Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. I. Band, 2. Abteilung. Von der Landesteilung von 1382 bis zum Übergange der Kurwürde an die Albertiner (1547). (2)

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war,  übten  deren  Vorsteher,  die  Vögte,  die  Gerichtsbarkeit  aus;  ihr
Name  geht  gegen  das  Ende  des  Jahrhunderts  in  den  der  Amtsleute
über  und  deren  Unterbeamte  führen  dann  in  der  Regel  den  Titel  Vögte,
für  deren  Thätigkeit  und  Unterhalt  aber  die  Amtleute  verantwortlich
waren;  diese  werden  ab  und  zu,  da  nämlich,  wo  zugleich  landesfürstliche
  Schlösser  von  ihnen  zu  verwalten  waren,  als  Hauptleute  bezeichnet.
Von  den  Amtleuten  hatten  die  amtssässigen  Edelleute  und  Bürger  und
Bauern  ihr  Recht  zu  nehmen,  sofern  sie  nicht  unter  anderes  Gericht
gehörten.  Denn  auch  den  schriftsässigen  Vasallen  gehörte  auf  ihrem
Gebiete  die  niedere  Gerichtsbarkeit,  ingleichen  den  Städten  für  sich
und  ihr  Weichbild  und  endlich  den  geistlichen  Herren  für  ihre  Besitzungen.


Daß  bei  dieser  mannigfaltigen  Gerichtsbarkeit  es  namentlich  auf
dem  platten  Lande  zu  Streitigkeiten  über  den  Gerichtsstand,  zu  Klagen
über  gegenseitige  Übergriffe  kam,  ist  wohl  verständlich;  vornehmlich
waren  die  Vögte  oder  Amtleute  geneigt,  in  das  Rechtsgebiet  der
Ritterschaft  ihre  Amtsthätigkeit  zu  erweitern.  Klagen  darüber  wurden
z.  B.  nach  dem  Tode  Friedrichs  des  Streitbaren  in  der  lbergangsperiode,
  da  Friedrich  der  Sanftmütige  die  Herrschaft  im  Namen
seiner  Brüder,  noch  selbst  im  jugendlichen  Alter  stehend,  angetreten
hatte,  im  Jahre  1428  erhoben  und  erscheinen  dann  anch  später  wicder.
Dafür  beweist  ferner  das  am  4.  Mai  1484  von  Ernst  und  Albrecht  den
„gestrengen,  ehrsamen,  ihren  Abten,  Prälaten,  Klöstern,  dem  Kapitel
zu  Naumburg,  der  Ritterschaft,  den  Städten  in  dem  Osterlande“  neu
bestätigte  Privilegium  ihrer  eigenen  Gerichtsbarkeit,  womit  eine  genaue
Bestimmung  darüber  verbunden  war,  „welche  Sachen  der  Prälaten,
Ritterschaft  u.  s.  w.  arme  Leute  vor  den  landesfürstlichen  Gerichten
rügen  sollten,  damit  sie  sich  mit  den  Amtleuten  nicht  irren  dürsten.
Jeder  der  Berechtigten  sollte  bleiben  bei  allen  Gnaden  und  Rechten
und  alter  Gewohnheit,  nachdem  als  ein  jeder  zu  Landrecht  und  Weichbildrecht
  gesessen  ist.“  Auch  verwahrte  diese  Verordnung  die  Genannten
vor  unnötigen  oder  überteuernden  Sportelforderungen,  wenn  etwa
durch  die  Amtleute  die  gerichtliche  Aufhebung  eines  Toten  erfalgt
war  oder  wenn  sich  ein  der  Ritterschaft  Zugehöriger  bei  Ver
heiratung  und  dergleichen  von  den  Amtleuten  Leibgedingbriefe  ausfertigen
  ließ.