208
aͤlteren Sammlungen, die er schon vorfand, die seinige nur
zusammensetzte. Von Pseudo-Isidor hat er nur Weniges; nicht
als ob er an der Authentie desselben gezweifelt haͤtte, sondern
weil er wahrscheinlich in den Kollektionen, die er vor sich hatte,
nur Weniges aus demselben antraf.
Ausgaben des Regino sind:
Die erste von Hildebrand. Helmstädt 1659. 4.
Die bei weitem bessere ist von Baluzi. Paris
1674. 8.
Ein betraͤchtliches Stuͤck von Regino vertritt auch die
Stelle eines Bußbuchs. Ein Poͤnitentiale (Bußbuch)
war ein oͤffentliches Verzeichniß derjenigen Poͤnitenzen, welche
fuͤr gewisse Verbrechen geleistet werden mußten. Wenn naͤmlich
einer in der alten Kirche ein Verbrechen beging, so mußte
er wegen des Aergernisses, das er damit angerichter, öffentliche
Kirchenbuße thun. Bald aber wurden der Verbrechen
dieser Art so viele, daß man diese öffentlichen Kirchen= Pönitenzen
in etwas Anderes verwandeln mußte; denn Manche
scheuten sich wegen der Schande der Kirchenbuße, ihre Verbrechen
zu gestehen; es wäre zuletzt auch außerhalb der Kirche
so voll geworden, als in der Kirche selbst, und Viele hätten
so viel Pônitenz zu thun gehabt, daß sie in ihrem Leben
nicht fertig geworden wären. Man verwandelte also endlich
diese Kirchen-Pönikenzen in eine gewisse Anzahl von Fasien,
Almosen, Psalmenbeten. Wenn nun dem Priester in der
Beichte ein armer Sünder vorkam, der ihm sein vergangenes
Leben erzählte, so mußte er ihm für einzelne Verbrechen P#-nitenzen
auflegen, und damit man nicht das eine Mal mehr,
das andere Mal weniger auflegte, damit in diesem Punkte Alle
gleich gehalten würden, setzte man ein Verzeichniß auf, was
für eine Pönitenz für jede Sünde zu prästiren sey.