Full text : Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage von 1874-1876.

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zum  Falle  von  Paris  fünf  Monate.“')  Und  wie  viele  Tausende
ämpften  nicht  auch  in  der  deutschen  Armee,  die  nach  kaum  zweioder
  dreimonatlicher  Ausbildung  in's  Feld  rücken  mußten?  Wir
haben  nicht  gehört,  daß.  diese  9  schlechter  schlugen  wie  die  zweiund
  dreijährig  ged  rillten  Soldaten.  Preußen  stellte  1813
200,000  Mann  in's  Feld,  obgleich  nach  dem  Vertrage  von  Tilsit
vom  Jahre  1807  es  nur  40,000  Mann  unter  Waffen  halten
durfte.  Dies  wurde  nur  möglich  dadurch,  daß  die  Soldaten  nach
wenigen  Monaten  der  Uebung  entlassen  wurden  und  Andere  an
deren  Stelle  rückten.  In  Folge  dieses  Systems  schrieb  ein
französischer  Gesandter  dem  ersten  Napolcon:  „Preußen  habe
war  nur  40,000  Soldaten,  aber  in  jeder  Uniform  steckten  wenigens
  3  Mann.“

Der  Berufssoldat  ist  der  natürliche  Feind  des  Volkssoldaten;
  wo  dieser  erscheint,  muß  jener  verschwinden.  Daher
kommt  es,  daß  unsere  militärischen  Autoritäten  so  absprechend
über  die  Volkswehr  urtheilen  und  daß  der  ganze  Troß  derjenigen,
die  in  dem  heutigen  Militärsystem  die  Hauptstütze  des  gegenwärtigen
  Staatssystems  sehen,  ihnen  rauschenden  Beifall  klatschen
und  das  politisch  nicht  geschulte  Volk  kopfscheu  zu  machen  suchen.

Doch  gab  es  auch  Berufosolbaten.  die  eine  bessere  Meinung
von  der  Volkswehr  hatten,  als  unsere  heutigen  militärischen
Autoritäten,  und  zu  diesen  esorte  einer,  vor  dessen  Namen
Fun  wie  Feind  den  Hut  abzie  Dies  ist  der  preußische

ldmarschall  Neidhardt  von  beht  Dies  neben  Scharnhorst
der  Schöpfer  der  Ebargteo  Landwehr.

*)  neber  diese  sozusagen  aus  dem  Boden  gestampften  Armeen  Frankreichs
  hat  ein  höherer  preußischer  Officier  Oberst  Colmar  Freigerr  r.  d.
Goltz  ein  höchst  interessantes  Buch  geschrieben,  detitelt:  „Léon  Gambetta
und  seine  Armeen“.  In  diesem  Buche  werden  dem  Erxdiktator  und
seinem  Gehülfen  Freycinet  —  von  Fach  Ingenieur  und  gegenwöärtig
Arbeitsminister  Frankreichs  —  die  höchsten  Lobsprüche  gezollt  und  offen
ausgesprochen,  daß  Gambetta  eine  theigunemaat  zuStande  gebracht,

Pes-  höchst  gefährlich  w  werden  können,  wenn  Gambetta  an
Stelle  der  Generale  d'Aurelles  und  Bourbaki  weniger  verzopfte  junge
Kräfte  gesetzt  hätte.  Auf  Grund  dieser  Erfahrungen  und  der  Thatsache,
daß  die  deutsche  Armee  stark  daran  war,  ihr  Menschenmaterial  zu
erschöpfen,  kommt  Freiher  von  Goltz  zu  merkwürdig  demolratischen  Vorschlägen.
  Er  befürwortet  unter  anderem  eine  wesentliche  Verkürzung
der  Dienstzeit  und  will,  ganz  wie  wir,  die  militärische  Jugenverziehung
in  die  Schule  eingefügt  wissen.  Die  9  Offenheit  womit  der  preu
Oberst  sein  Thema  behandelte,  hat  ihm  die  Ungnade  seiner  ochwesenien
Behörde  zugezogen.