Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiundzwanzigster Jahrgang. 1907. (48)

Das  Denische  Reith  und  seinte  einzelnen  Glieder.  (August  22.  —25.  /29.)  137

liche  kulturelle  Entwicklung  gewährleistet  und  die  Bodenschätze  der  Erde
in  den  Dienst  der  Höherentwicklung  der  gesamten  Menschheit  stellt.

In  der  Minorität  bleiben  Deutschland,  Oesterreich,  Belgien,  Dänemark,
  Holland,  Schweden,  geteilt  stimmen  die  Franzosen,  Engländer  und
Italiener.  Die  Mehrheit  bilden  die  kleinen  Nationen,  die  Ruthenen,
Australier,  Argentinier,  Spanier,  Nordamerikaner,  Finnländer,  Türken,

Russen,  Rumänen,  Serben,  Norwegen,  ein  Teil  der  Deutschen  unter  Führung
  Ledebours.

22.  August.  (Wilhelmshöhe.)  Die  Keiserin  erleidet  durch
Ausgleiten  eine  Beinverletzung,  die  sie  längere  Zeit  ans  Zimmer
esselt.
fe  24.  August.  (Norderney.)  Zusammenkunft  zwischen  dem
Fürsten  Bülow  und  dem  französischen  Botschafter  Cambon.

24.  August.  (Preußen.)  Die  Regierung  verordnet  eine
gesundheitliche  überwachung  der  Weichselschiffahrt  wegen  einiger
Cholerafälle  in  Rußland.

August.  (Norderney.)  Der  Reichskanzler  Fürst  Bülow
hat  mehrere  Besprechungen  mit  Führern  der  Blockparteien,  wie
Bassermann  (nl.),  Müller-Meiningen  (fr.  Vg.),  v.  Normann  (konf.).

25./29.  August.  (Würzburg.)  Generalversammlung  der
Katholiken  Deutschlands.

Vorsitzender  ist  Rechtsanwalt  Fehrenbach.  Von  Bischöfen  nimmt
unter  anderen  teil  Erzbischof  Abert  von  Bamberg.  Hauptreferate:  Kanonikus
  Meyenberg  (Luzern):  Religion  und  Konfession.  Er  sagt  darin:
Die  Bergpredigt  ist  nicht  ohne  Konfession  und  Kirchlichkeit,  ohne  Glaube
und  Dogma:  sie  ist  tiefgründige,  unvergleichlich  erhabene  Moral,  ideale,
nicht  pathologische  Lebenskasuistik,  eng  verbunden  mit  der  Perfon  Jesu
und  mit  der  unter  den  Händen  des  himmlischen  Architekten  werdenden
Kirche  Jesu.  Nicht  bloß  Religion  in  unumschriebenen  Formen  und  Regungen
  des  Gemütes,  sondern  in  einem  klar  geprägten  Bekenntnis:  Religion
in  bestimmter  Konfession.  So  ist  unsere  Konfession  eine  Blume  des  Evangeliums,
  ein  Dombau  des  Architekten  Jefus  Christus.  Das  Bekenntnis
der  Gottheit  Christi,  diese  ausgeprägte  Konfession  der  Erde  ist  zugleich  die
Konfession  des  Himmels.  Die  Ur-  und  Felsenwahrheit  Christi  ist  bis
heute  das  granitene  Urgebirge  unserer  Konfession  geblieben.  Was  ist  der
neue  Syllabus  Pius  X.  Die  Erneuerung  des  Jesusexamens  von  Cesarea
Philippi.  (Großer  Beifall.)  Die  neuesten  Verwerfungen  des  Syllabus  sind
eine  Prüfung  der  modernen  Welt.  Was  halten  die  Menschen  vom  Menschensohn?
  Und  nach  dem  Bekenntnis  Petri  erfolgt  eine  neue,  überraschende
Konfession  Jesu:  Du  bist  der  Fels,  auf  dem  ich  meine  Kirche  bauen  werde,
und  am  Schlusse  seines  Erdenwallens  stellte  Jesus  die  konkrete  Kirche  hin
als  die  Lehrerin  seiner  Wahrheit.  Gibt  es  eine  klarere  Rechtfertigung  der
katholischen  Konfession?  Unsere  Magna  Charta  ist  das  Leben  Jesu  und
das  Evangelium.  (Bravorufe  und  Händeklatschen.)  —  Abt  Norbert  von
St.  Ottilien:  Katholizismus  und  Mission.  Pfarrer  Bartels  (Bielefeld):
Kirchliche  Notlage  der  Katholiken  im  Inland.  Professor  Spahn  (Straßburg):
  Katholizismus  und  Hochschulen.  Rektor  Brück:  Katholizismus  und
Volksschule.  Geistlicher  Rat  Wacker  (Zähringen):  Katholizismus  und
Nationalität.  Professor  Schorer  (Freiburg  i.  Sch.):  Moderne  Aufgaben