Metadata : Gesetzblatt für das Königreich Bayern. 1818 (1)

So  gingen  die  Monate  hin,  und  mein  Besuch  in  Peterhof  im
August  1897  stand  bevor.  In  Übereinstimmung  mit  dem  fürstlichen
Oheim  beschloß  ich,  mit  dem  Zaren  persönlich  und  offen  die  ganze
Frage  zu  besprechen,  und  wenn  möglich  den  Muraviewschen  Noten
und  Ausflüchten  ein  Ende  zu  bereiten.  Die  Aussprache  fand  in
Peterhof  statt.  Der  Zar  erklärte,  er  habe  an  den  Landesteilen  südlich
  der  Linie  Tientsin-Peking  kein  Interesse,  also  sei  kein  Grund  für
ihn  vorhanden,  uns  in  Shantung  Hindernisse  zu  bereiten.  Sein
Interesse  konzentriere  sich  auf  die  Landesteile  am  Yalu,  Port  Arthur
usw.,  nachdem  die  Engländer  ihm  in  Mokpo  Schwierigkeiten  gemacht
  hätten.  Er  werde  sich  sogar  freuen,  wenn  Deutschland  in
Zukunft  auf  der  andern  Seite  des  Golfes  von  Tschili  als  Rußlands
  gern  gesehener  Nachbar  erscheine.  Nachher  hatte  ich  ein  Gespräch
  mit  Muraview.  Er  wandte  alle  seine  Tricks  an,  drehte  und
wendete  sich  und  brachte  endlich  sein  berühmtes  „droit  du  premier
mouillage“  vor.  Ich  hatte  bloß  auf  diesen  Augenblick  gewartet  und
ging  nun  meinerseits  zur  Offensive  über,  indem  ich  ihm  gründlich
mit  dem  Perelschen  Gutachten  zu  Leibe  rückte.  Als  ich  ihm  schließlich,
  wie  der  Zar  es  gewünscht  hatte,  das  Ergebnis  des  Gesprächs
der  beiden  Souveräne  mitteilte,  wurde  der  Diplomat  noch  mehr  betreten,
  verlor  seine  gekünstelte  Ruhe  und  kapitulierte.

So  war  der  Boden  politisch  vorbereitet.  Im  Herbst  kam  die
Nachricht  des  Bischofs  Anzer  über  die  Ermordung  der  beiden  deutschen
  katholischen  Missionare  in  Shantung.  Die  ganze  deutsche
katholische  Welt,  besonders  die  „Kolonialen“  in  der  Zentrumspartei,
verlangte  energische  Maßnahmen.  Der  Kanzler  schlug  mir  sofortiges
Einschreiten  vor.  Auf  der  Winterjagd  in  Letzlingen  beriet  ich  in
einem  der  kleinen  Türme  des  Schlosses  mit  ihm  die  zu  ergrelfenden
Schritte.  Der  Fürst  machte  den  Vorschlag,  den  anwesenden  Prinzen
Heinrich  von  Preußen  mit  dem  Kommando  des  zur  Verstärkung  der
ostasiatischen  Division  hinauszusendenden  Geschwaders  zu  betrauen.

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