einzelne Grabenstücke in dem Abschnitt von Martinpuich
bis Maurepas, und im letzten Drittel des
Monats gingen noch weiterhin einige Gräben an den
Hauptangriffsstellen bei Maurepas und Martinpuich
verloren. Im ganzen aber kann man sagen, daß der
Monat Angust die feindliche Offensive ins
Stocken gebracht hat, trotz beständiger, abwechselnd
auf der Gesamtfront und an einzelnen Frontabschnitten
mit größter Wildheit fortwütender Kämpfe.
Wenn wir in diesem Zusammenhange uns daran