168 34. Deutschlands Stellung zum Burenkriege.
richtiges Verhältnis zwischen zwei Großmächten haben wir keine Großmacht
je im Zweifel gelassen — ich sage: wir sind bereit, auf dieser
Basis mit England in Friede, Freundschaft und Eintracht zu leben.
England gegenüber, wie das uns von mancher Seite zugemutet wird,
den Don Quixote zu spielen und die Lanze einzulegen
und loszurennen, wo irgend in der Welt englische Windmühlen
gehen, dazu sind wir nicht berufen.
Lebhafte Zustimmung.)
Es wird auch kein praktischer Politiker der Ansicht sein, daß ein gespanntes
Verhältnis zu England prinzipiell geboten sei und eine dauernde
Eigentümlichkeit unserer Politik werden müßte. In unserem Interesse
liegt es, mit allen denjenigen Mächten auf gutem Fußc zu stehen, die
mit uns in Frieden zu leben wünschen. Uns unnötig mit der dauernden
Gegnerschaft irgend einer Großmacht zu belasten, wäre ein politischer
Fehler, eine politische Dummheit, für welche ich die Verantwortung nicht
übernehme.
(Sehr gut!)
Meine Herren, wir werden wie überall so auch in Südafrika die
dentschen Interessen wahren, die dentschen politischen und die deutschen
wirtschaftlichen Interessen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß
der Ausgang des südafrikanischen Krieges unsere dortigen legitimen wirtschaftlichen
Interessen nicht dauernd beeinträchtigen wird, und wir sind
voll berechtigt, anzunehmen, daß dieser Krieg keine schädliche Rückwirkung
ausüben wird auf unseren afrikanischen Besitzstand, unseren zukunftsreichen
afrikanischen Besitzstand. Das zu verlangen ist unser gutes Recht. Von
unserm guten Recht geben wir nicht ein Titelchen auf. Aber für andere
die Kastanien aus dem Feuer zu holen und uns von anderen vorschieben
zu lassen, das ist nicht unsere Aufgabe, das wärc ein grober Fehler
gewesen. Auch ich, meine Herren, kenne sehr wohl die Empfindungen
der deutschen Volksseele und ich weiß diese Empfindungen wohl zu
würdigen. Aber den politischen Blick darf ich mir dadurch nicht trüben
lassen, und das politische Angenmaß darf ich mir dadurch nicht verrücken
lassen. Solange ich an dieser Stellc stehe, darf ich mich nicht von Gefühlen
und Volksstimmungen hinreißen lassen, sondern ich kann und muß
mich einzig und allein leiten lassen von den dauernden Interessen der
Nation — und diese Interessen schrieben uns die selbständige, ruhige
und nentrale Haltung vor, die wir gegenüber den südafrikanischen Wirren
eingenommen haben.
(Lebhaftes Bravo.)