Metadata : Kriegsamtliche Mitteilungen und Nachrichten. Nr. 51-60 (5)

s  der  Kriegs

irtschaft.

Beilage  zum  „Kriegsamt“  Nr.  57.

Nur  die  mit  einem  *  bezeichneten  Abschnitte  sind  zum  Abdrucke  freigegeben.

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Die  Lederbew

irtschaftung  während  des  Krieges.

Von  Reglerungsrat  Dr.  Boelcker,  Berlin,  Hauptmann  d.  L,  Mitglieb  der  Wissenschaftlichen  Kommbsslon  des  Kriegamt#steriums.
Schluß.

Aber  der  außerordentlich  gesteigerte  Militärbedarf  an
Leder  und  die  gleichzeitige  Unmöglichkeit  einer  genügenden
Einfuhr  ließen  erkennen,  daß  die  Versorgung  ber  Zivilbevölkerung
  mit  Leder  (Schuhwerk  und  Ausbesserungsmaterial)
  welterhin  unmöglich  sel.  Es  kamen  im  wesentlichen
  Ersatzfohlen  und  Ersatzstoffe  für  Leder  in  Betracht,
und  diese  zu  beschaffen  war  Aufgabe  der  im  Oktober  1916
in  Berlin  gegründeten  Ersatzsohlen-G.  m.  b.  H.
Neben  der  Erzeugung  und  ihrer  Förderung  hatte  die  Gesellschaft
  für  die  Verteilung  an  Hersteller,  Weiterverarbeiter,
  Händler  und  Verbraucher  zu  sorgen.  Auch
wurde  ihr  die  Bewirtschaftung  der  Lederabsälle  übertragen.
  Es  wurden  brauchbare  Ersatzstoffe  geschaffen,  die
an  Stelle  von  Leder  verwendet  werden  können;  insbesondere
  sah  man  sich  auf  dle  Verwendung  von  Holz  als
dem  einzigen  Material  angewiesen,  das  in  gröheren
Mengen  im  Inlande  greifbar  vorhanden  war.  Die  jährliche
  Bedarssmenge  der  Zivilbevölkerung  beläuft  sich  auf
mindestens  50  Millionen  Paar  neuen  Schuhwerks  und
150  Millionen  Paar  Ausbesserungssohlen.  Die  Gesellschaft
  bat  in  der  Zeit  vom  Jonnar  1917  bie  September
1917  14  Millionen  Paar  Ausbesserungssohlen  bem
Schuhmacherhandwerk  zugeführt.  Die  Produktion  von
Ersahsohlen  aus  Holz  steigert  sich  von  Monat  zu  Monat.
Ebenso  werden  Schuhbestandteile  ausschließlich  aus  Ersatzstoffen
  hergestellt.  Das  anfängliche  Mißtrauen  des
Schuhmacherhandwerks  ist  zum  größten  Teil  überwunden
worden,  und  auch  das  ursprünglich  ablehnende  Verhalten
der  Bevölkerung  ist  mit  der  fortschreitenden  Verbesserung
des  Lederersatzes  und  der  Bearbeitungstechnik  im  Rückgange
  begriffen.

Mit  der  Forkdauer  des  Krieges  wurde  als  notwendig
erkannt,  den  Bedarf  der  Bevölkerung  durch  weitere  allgemeine
  Organisationen  zu  befriedigen.  Die  Schubindustrie
  bildete  einen  Ueberwachungsaus-.
schuß,  dem  die  Erzeugung  und  Verteilung  sämtlichen  für
die  Zivilbevölkerung  bestimmten  Schuhwerks  obliegt.  E
ist  unter  gewissen  Voraussetzungen  berechtigt,  die  weiterarbeitenden
  Betriebe  nach  besonderen  Gesichtspunkten
auszuwählen  und  ihre  Schließung  und  Wiedereröffnung
zu  bestimmen.  Innerhalb  befstimmter  Bezirke  des
Reiches  wurden  durch  Gesetz  Schuhwaren-Herstellungs--
  und  Verktriebsgesellschaften
errichtet,  die  sich  aus  den  Herstellern  von  Schuhwaren  des
betrefsenden  Bezirks  bildeten.  Diese  Gesellschaften  regeln,
abhängig  vom  Ueberwachungsausschuß,  die  Herstellung
von  Schuhwaren  jeder  Art  nach  Maßgabe  der  verfügbaren
Rohskoffe  und  der  volkswirtschaftlichen  Bedürfnisse.  Ferner
wurden  Schuhbhandels-Gesellschaften  ins
Leben  gerufen,  die  die  Verteilung  von  neuen  Schuhdeutschen

  Betrieben  zugeführt  wurde,  glaubte  man  auswaren,

  insbesondere  der  von  den  Schuhwaren-Herstellungs-
  und  Vertriebs-Gesellschaften  hergestellten  und
vom  Uleberwachungsausschuß  der  Schuhinduftrie  zugewiesenen,
  der  beschlagnahmten  und  enteigneten  sowie  der
aus  dem  Ausland  eingeführten  Schuhwaren  bezweckten.
Sie  werden  überwacht  von  dem  Hauptverteirungoausschuß
  des  Schubhanbdels,  der  nach
Zusammenstellung  der  Erzeugung  und  Feststellung  der
Briebensbezüge  die  allgemeine  und  besondere  Zutellung
regelt.
Reben  dem  Aeberwachungsausschuß  der  Schubindustrie
  und  der  Kontrollstelle  für  frelgegebenes  Leder  &
eine  Relchsstelle  für  Schubversorgung  ein-Lerichtet
  worden,  der  es  obliegt,  den  Bebarf  der  bürgerlichen
  Bevölkerung  an  Schuhwaren  und  Schuhbestandteilen
aller  Art  und  allen  für  die  Schuhwarenherstellung  und
Ausbesserung  geeigneten  Gegenständen  sicherzustellen,
sowie  die  Ausbesserung  des  Schuhwerks  zu  regeln.
Jmmer  mebr  mußten  Ersatzstoffe  herangezogen
werden  um  vem  steigenden  Lebermangel  abzuhelfsen.  So
bat  die  Relicheholzverteilungsstelle  für
Fuchbeklel=  ung  G.  m.  b.  H.  den  Zweck,  Holz,  das
ihr  von  den  ôu#  esstaatlichen  Reglerungen  zur  Verfügung
gestellt  wird  den  betekligten  Indastrien  zur  Herstellung
von  Gegenständen  der  Fußbekleidung  zur  Verfügung  zu
stellen.
SEceenso  wichtig  wie  die  Versorgung  der  Iiollbevölkerung
  mit  Schuhwerk  ist  bie  Versorgung  von  Industrie
und  Landwirtschaft  mit  technischem  Leder  (Treibriemen,
Manschetten,  Ventilklappen,  Pumpenleder  u.  dgl.).  Von
größerer  Bedeutung  ist  die  Bewirtschaftung  der  Lebertreibriemen
  geworden.  Trotzdem  bat  sich  in  den  ersten
beiden  Kriegsfahren  die  Notwendigkeit  einer  staatlichen
Negelung  dieses  Gebietes  nicht  so  stark  fühlbar  gemacht,
um  eine  besondere  Organisation  zu  schaffen.  Da  in  den
besetzten  Gebleten  eine  ansehnliche  Menge  von  Treibriemen
käuflich  erworben  und  durch  die  Kriegsleder-A.-G.  den

reichend  vorgesorgt  zu  haben.  Vom  Winter  1915/16  an
aber  begannen  sich  die  Verhältnisse  auf  dem  Gebiete  der
Treibriemen  bedrohlich  zu  gestalten.  Die  infolge  unzureichender
  Robstoffmengen  schwache  Erzeugung  neuer
Niemen  und  der  schnelle  Verbrauch  der  vorhandenen  Bestände,
  den  die  Kriegsleder-A.-G.  nicht  aufhalten  konnte,
hatten  Hamsterei  und  Preistreiberei  zur  Folge.  Nach
manchen  Vorberatungen  kam  im  September  1916  die  Errichtung
  der  Rtemen  =  Fresgabestelle  zur  Durchführung.
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Um  elne  klare  Aebersicht  zu  gewinnen,  ordnete  man
von  vornherein  das  ganze  Gebiet  der  Treibriemenh######=