426 Abermalige Ablehnung.
von Sybell wörtlich mitgeteilten Depesche vom 20. Februar setzte er ihm
auseinander, daß der Kaiser bindende Jusagen nur geben würde, wenn auch
der König entsprechende Verpflichtungen übernehme. Außerdem werde keine
noch so sorgfältige Formulierung Napoleon hindern können, im entscheidenden
Augenblick durch irgendeine Hintertür zu entschlüpfen, wenn er es für
vorteilhaft halte. Da es Frankreich vor allen Dingen darauf ankomme,
Ofterreich und Preußen voneinander zu trennen, so würde in der Existenz
eines schriftlichen Vertrages eine große Versuchung liegen, durch dessen Mitteilung
an Hsterreich dieses mit Preußen dauernd zu verfeinden, die öffentliche
Meinung Deutschlands zu erregen und die übrigen Mächte gegen die
preußische Politik mißtrauisch zu machen. Preußen würde dann Frankreich
auf Gnade und Ungnade preisgegeben sein. Ein Vertrag mit Frankreich
würde nur in Frage kommen können, wenn das Bündnis mit Österreich durch
dessen Intiative gelöst sei. Es sei viel besser, wenn Osterreich sich davor fürchte,
daß Preußen ein Bündnis mit Frankreich schließen könne, während gleichzeitig
Frankreich damit rechnen müsse, daß man das öfsterreichische Bündnis
vorziehe. Bismarck gab deutlich zu erkennen, daß nach seiner Meinung den
Zusicherungen Napoleons überhaupt nicht zu trauen sei, und daß dieser nur
darauf ausgehe, sich freie Hand zu bewahren, um im rechten Augenblick auf
die vorteilhaftere Seite treten zu können.
Als dann im April in Berlin der Bruch mit Hsterreich schärfer ins Ange
gefaßt wurdes, gab Bismarck dem Grafen Goltz den Befehl, sich zu vergewissern,
ob nicht vielleicht eine Annäherung zwischen Frankreich und Österreich
eingetreten sei und welche Haltung Frankreich beim Ausbruch eines
Krieges voraussichtlich einnehmen werdes; aber er bevollmächtigte ihn nicht
zu Verhandlungen über einen förmlichen Vertrag. Uber die Antwort, welche
Goltz auf diese Anfrage erteilte, herrscht zwischen Sybel und der französischen
Publikation ein unlösbarer Widerspruch. Nach des ersteren Darstkellung“ hätte
Goltz nur erwidert, er glaube annehmen zu dürfen, daß Napoleon den Italienern
freie Hand lassen würdes und habe von einer Annäherung des Kaisers
an Ofterreich nichts entdecken können. Hingegen hat nach Benedettis Bericht
vom as. April Bismarck am Tage vorher die von Goltz eingelaufene Antwort
73f.
Uber die gleichzeitigen ersten Sondierungen Bismarcks bei Italien, die sehr vorsichtig
waren, s. d. Ber. Malarets aus Turin 20. April 1865 Nr. 1359.
2 Die zwelfellos von Bismarck selbst herrührenden Angaben von Benedetti (28. April
Nr. 1370) stehen nicht unbedingt im Widerspruch zu dem Berichte Sybels 4, 107, wie die
Herausgeber meinen. Der Siun belder Fragen ist der gleiche.
t4, 108.
* Ubrigens hatte Dronyn de bhups die itallenische Reglerung kurz vorher davor gewarnt,
sich auf gefährliche Entschlüsse einzulassen (13. April Nr. 1346, vgl. 1353).