Geschichtliche Entwicklung der deutschen Universitäten. 15
Sieg davongetragen, die übrigens auch die Richtung des älteren
Luther war.
Die philosophische Fakultät behielt im wesentlichen die
Stellung, die sie im Mittelalter als artistische Fakultät innegehabt
hatte, die Stellung einer allgemein-wissenschaftlichen Vorschule für
die oberen Fakultäten, besonders die theologische. Im Vordergrund
ihres Unterrichts stehen die philosophischen und die philologischen
Disziplinen, beide haben engste Beziehung zur Theologie.
Der philosophische Unterricht seit dem vierten Jahrzehnt
war unter dem bestimmenden Einfluß Melanchthons allmählich in
das Geleise einer modifizierten und modernisierten scholastischen
Philosophie wieder eingebogen, aus dem ihn herauszubringen die
Renaissance und anfangs auch die Reformation einen so kräftigen
Anlauf genommen hatte. Aristoteles war wieder zum herrschenden
Schulphilosophen geworden, von dessen Lehre abzugehen auch wohl
geradezu durch die Statuten, wie in Helmstädt, untersagt war.
Melanchthon hatte die Weisung gegeben: „Wird Aristoteles beiseite
gelegt, dann wird eine große Verwirrung in den Wissenschaften die
Folge sein, denn er allein ist der Meister im methodischen Denken.“
In dieser Absicht also wurde die Philosophie getrieben, als Schule
des formalen Denkens. Für die inhaltliche Bestimmung der Weltanschauung
aber gibt es noch andere Quclien; sie werden durch die
Theologie erschlossen.
Neben dem philosophischen Unterricht bot die Fakultät einen
„philologischen“ Unterricht; er bildete den Niederschlag, den der
Humanismus zurückgelassen hatte. Dieser Unterricht war freilich von
dem heutigen philologischen Betrieb sehr verschieden; es handelte
sich dabei nicht um philologische Textbearbeitung, oder um die Einführung
in die Altertumswissenschaft, oder auch um die Einführung
in den Geist des Altertums, sondern um die Änleitung zur Nachbildung
der Werke der alten Literatur, oder nach der Idee der
Renaissance um die Wiederbelebung der antiken Literatur. Die
Form des Unterrichts war daher auf den Universitäten im wesentlichen
die gleiche wie auf den Schulen: Anleitung zur Imitation, in
Prosa und in Versen. Die Lehrer führten ihren Namen: Professoren
der Dichtkunst, der Beredsamkeit, nicht umsonst; als die Nachkommen
humanistischer Poeten und Oratoren lehrten sie nach dem Muster der
Alten lateinische, und wohl auch griechische, Reden (declamationes)
und Gedichte machen, wie sie denn auch selbst diese Kunst übten
und öffentliche Probeleistungen bei festlichen Gelegenheiten vor-