Pflichtmäßige Leibenstbungen an der Fortbildungsschule. 117
keit der Teilnahme. Noch ein anderes fällt bei dem staatlichen Erlasse
dur Förderung der Jugendpflege auf: die Mithilfe der dem Handelsminister
unterstellten Fortbildungsschulen erscheint als nebensächlich.
In der Tat waren denn auch beim Aufbau der Jugendpflege die
Leiter und Lehrer der Fortbildungsschulen in verhältnismäßig sehr
geringem Grade beteiligt.
Gleichlaufend mit allen diesen Anregungen der letzten Jahre
hatte sich unter den Jugendlichen der in Frage koꝛ umenden Altersstufe
selbst eine frische Bewegung geltend gemacht. Abgesehen von
den Jugendvereinen, die sich infolge des Jugendpflegeerlasses schnell
mehrten, sowie den schon seit Jahren bestehenden Jugendabteilungen
der Turnvereine, wozu noch die der Spiel- und Sportvereine traten,
blühten namentlich an den höheren Schulen Wandervereinigungen
auf, die sich zu größeren Wandervogelbünden zusammenschlossen, und
entstanden die wohl meist unter Leitung von Offizieren stehenden
Abteilungen des Pfadfinderbundes. Eine Zusammenfassung aller
dieser Jugendvereinigungen, soweit sie die Wehrtüchtigkeit unseres
vaterländischen Nachwuchses zu heben versprachen, strebte dann der
von Feldmarschall von der Goltz geleitete Jungdeutschlandbund an.
So vielgestaltig und vielverheißend sich das Bild aller dieser
Bestrebungen unserem rückschauenden Auge auch zeigt, so darf man
den Erfolg bei der Gesamtheit unserer Jugend doch nicht überschätzen.
Denn es war doch nur der kleinere Bruchteil unserer Jugendlichen
im Alter von 14 bis 17 Jahren, der den genannten Jugendvereinigungen
angehörte. Bis zum Jahre 1912 waren nach mehrfachen
in der Jugendpflegeliteratur gemachten Angaben kaum mehr
als etwa 20 Prozent der Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren den
Iugendvereinigungen zugehörig. 10 Prozent etwa sollten den konfessionellen
Gruppen, 10 Prozent den Turn= und Sportvereinigungen
angehören. Die große Mehrzahl mit 80 Prozent stand noch außerhalb.
Ich bin nicht in der Lage, diese Zahlen auf ihre Richtigkeit
nachprüfen zu können. Sicher bekannt ist mir nur die Zahl der den
Turnvereinen der Deutschen Turnerschaft zugehörigen Mitglieder der
Jugendabteilungen. Sie umfaßt 6⅛ bis höchstens 7 Prozent der der
Altersstufe von 14 bis 17 Jahren zugehörigen männlichen Jugend.
Jedenfalls erfuhren alle diese bestehenden Ansätze mit Beginn
des Krieges eine nicht geringe Umgestaltung. Zunächst verlor die
Mehrzahl der Jugendvereinigungen der Turn-, Spiel- und Sportvereine
ihre Führer durch deren Einberufung zum Heere. Weiterhin
aber drängte sich nun die militärische Ausbildung der Jugend in
den Vordergrund. Schon im ersten Kriegsmonate, dessen hinreißendes
Sturmeswehen uns allen das hehrste Erlebnis ist und bleiben wird,
schob die Aufstellung und Übung von Wehrabteilungen oder Wehrkompagnien
alle anderen Bestrebungen auf dem Gebiete der Jugendpflege
und Jugendfürsorge in den Hintergrund. Es galt, die Jugendlichen
oder „Jungmannen“, wie nun die Bezeichnung hieß, die das
16. Lebensjahr überschritten hatten, zum späteren Wehrdienste vorzubereiten.
Die Führung dieser Abteilungen kam meist in die Hände
früherer Offiziere; Unteroffiziere und Gefreite der Ersatztruppen