312 Oberstrichterliche Entscheldungen.
unter den gegebenen Verhältnissen ein doloses Verhalten
auf Seite des Verkäufers nicht vorliege.
Wird noch berücksichtigt, daß nach der Feststellung
des Instanzrichters der Verkäufer den Käufer noch ausdrücklich
darauf hinwies „daß die Sache, nämlich die Erlangung
der baupolizeilichen Genehmigung schwer sei; es
brauche streiten und es sei fraglich, ob er die Genehmigung
erhalte, daß ferner der Käufer sich auf seine einflußreichen
Freunde verließ“", dann verstößt auch nicht
gegen das Gesetz die Annahme des Urtheils, daß hier in
dem Verschweigen der fraglichen Thatsache auf Seite des
Verkäufers keine derartige culpa gegeben sei, welche nach
Bayer. LR. Thl. IV Cap. 1 § 20 Nr. 2 in eivilibus dem
dolo gleichkommt Wie an dieser Stelle Nr. 3 bemerkt
ist, beruhen gradus culpae lediglich auf Beschaffenheit
der schuldhaften Person, dann anderen Umständen und
deren richterlichen Ermäßigung, und wird noch beigefügt,
daß man unter culpa lata gemeiniglich die Verabsäumung
der allergemeinigsten Sorgfalt verstehe.
Diese Begriffsmerkmale zu Grunde gelegt war der
Instanzrichter Angesichts des von ihm festgestellten Sachverhalts
und in Erwägung aller ausführlich erwähnten
und beachteten Umstände wohl berechtigt zu der Feststellung,
daß die Sache nicht so gelagert sei, eine dem
dolus gleich zu achtende Fahrlässigkeit als gegeben anzunehmen.
Ebenso berechtigt und durch die Vorschrift des
Bayer. LR. a. a. O. Nr. 4 gedeckt, ist die weitere
Annahme, daß unter allen Umständen die Beklagten
selbst Mitschuld an dem behaupteten Schaden treffe,
und deshalb die Geltendmachung der gegnerischen
culpa ausgeschlossen sei. Denn dieselben waren durch
den Verkäufer auf das große Risiko aufmerksam gemacht,
welches sie mit dem Kaufe jener Bauplätze auf sich nahmen.
Sie kannten die Localverhältnisse. Sie konnten
und sollten sich hienach über die Sachlage geeigneten
Orts vorher erkundigen; hätten aber nicht, wie es im