IV. Von Jena nach Osterode. 403
Preußen Aussicht auf russische Hilfe erschloß. Nun war für
Napoleon der siegreiche Krieg gegen Preußen nur ein Vorspiel
gewesen zu einem Kriege gegen Rußland. Dazu brauchte er
Preußen als Operationsbasis. Der Präliminarfriede, wie er
vereinbart war, leistete das nicht. Daher mußte er noch bei
der Unterzeichnung geändert werden. Ein Zusatz verpflichtete
Preußen, fremden Truppen gegen Frankreich Durchmarsch zu
versagen und bei einem russischen Angriff auf die Türkei im
Bunde mit Frankreich Rußland in Polen zu bekämpfen. In
Grandenz, wohin er von Küstrin (das dann am 1. November
feige übergeben wurde) entwichen war, erhielt der König diesen
Entwurf. Es galt die Entscheidung: annehmen oder ablehnen?
Zu diesem hatte man nicht den Mut; jenes bedeutete statt
Frieden neuen Krieg, und zwar mit Rußland, von dem allein
noch Rettung zu hoffen war. Der letzten Forderung wollte
man sich entwinden, selbst um den Preis des Eintritts in einen
von Frankreich geleiteten deutschen Bund. Es war die alte
Halbheit — hier eine Weigerung, an deren Ernst der Sieger
nicht glaubte, da sie dort ansgewogen wurde durch schwächliche
Nachgiebigkeit. Aber vielleicht wand man sich durch die Schwierigkeiten
hindurch, wenn man Rußland gütlich zuredete, die Türkei
in Frieden zu lassen und seine Truppen zurückzuhalten. Daun
trat ja der Fall nicht ein, in dem man Frankreich Heeresfolge
zu leisten hatte. In diesem Sinne empfahl der Nat, den der
König am 6. November in Graudenz hielt, mit Stimmenmehrheit
die Annahme des Charlottenburger Vertrages. Damit
glaubte man den Krieg los zu sein, und der König richtete
am 7. ein Schreiben an den Kaiser, das in warmen Worten
den Wunsch nach Frieden und Freundschaft ernente.
Aber wieder war dieser Beschluß durch die Ereignisse überholt.
Am 7. November hatte Blücher, der sich in Gemeinschaft
mit Scharnhorst bis Lübeck durchgeschlagen, wegen Mangels
an Brot und Pulver in Ratkau kapituliert. Am 8. kapitulierte
Magdeburg schmachvoll — mit 24 000 Mann, 6000 Pferden,
600 Kanonen und Ueberfluß an allem zu monatelanger Verteidigung
Nötigen. Am 9. befahl Napoleon Duroc, Luchhesini
und Zastrow wissen zu lassen, jetzt, nach der Bewältigung der