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Abwehr gegen die furchtbare Macht der von Spanien und Ita—
lien aus gestärkten Habsburger, blieben sie sich spinnefeind, ge—
langten auch in der Noth nie zur rechten Einigkeit und ließen
sogar durch servile Theologen das Volk zu fanatischem Haße
der andern Partei aufhetzen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß
die Theologen keineswegs immer aus eigener Ueberzeugung ein—
ander gegenseitig lästerten, sondern daß sie dabei nach einer geheimen
Instruktion verfuhren und nicht die biblische Wahrheit,
sondern nur das Interesse der Dynastie verfochten, welcher sie
ihre Anstellung als Universitätslehrer und deren besondere Gnade
verdankten. Die high-flighers in Wittenberg und Heidelberg,
die einander scheinbar aus rein religiösem Eifer in wahnsinniger
Wuth wie giftige Drachen anspien, verfluchten und verdammten,
echauffirten sich lediglich im Dienst ihrer weltlichen Höfe. Die
unbarmherzige Verfolgung der Kryptocalvinisten in Sachsen hatte
keinen andern Grund.
Von diesem heillosen Unfug nun, wobei nicht nur das
nationale Interesse der Deutschen unsäglich Noth litt, sondern
auch die Religion auf das schändlichste mißbraucht wurde, hielt
sich unter den fürstlichen Zeitgenossen Luthers nur der Kurfürst
von Brandenburg, Joachim Nestor, frei und bemühte sich, soweit
es in seinen Kräften stand, die streitenden Gruppen zu versöhnen
und dem namenlosen Elend vorzubeugen, welches nachher
doch im dreißigjährigen Kriege über Deutschland gekommen ist.
Die durchaus vernünftige, von christlicher Bruderliebe und
deutschem Patriotismus vorgeschriebene confessionelle Neutralität
des Kurfürsten wurde ihm damals schon und wird ihm noch
immer bis auf die neueste Zeit von confessionellen Fanatikern
vorgeworfen. So übel ist es noch mit unserer Geschichtschreibung
bestellt, daß so grobe Täuschungen der öffentlichen Meinung in
Bezug auf unsere Vergangenheit immer noch möglich sind. Der
Kurfürst sey, sagt man, unentschlossen, ohne Muth, nicht Fisch