Full text : Realienbuch Nr. 3 (3)

116  Naturgeschichte.  III

zu  ihrem  Kufbau.  Don  ihm  war  jedoch  in  der  Uährlösung  auch  nicht  eine  Spur
vorhanden.  Da  die  Maispflanze  außerdem  nur  noch  mit  der  atmosphärischen  Luft

in  Berührung  gekommen  ist,  kann  sie  den  Kohlenstoff
—  auch  nur  ihr  entzogen  haben.  Der  wichtige  Baustoff  ist  in
der  Luft  als  Kohlensäure  vorhanden  (s.  IV,  S.  68).  Je  1001
Luft  enthalten  allerdings  nur  etwa  0,031  dieses  farblosen  Gases.

b)  Wie  die  Kneignung  des  Kohlenstoffes  erfolgt,  soll
uns  wieder  ein  Dersuch  zeigen:  Wir  bringen  Sweige  der  Uasserpest
  unter  einem  Elastrichter  in  ein  Gefäß  mit  frischem  Brunnenwasser.
  Uber  die  Mündung  des  Trichters,  die  sich  unter  dem
Wasserspiegel  befinden  muß,  stülpen  wir  sodann  ein  mit  Wasser
gefülltes  Drobierglas  und  setzen  endlich  die  ganze  Dorrichtung  dem
direkten  Sonnenlichte  aus.  Es  währt  nicht  lange,  so  steigen  von  den
Pflanzen  Luftbläschen  empor,  die  sich  in  dem  Probierglase  ansammeln.
  Ist  daraus  alles  Wasser  verdrängt,  so  schließen  wir  das
Elas  unter  Wasser  mit  dem  Daumen,  nehmen  es  aus  dem  Gefäße  und
führen  einen  glimmenden  Span  hinein.  Da  der  Span  sofort  mit  heller
Flamme  brennt,  kann  das  von  den  Pflanzen  ausgeschiedene
Gas  nichts  andres  als  Sauerstoff  sein  (.  IV,  S.  61).

."·,  WieistdieferVorgangzuerklären?LaifenwireinGlas
LIMITED  in  einer  mit  Brunnenwasser  eine  Seitlang  ruhig  stehen,  so  bedecken  sich
g  wachsend.  ..  .  ..  .
dieWandemctLuftblaSchen.DemWasserIftalsoejwaSLuft
beigemengt.  Die  Pflanzen,  die  wir  bei  unserm  Versuche  verwendeten,  nehmen  diese
Luft  auf  u  und  zerlegen  die  darin  enthaltene  Kohlensäure:  der  Sauerstoff  wird  ausgeschieden,
  der  Kohlenstoff  dagegen  zurückbehalten.

e)  Ebenso  verhalten  sich  alle  andern  (grünen)  Gewächse.
Kohlensäure  wird  aber  von  Menschen  und  Tieren  ausgeatmet,
und  Sauerstoff  ist  für  beide  „LCebensluft".  In  der  Natur
findet  also  ein  gewaltiger  Kreislauf  der  beiden  Gasarten
  statt.  Ohne  pflanzenleben  daher  kein  Tier=  und
Menschenleben!

4.  Die  Bedeutung  des  Blattgrüns.  Setzen  wir  Kartoffelknollen
  oder  Mohrrüben  in  derselben  Weise  wie  die  Wasserpest
dem  Lichte  aus,  so  wird  kein  Sauerstoff  ausgeschieden:  Es
findet  also  auch  keine  Aneignung  des  Kohlenstoffes  statt.  Dasselbe
Q]  ist  an  allen  Pflanzen  und  HPflanzenteilen  zu  beobachten,  die

olsp  des  Blattgrüns  entbehren.  Da  sich  nun  Pflanzenstoffe  ohne
23  kohlenstoff  nicht  bilden  können,  so  verstehen  wir  auch,  wie

überaus  wichtig  das  Blattgrün  ist.  Es  findet  sich  —  wie  wir
bereits  wissen  —  besonders  in  den  grünen  Blättern.  Diese  stellen  daher  die  wichtigsten
  Ernährungswerkzeuge  der  Pflanze  dar.

Die  blattgrünfreien  Pflanzen  müssen  die  Stoffe,  die  sie  zum  Leben  und  Rufbau
  ihres  Körpers  nötig  haben,  „fertig“  aufnehmen:  sie  sind  Schmarotzer  oder  Säulnisbewohner,
  wie  wir  das  an  den  Pilzen  gesehen  haben.  Ebensowenig  vermögen  Tiere  und
Menschen  sich  von  Wasser,  Uährsalzen  und  Kohlensäure  zu  ernähren.  die  sind  vielmehr
  auf  die  Stoffe  angewiesen,  die  von  der  grünen  Pflanze  bereitet  werden.  Ohne