162
wirklichung der Wünsche des Ordens besonders begünstigen zu wollen.
Um nun diesen dem Papste anzuzeigen und daran die Bitte des
Ordens zu knüpfen, er möge einen Legaten zur Vollziehung der längst
bestimmten Landesordnung nach Preußen senden, reiste gegen Ende des
Jahres 1245 der Predigerbruder Heidenrich im Auftrage des Ordens
nach Lyon. /0) Mit hoher Freude empfing Innocenz den Bericht von
den günstigen Erfolgen des Abtes Opizo in Preußen. Denn auch ihm
war der lange Ausschub, den die Angelegenheit der Preußischen Bisthüwelche
zu verhandeln den Polnischen Bischöfen nicht zukam, worüber sich die Ritter
auch wahrlich keine Polnischen Rathschläge einholten, endlich ei e Sache, die der
Papst sich vorbehalten, — die also der Legat allein, höchstens mit Zuratheziehung
des Ordens, zu entscheiden gehabt bätte. Wie wunderlich überhaupt eine
Preußische Synode — von Polnischen Bischöfen! — Die Wahl der
Bischöfet Auch dies war kein Gegenstand, bei dem man Fremde gem mitreden
ließ. Dann aber finden sich in der That über ein Jahr nach der angeblichen Zeit
dieser „Synode“ noch immer keine Preußischen Bischöfe. Der früheste, Heidenrich
von Kulm, kommt 1246 vor, die beiden andern von Ermland und Pomesanien erst
12491! Sind die Bischöfe aus Polen aber vielleicht zur Weihe der erwählten Bischöfe
herbeigerufen worden? Auch das nicht; denn Heidenrich, der am frühesten
gewählte, sagt ausdrücklich, daß er „ von des Papstes eigner Hand, also zu Lyon
die Bischofsweihe empfangen habe. Es fehlt mithin der „Synode auf den Sonntag
Quasimodogeniti 1244 in dem Kloster der grauen monche zu Thern in der alten
stadt= nicht weniger, als Alles: Wilhelm, um sie zu berufen, die Preußischen Bischöfe,
um auf ihr zu tagen, und die Gegenstände der Berathung selbst, sie wird daher mit
dem 1195 zu Akkon gehaltenen Ordenskapitel, dem 1213 in Rom gehaltenen Consistorium
und ähnlichen von Simon Grunau erdichteten „Synodis“ in
eine Reihe gehören. Bgl. hierüber, wie über die ganze Geschichte Christians und
der ersten Ankunft des Ordens in Preußen nach Simon Grunau, 73### . O.
besonders S. 158 ff.
340) Da Heidenrich Acta Bor. II. 721 selbst berichtet, daß er in Lyon zum
Bischof geweiht worden sei, und da wir ihn schon am 10. März 1246 in Preußen
als Bischof von Kulm finden (Cod. d. Pr. I. 66.), im Jahre 1245 aber Christian
noch lebte und noch keins der Bisthümer besetzt war (Cod. d. Pr. I. 62.), so muß
Heidenrich 1) gegen Ende 1245 oder sogleich in den ersten Tagen 1216 in Lvon gewesen
sein und 2) seine Sendung sich eben auf die Einrichtung der Bisthümer bezogen
haben, wie denn seine in Lyon sofort geschehene Weihe, die erste nach Christian,
eben zum deutlichen Beweise dient, daß zu ihrer Zeit der Papst die Ausführung
der längst gegebenen Einrichtung Preußens ernstlich betrieben.