XVId. Patentgesetz 88 36—37. 455
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936. (Landg.) Wer wissentlich den §§ 4 und 5 zuwider
eine Erfindung in Benutzung nimmt, wird mit Geldstrafe bis zu
fünftausend Mark oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre
bestraft. Strafverfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die
Zurücknahme des Antrags ist zulässig. »
Wird auf Strafe erkannt, so ist zugleich dem Verletzten
die Befugniß zuzusprechen, die Verurtheilung auf Kosten des
Verurtheilten öffentlich bekannt zu machen. Die Art der Betanntmachung,
sowie die Frist zu derselben ist im Urtheil zu
bestimmen. . 1
g 37. Statt jeder aus diesem Gesetze entspringenden
Entschädigung kann auf Verlangen des Beschädigten neben der
Strafe auf eine an ihn zu erlegende Buße bis zum Betrage
—
Umfang des Patentschutzes vorausgesetzt; die Erfindung muß „wissentlich
oder aus grober Fahrlässigkeit den Bestimmungen der §§ 4 und 5 zuwider“
in Benutzung genommen worden sein: 17. Dez. 81 E. 5. 269. Ersteres
umfaßt auch den Fall, wenn der Thäter mit dem Bewußtsein von der
Möglichkeit des rechtsverletzenden Erfolgs ohne den guten Glauben an
dessen Nichteintreten gehandelt hat: 5. Nov. 86 E. 15. 34; R. 8. 678.
Die Strafbarkeit wird ausgeschlossen durch die, wenn auch irrige Annahme
des A., er habe die Erfindung schon früher in Benutzung genommen: 20:
April 82 E. 6. 225; R. 4. 3606; oder es bedürfe wegen der Verschiedenheit
des in Benutzung genommenen Gegenstands und des patentirten keiner
Erlaubniß des Patentinhabers: 1. März 81 E. 4. 12. 17. Mai 82 R. 4.
490. Dagegen schließt der gute Glaube, die Erfindung sei nicht neu, das
Patent daher ungültig, die Bestrafung nicht aus; erst die wirkliche Ungültigkeitserklärung
ist entscheidend: 20. April 82 E. 6. 225; R. 4. 366.
Die Strafbarkeit wird auch dadurch nicht ausgeschlossen, daß der Thäter
von dem Patentinhaber durch eine vorgeschobene Mittelsperson zur Nachahmung
veranlaßt wurde: 17. Dez. 92 E. 23. 363.
10) Die fahrlässige Unkenntniß einer Patentverleihung durch unterlassenes
Nachlesen der im Reichsanzeiger erfolgten Bekanntmachung genügt
nicht zur Bestrafung: 17. Dez. 81 E. 5. 269.
§ 37. 1) Der Verletzte kann sich zum Zweck der Ergreifung von
Rechtsmitteln der öffentlichen Klage als Nebenkläger anschließen (§ 443
Abs. 1 St.-P.-O.): 13. Jan. 82 E. 5. 325; R. 4. 42; er muß dies thun,
wenn er eine Buße verlangt. 8 443 Abs. 2 St.-P.-O.
2) Der strikte Nachweis eines erlittenen Schadens ist für die Buße
nicht erforderlich. Die Bezeichnung ihrer Höhe bietet genügenden Anhalt
zur Entscheidung. Auch kann der durch den Verurtheilten bezogene Gewinn
bei ihrer Bemessung als Grundlage benutzt werden: 18. März 80 E. 1.