Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfzehnter Band. (15)

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auch  nicht  noch  überdieß  eine  Menge  der  traurigsten  Beispiele
  aus  ehemaligen  Zeiten  über  die  fürchterlichen  Folgen
jenes  barbarischen  Gebrauches  belehrte.  Die  alte  Idee,  daß
die  Folter  eine  Art  von  Gottes-Urtheil  sey,  ist  längst  verschwunden,
  und  so  ist  sie  im  Grunde  nichts  mehr  als  ein
Polster  für  faule,  ungeschickte  Inquirenten,  und  eine  Consequenz
  aus  dem  abscheulichen  Grundsatze,  daß  es  besser  sey,
wenn  einige  Unschuldige  unterlägen,  als  ein  Schuldiger
entgehe.  Indeß  haben  die  Vertheidiger  der  Tortur  eben  dieses
  Argument,  weil  es  auf  diese  Weise  gar  zu  offenbar
Grausamkeit  und  Unvernunft  in  sich  trägt,  noch  umgewandt
uud  ##erklärt  (so  steht  es  auch  im  Justinianeischen  Codex“):
es  geschehe  aus  zarter  Sorgfalt  für  das  Leben  eines  Menschen,
  weil  sonst  so  mancher  Verbrecher  durchkommen  wörde;
oder  umgekehrt:  es  sey  gar  zu  hart,  daß  ein  Mensch  auf
die  Aussage  weniger,  oft  falscher  Zeugen  hin,  sterben  solle;
es  sey  daher  in  der  Folter  eine  Methode  erfunden,  die  Wahrheit
  an  den  Tag  zu  bringen,  eine  Methode,  bei  welcher
sich  die  Unschuld##zeigen  könne  durch  Kandhaftes  Verneinen,
oder  die  Schuld  vurch  ein  gerades  Bekenntniß.  Allein  es.
heißtdieser  Rechtfertigungsgrund  denn  doch  nichts  anderes,  als:.
ich  will  einem  harten  Uebel  zuvorkommen  durch  ein  noch  viel
härteres.  Demungeachtet  fragt  es  sich,  8)  ob  es  denn
gar  keinen  Fall  gebe,  wo  man  sagen  könnte:  es  sey  der
Weisheit  eines  Gesetzgebers  sogar  angemessen,  besonders  je
nachdem  der  Volkscharakter  beschaffen  sey,  die  Folter
einzuführen?  Alle  dergleichen  denkbaren  Fälle  lassen  sich
wohl  unter  der  Hauptformel  zusammenfassen:  wenn  Thatund
  Thäter  schon  erwiesen  und  eingestanden  sind,  und  Letz-5

  K.,  4.  1.  8.  und  ist.  4v.  1.  16.