152 l.ehrgebiet und Lehrbetrieb.
gestellt. Er kann ebenso gut wie an der medizinischen Akademie an
irgend einer anderen autorisierten deutschen Krankenanstalt scin praktisches
Jahr ableisten. Es soll sich also die Tätigkeit der Akademie,
soweit sie den Unterricht vor der Approbation betrifft, ausschließlich
nur auf die praktische Fortbildung der auf der Universität gesammelten
medizinischen Kenntnisse beschränken, und für die approbierten Ärzte
soll sie eine Ergänzung zu den Bestrebungen des Zentralkomitees für
das ärztliche Fortbildungswesen bilden. Diesem letzteren Umstande
ist auch dadurch Rechnung getragen, daf in das Kuratorium jeder
Akademie für praktische Medizin ein Vertreter des Zentralkomitees
für das ärztliche Fortbildungswesen und umgekehrt ein Mitglied der
betreffenden Akademie in das Zentralkomitee delegiert werden soll.
Die Aufgaben der Akademien für praktische Medizin sind, wie
ersichtlich, schr weite und dankbare und beim richtigen Erfassen
derselben werden diese Anstalten unzweifelhaft eine ungemein segensreiche
Tätigkeit zugunsten der Ärzte entwickeln können. Ganz besonders
für den Praktikanten wird die ÄAbleistung des praktischen
Jahres an einer Akademie gegenüber den Aufenthalt an einer isolierten
Krankenanstalt vorzuziehen sein, denn die geistige Anregung, die
Möglichkeit der wissenschaftlichen Fortbildung ist an einer Akademie
mit ihren zahlreichen Fachinstituten und Fachlehrern in weit höheren
Maße gegeben als im anderen Falle. Ob den Akademien in weiterer
Zukunft nicht noch andere Aufgaben erwachsen, etwa in der Richtung,
daß sie das Recht erhalten, besondere Spezialisten-Approbationen zu
erteilen, muß die Entwicklung dieser Anstalten lehren. Die Zahl der
im Deutschen Reiche zu errichtenden Akademien für praktische Medizin
ist noch in keiner Weise festgelegt. In erster Linie hängt dies
von den Stadtverwaltungen ab, die sich bereit erklären, ihre bestehenden
medizinischen Anstalten in den Dienst einer Akademie zu
stellen bezw. neue Anstalten zu diesem Zweck zu errichten. Es ist
indessen nicht zu bezweifeln, daß bei der so oft bewährten und gezeigten
Opferwilligkeit der deutschen Städte für kulturelle Aufgaben
dies in genügender Weise geschehen dürfte, umsomehr als wieder
eine derartige Einrichtung auf das geistige und wissenschaftliche Leben
in der betreffenden Stadt in vorteilhaftester Weise zurückwirken wird.