Contents : Das Volksbuch vom Grafen Bismarck.

—  52  —

gen  Langensalza  heran.  Die  Hannoveraner,  als  sie  die  Unmöglichkeit
  einsahen,  dem  verstärkten  prenßischen  Armeecorps  fernerhin
  Widerstand  leisten  zu  können,  capitulirten  nunmehr.
Der  König  durfte  sich  hin  begeben,  wohin  ihm  beliebte,  nur
nicht  in  sein  Land,  die  Offiziere  gaben  ihr  Ehrenwort,  in  diesem
  Kriege  nicht  gegen  Preußen  zu  dienen,  die  Mannschaften
wurden  entwaffnet  in  die  Heimath  entlassen.  Alles  Kriegsmaterial,
  darunter  gegen  5000  treffliche  Pferde,  verblieb  den  Preußen.


Das  Unglück  der  Hannoveraner  war,  daß  sie  vergeblich
auf  den  Beistand  der  Bayern  warteten.  Und  doch  jetzt  oder  niemals
  war  für  die  Verbündeten  im  Westen  und  Süden  der  Augenblick
  gekommen,  ihre  Streitkräfte  zu  vereinigen,  und  alle  zusammen
  gegen  den  General  Vogel  von  Falkenstein  zu  marschiren.


Der  gesunde  Menschenverstand  rieth  ihnen,  ohne  einen  Tag
oder  auch  nur  eine  Stunde  zu  verlieren,  sich  zusammenzuziehen
und  den  Hannoveranern,  die  sich  nur  deshalb  nach  Göttingen
gewandt  hatten,  um  ihnen  einen  Theil  des  Weges  zu  ersparen,
zu  Hülfe  zu  eilen,  mit  einem  Worte,  in  Masse  zu  handeln,  damit
  nicht  die  Preußen  auf  ihre  zerstreuten  Corps  stießen  und
sie  einzeln  aufrieben.

Doch  diese  „dicken  Bayern“,  wie  Herr  von  Bismarck  nicht
allein  sie  nannte,  liebten  die  Ueberstürzung  nicht,  und  dann
schmeichelten  sie  sich  auch,  die  Preußen  im  Westen  ganz  allein
schlagen  zu  können.  Ihr  Oberkommandant,  Prinz  Karl  von
Bayern,  wartete  es  in  seinem  Hauptquartiere  zu  Bamberg  friedlich
  ab,  bis  die  Truppenmobilisirung  beendet  wäre.

Indessen  war  die  bayrische  Armee  gegen  den  20.  Juni  hin
in  Stärke  von  52,000  Mann  zwischen  Bamberg  und  Schweinfurt
  concentrirt.

Hätte  sie  sich  unmittelbar  in  Marsch  gesetzt,  so  konnte  sie
noch  die  hannöversche  Armee  befreien.  Allein  sie  setzte  sich  erst
am  25.  Juni,  also  gerade  fünf  Tage  zu  spät,  in  Bewegung.