Contents : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

URummer  86

—

Samstag,  14.  April  1917

 

.  den  24  seindliche  Flugzeuge  abgeschossen,  davon
22  im  Lustlampf  und  2  durch  Abwehrfeuer  von
der  Erde  aus.  Riktmeister  Freiherr  von  Richt.
bofen  schob  seinen  40.  Gegner  ab.  Er  hat  damit
Det  viele  zur  Strecke  gebracht  wie  seinerzeit

Bölcke.  In  den  Armecabschnitten  des  Deutschen
Kronprinzen  und  des  Kronprinzen  Rupprecht
von  Banern  waren  die  Luftkämpfe  besenders  er.
bittet.  In  der  Nacht  vom  10.  zum  11.  April
belegte  eines  unserer  Kampfgeschwader  feindliche
Barackenlager  bei  Fièmes  und  bei  Bazoches  mit

Kilogramm  Vemben.  Melrere  Tresser
und  Brände  wurden  inwandfrei  beobachtet.
Meldungen  aus  der  vordersten  Linie  üder  starle
andauernde  Explosionen  in  Rickhtung  Fismes  bestätigten
  den  beobachteten  Erfelg.  Der  belannte
englische  Fliegerkapitän  Robinson,  Inhaber  des
WViktoria.  Kre  enzes  (Tea  jte  englische  Kriegsauszeichnung),
  ist  im  Lustlampf  am  5.  April  durch
einen  unserer  Kampfflieger  algeschossen  worden.

DODie  rassische  Reveinlion.

v
7*  Die  Revolutien  in  Helsingfors.
Stocklolm,  12.  April.  „Nua  Dagligt  Al,
lehanda“  rerôfsentlicht  Schilderungen  eines  aus
Finnland  zurückgelehrten  Kemers  der  russisch=  en
Verhältnisse,  der  berichtet.  daß  die  Revolution
in  Helsingsor  4—50)  Offizieren  das  Leben  i?.
stete.  Nur  durch  das  rechzzeitige  Eintreffen  Ke.
renskis  wurde  die  Jerflörung  der  Ostice  lotie
durch  die  Matrosen  verhindert,  die  schon  2  große
Schiffe  vernichtet  batten.

Der  Beuch  mit  Amerlka.

di-  Jagd  nach  Spionen.

Genf,  April.  In  Hoboken  bei  Neupors
wurden,  wie  *  eManin,  meldet,  10  000  eingebürgerte
  Deutsch  Amerikancr  auf  die  Liste  derjenigen
  Amerikaner  gesetzt,  die  andere  Wobn.
sitze  erhalten  sollen,  weil  Hboken  als  zur  Kriegs.
zone  gchkrig  betrachtet  wird.  In  Chicago  wurden

  40  Deutsche  verbaftet,  weis  sie  angedlich  an
einer  Verschwörun)  gegen  Munitionsfabrilken  u.
Eisenbahnen  teilgenommen  haben.  Die  Zahl
der  im  Laufe  dieser  Woche  verhafteten  Deutschen
E  ird  mit  1350  angegeben.

 

 

Erplosionen  in  amerikanischen
Werie  n.
Bern,  12.  Avril.  Ein  Kabellelegramm  der
Agentur  „Radio“  aus  Neuert  meldet,  daß  bei
einer  Erdiei  ien  der  Baldwinwerke  aufer  130
Frauen,  di  e  getöte  et  wurden,  noch  200  vermißt
werden.  In  Taremon  (Massachusetis)  sei  eine
andere  Föbrit  durch  Brand  zerstört  worden.
Auch  hier  zei  der  Schaden  sehr  groß.
I

«Vos  Ehlle  hach,  Donlsalan  enlkem

  ue  —  WIB.  ersährt,
ien  gelungen,  in  einer
zeisch  bemerfenswerten
enac  Mrwegen  und
von  dort  nach  Derschlen  zu  gelangen,  um  ihre
Dienste  den  Deutichen  uee  zur  Verjü
aung  zu  stellen.  r  1  Monat  D#zember  des  Vor
jahres  gelang  c  ·  W.  .1tk.i»I-I«,ws«dcuc
cktlcpuche  Dreim  rn-t  Tinto“  (63
R.  T.)  zum  Preiie  von  51  */J  Pesos  zu  CGar.
tern.  Die  Bark  wurde  som2#hl  mit  dem  nétigen
Eilfsmaterial,  sogar  mit  einr  Zumienstatioon
gut  ausgerüstet.  ear  lebendes  Vieh,  wie
Schweine,  Schafe  und  Hiegen,  auf.  erdem  reich
lich  Konserven  wurden  #an  Vord  des  Schifts
gebrackt.  Die  Auskahrt  gin  gen  icht  ohne  Siwie
rigkeiten  von  statien,  da  auf  Veranlassung  des

Die  zweite  Fran.

Roman  von  Unng  Seyffert-Klinger.

1)  (Nachdiuck  rerbolen.  .

 

Berlin,  12.
ist  es  28  jungen  Deun
navigatorüch  wie  mil
Fahrt  ven  Chile  zun

 
   
   

-

  

Br.

 

Auch  ihm  veriagle  die  Sprache.  und  heiße
Tränen  drängten  sich  in  seine  Augen.  RAeg#d
halte  sich  ihm  stets  gütig  erwiefen,  er  betrauerte
in  ihm  einen  aufrichtigen.wohl  wollenden  reund.
Doch  was  ihn  noch  heitiger.  beweate,  war  der  Gedanke

  an  Irmgard.  Sie  hatte  ibren  Vater  mit
kindlicher  Schwarmerei  geliebt  und  verehrt  und
war  nun  ganz  verwaist:  sie  mußte  dieses  Unglück
  am  schwersten  zresffen.

Seine  Hande  flogen,  während  er  Gesicht
und  Oberkörper  in  kaltem  Wasser  badete,  und
die  wurlehirenen  Vermutungen  rbesür  mten  ihn.

were,  aufreibende  Sorge  schuld  an
diele  jähen  Ende?  Biiellei  ch  hing  der  Tod
des  Bankiers  sogar  mit:  der  Kündigung  des
Depols  zusammen?  Cs  schien  Pegold  viel
daran  zu  liegen,  den  (glönder  wieder  umustimmen
  und  seine  Freundschaft  zurückzuerangen.


In  Eile  beendete  er  seine  Toilelte,  das
Kaffeewasser  kochte,  er  gog  den  aromatisch
duftenden  Trank  in  zwei  Tasfsen  und  bot  eine
davon  Gabriel  an.

Nun  erzählen  Sie.  Haben  Sie  zum  Arzt
beschickt  5|  Fraulein  IJrmgard  gefaßt?“
„Es  weiß  noch  niemand  etwas,  Herr  Howald.
Ich  iaht  lcnbbre,  es  Kei  am  richtigsten,  Sie
zuerst  n  ben  venachtichtigen.
briel,  Sie  haben  da  eine  große
wersbbrrchen  übernommen.  Berleich  wäre

englischen  Gesandten  in  Santiago  eine  sehr  ge.
naue  Durchsuchung  des  Schiffes  erfolg  so  daß
ein  Teil  der  Besatzung  es  vorzog,  die  Bark  zu
verlassen  und  in  einem  besonderen  Fahrzeug  aus.
Aten,  um  erst  später  den  Anschluß  an  das

zu  erreichen.  Unter  allerlei  Gefahren
glückte  aber  dieses  Unternehmen.  Eiwa  8  Tage
später  konnte  der  Teil  der  Tesatzung  i  in  der  Bucht
San  Pedro  die  Bark  befteigen.  Die  Fahrt  ging
nun  nordwärte  bis  zur  Holc  der  Faltlands  Inseln,
  wo  zu  Ehren  der  in  der  Schlacht  bei  den
Falllandsinseln  gefallenen  deutschen  Helden  eine
Andacht  abgehalten  wurde.  Das  Wetier  war
selr  abwechselnd.  Teils  herrschte  starker  Sturm,
der  das  Segelwerr  leschädigte  oder  wegrik,  teils
volllemmene  Windstille,  die  das  Schiff  rerhin.
derte,  vorwärts  zu  kemmen.  Aber  all  biese
Sckwierigkeiten  wurden  tapser  überwunden,  der
Aequator  und  die  Ajzeren  passiert.  Etwa  am
24.  März  gelangte  man  in  die  Näh:,  der  Shet.
lands  Inseln  in  die  Fahrrinne,  die  von  Nordenlgand
  nach  Amerila  sühet.  Dort  begegnet.  da:
Schiff  einem  englischen  Kreuzer  und  einem  engli
schel  HFilfskreuzer.  Glücklicherweise  war  das  Wet
ter  so  stürmisch,  daß  der  englische  Kreuzer  lein
Voot  auesetzen  lonnte,  um  die  Bark  genau  zu
untersuchen.  Der  Führer  des  englischen  Kreuzers
mußte  sich  deshalb  mit  den  erteilten  Auskünf.
ten  begnügen,  daf  das  Schiff  eine  norwegisckh
Vark  sei,  die  von  Liverpool  mit  Ballast  seit  einigen
  Tagen  nach  Norwegen  unterwegs  sei;  außerdem
  war  die  norwegische  Flagge  gehist  worden.
  Nach  längerem  parlamentieren  dampfte  der
englische  Kreuzer  weiter.  Die  Bark  gelangte  we.
nige  Tage  später  unter  großen  Schwierigk#eiten
bis  zum  Trontjemer  Fjerd,  dessen  Durchfalrt
wieder  neue  Gefahren  bot,  weil  cs  nicht  gelang.
einen  Lotsen  zu  erhaiten  und  das  vorhandewe
Kartenmaterial  nicht  genügte.  Erst  zwei  Stunden
vor  Trontjem  gelang  es,  einen  Lotsen  an  Vord
zu  bekommen,  der  das  Schiff  sicher  in  den  Hajen
geleitete.  Die  norwegischen  Behörden  erwlesen
szich  durchaus  entgegenkommend,  so  das  ein  Teil
der  Besatzung  schon  wenige  Tage  spöter,  d.  l
Ende  März,  die  Fahrt  nach  Deutschland  fort.
jeden  konnte.  Auck  der  Rest  der  Besatzung  folgte
Luld,  nachdem  das  Schiff  öffentlich  verkauft  worden
  war.  Der  Erlös  kommt  dem  Roten  Kraäuz
zugute,  da  der  Be  sitzer  grofmütig  auf  dasselbe
bericht  et  Patte.  124  Tage  hatte  die  Fahrt  ron
Chile  nach  Trontjem  gedauert.

 

 

Kardinal  Bettinger

München,  12.  April.

Der  Tod  des  Kardinals  erfalgte  unvermutet.
Kein  Aucichen  ging  bvoraus.  Dor  Kardinal
atiele  noch  vermitiags  demerkran  lien  Numins
#  au  #re  Arersa,  in  der  Chrurgischen  Kii.
nil  einen  Besuch  ab  und  lehrte  nach  Hause  zurück.
Um  1-12  Uhr  fand  ein  Diener  den  Kardinal
tot  neben  seinem  Lehnstuhl  im  Arbeitsimmer.
Ein  detzch  lag  hatte  seinem  Leben  ein  Ende  be.
reile

Die  Auso  abrung  in  der  Kapeile  des  Bi—

chkeiflichen  Palais  erfolgte  heute  Abend.  Die
Lih  ⅞ilr  *  dac  Vischofekleid,  angetan  mit  der
EEmianien  des  Kardit,  als.  Die  foierliche  Beir

  13  crfolgt  in  der  erzbischoflichen  Gruft  im

Dem.  Papft  Benedilt  wurde  ren  dem  Hinsteien
  des  Kardinals  telegraplisch,  verslän.
digt.  Der  Kö:  ig  ließ  nach  Empfang  der  Traurr,

ad-ictt  dem  Sekretär  des  Karbinals,  Misgr.
Grafen  ron  Preing-  durch  den  Oberstzerem).
nienmeister  Grafen  von  M2y  das  tiefste  Beileid
zum  Auodruck  bringen  und  sein  Erscheinen  für
moergen  Vormitlag  nach  der  Aufbahrung  in  Aussich.#
  #.  ellen.

—.

  

„Nein,  Derr  Howald,  da  konnte  kein  Doflor
mehr  etwas  ausrichten.  Cigentüich  fand
ich  schon  gestern  leine  Ruhe  mehr  vor  grästlichen
  Ahnungen,  ich  konnte  nichts  ernstlich  beginnen,
  immer  schwebte  mir  5s  Biid  vor,
welches  mich  heute  morgen  so  furchtbar  erschreckte.
  Daher  ich  gestern  auch  büusiger
als  sonst  noch  unserem  Herrn.  In  der  Nacht
konnte  ich  nicht  schlafsen,  denn  so  oft  ch  auch

das  Fenster  schlich,  sah  ich  die  Lampe  im
Arbeits  zimmer  brennen.  Es  war  freilich  nichts
Seltencs,  daß  der  Herr  eine  Nacht  durcharbeitete

aber  in  den  ledpten  Tagen  schon  war  er  mir  so
schreckhaft,  so  sellsam  verändert  erschienen.  Bei
jedem  Gcräusch  fuhr  er  zusammen,  gerade,  als
varte  er  ununterbrochen  auf  eine  Hiobspost.
ugt  da  schlich  ich  denn  beute  morgen  um  sechs
Uhr  Nach  seinem  Zimmer  und  horchle.
nicht  dos  geringste  Gorkusch  veraohnd
  so  faßte  ich  mir  ein  Herz  und  klinkte
auf.  Vielleicht,  daß  Herr  Petzold  eingeschlafen
war  bei  der  Arbeit  und  sich  in  der  kalten  Sube
erkältete.

Richtig,  da  saß  er  in  seinem  Sessel,  wie
ich  ihn  schon  mehrmals  Hesunden.  hatte.  Schon
wollie  ich  eine  warme  Decke  über  ihn  breiten,
als  ein  Ciwas  an  dem  zurückgesunkenen  Kopi
und  die  Starrheit  der  Hände  mir  auffielen.  Ob
der  Herr  atmete,  das  konnte  ich  nicht  unterleeiden,
  denn  mein  Gehör  ist  nicht  meh#  das
beste
Jch  SSchraxsurchtbar  und  rief:  „Herr  Petzold,

wachen  Sie  auf,  Sie  müssen  sich  jetzt  hinlegen!“
Aber  ich  schauderte  bor  meiner  eigenen  Stimme.,
denn  die  Gewißhelt,  daß  ich  einen  Toten  ror
mir  hatte,  drang  unabweisbar  auf  m

 

—  Silfe  zusgllich  gewesen

 

0  berührte  seine  Hände,  sie  fühllten  E  wie

Der  Kardinal  binterläßt  als  Anverwandte
eine  unverheiratete  Schwester,  die  ihm  schon,  da
er  noch  Pfarrer  war,  den  Haushalt  führte,  und
auch  mit  ihm  in  das  ersbisofl  Palatls  eingezogen
  ist.  Ferner  eine  Nichte,  die  als  Note-Kreuzsohwester
  tätig  ist,  und  einen  Reffen,  Oberurzt
  Bettinger.

Am  Freitag  wird  das  Metropzlitankapitrl  zu
einer  Sitzung  zusammentreten,  um  die  näheren
Anerdnungen  über  die  Beisehungsseierlichleiten
zu  treffen.  Die  seierliche  Beisehung  findet  Montag
  vder  Dienstag  im  Dom  sioit.  Voraussichtlich
werden  einige  Kardinäle  sowie  oie  Bischöfe
Tunern=  an  den  Beisetzungsfeierlichleiten  teilnehmen.
  „„

Mit  Kardinal  Ersbischof  Dr.  v.  Bettinger  ist.
ein  in  jeglicher  Beziechung  über  das  Maß  des
Gewahnlichen  hinausragender  Kirche  n-  aus
dem  Leben  geschieden.  Er  war  ein  im,  der
immer  genau  wus#e,  was  er  wollte,  und  durch  die
Festigkeit  und  Cntschiedenheit  seines  Auftretens
auch  dem  Gegner  Achtung  abzwang.  Kardinal
Veltinger  hal  ein  Alter  von  67  Jahren  erreicht.
Er  ist  unseres  Wissens  der  erite  Pfälzer  gewe.
sen,  der  an  die  Spitze  einer  altbayerischen  Diözese
  berusen  murde.  Sein  Z#r  war  Hufschmied
in  dem  Städtchen  Landstuhl.  Seine  kir
Laufbahn,  die  er  bis  zu  seiner  Berufung  auf
den  Münchner  erzbischöfl.  Stuhl  ausschließlich  in
der  Rheinpsalz  zurücklegte,  war  die  des  prak.
lischen  Seclsorgers.

Bettingers  Ernemung  zum  Ezbischof  vem
Müncken.  „Freising  erfolgte  im  Erühsahr  1909
nach  dem  Abieben  des  Erzbischof?  Dr.  v.  Stein.
Alsbald  nackh  seiner  Ernennung  wurde  durch  die
sozialdemokratische  Presse  bekannt,  dak  seiner
Vermittlungstätigleit  das  Justandekommen  des
Wahlbündnisses  des  Zentrums  mit  der  Sozialdemokratie
  bei  den  bayerischen  Eahrageeen.
uzu  schreiben  gewesen  wärs.  Das  gab  Anlah  zu

heltigen  Pressese  hden  und  zu  langausgesponncnen
  Debaiten  im  Landag.

In  die  Kammer  der  Reichsräte  wurde  er  am
17.  Nov.  1909  eingeführt;  zu  wiederholten  Ma
len  criss  er  in  die  ##ian:  em.  Er  nahm  in  den
religiös  birchlichen  Fragen  eine  (sührende  Stellung
  ein,  so  u.  a.  auch  in  der  Frage  der  Auf.
b#ebung  des  Jeijuitengesetzes.

Im  Jalrre  1914,  unmittelbar  vor  Ausbruch
des  Weltkrieges,  wurde  der  Eieri  schof  vom  Pap.
sie  mit  der  bochsten  lirchlichen  Würde,  der  Erkbung!
  zum  Kardinal,  ausgezeicht  set.  Unter  dem

Jubel  des  Volleo  ist  er  am  6.  Juni  1914  zuv  or
in  osenheim  auf  dem  Bahnhe#f  von  einer  Vertretung
  der  Siadt  begrüft,  als  Kaordinal  in
Müncken  eingezogen.  Cr  ist  der  erit:  Kardinal
auf  dem  erzbtschöflichen  Thron  v#n  München  und
Freising,  da  der  frührre  Erzbischof  (6rus  v.  Reisach
  erst  nach  seiner  Verusung  nach  Rom  zum
Kardinal  ernaum  worden  ist.  Mit  der  Erh:  bung
Bellinge  zum  Kardinal  wurde  die  uber  ein
Jahrhundert  aite  Uelung  gebrochen,  daf.  bayc.
rusche  Bischöse  aus  gewissen  Rüchichten  auf  das
Loszeremorniell  nicht  den  Kardinalerang  erhiel.
ten.  Es  i  wohl  anzunchmen,  das.,  nachdem  dicser
  Tann  nun  gebrochen,  künftig  die  Verbindung
des  Münchner  Exzbischofostuhles  mit  dem  Kar.
dinalate  lähnlich  wie  in  Köln  und  Bresian)  zu
einer  Nändigen  Einrichlung  werden  wird.  D#  er
Ausbruch  des  Krieges  und  der  durch  den  Bri
wül  Italiens  zu  unjeren  Feinden  ersch  werte  Ver
koetzer  mit  dem  Batikan  hat  manche  Loffnung  zer.
siôort,  Lie  an  die  Ernemnung  eines  bayrrischen
Kardinals  geknüpft  worden  war.

Als  Feldpropft  der  bayerischen  Armece  besuchte
Kardinal  Bettunger  im  September  und  O#tlober
1916  die  bayerischen  Truppen  auf  dem  west.
lichen  Kriegsschauplatz  Kronprinz  Rupprecht
überreichte  in  seinem  Hauptquartier  im  Auf-W

  on.
Da  wmue  ich  genug.  Es  gerriß  mir  das  Herz.
ich  warf  mich  nieder  und  bat  und  beschwor
unseren  lieben  Herrn,  uns  doch  das  nicht  anäutun,
  sondern  wieder  zu  sich  u-  tommen  und
nur  ein  einziges  Wort  zu  sprech

Aber  in  meinem  Innern  chen  ich  mich
unvernünstig,  denn  der  Tod  gibt  kein  Opfer
wieder  heraus.  Ich  trocknete  meine  Tränen
und  eilte  hierher  zu  Ihnen.  Ich  bin  kopilos
und  kann  weder  denken,  noch  handeln.  Das
müssen  Sie  nun  alles  tun,  Herr  Howald,  die
ganze  Last  ruht  auf  Ihren  Schultern,  aber
Sie  eind  jung  und  widerstandsfähig.  An  Ihnen
ist  uch,  unsere  arme,  —  gard  zu
Koslen  und  aufzurichten,  sie  wird  von  armen
Vereri  den  so  liebhatte,  sehr  schmerzlich  bde.

ötreno  Alfred  rasch  seinen  Kaffee  austrank,
  überlegte  er,  was  zunächst  zu  geschehen
sei.  „Gehen  Sie  jetzt.  Lonrier  lagte  er  freundlich,
eund  nehmen  Sie  sich  zusammen.  Ich  korm
in  einer  Vierlelstunde  mit  Leim  Arzt  nach,  welch
die  Todesursache  feletellen:  und  ben  Toten  schein
ausfertigen  muß.  Berhalten  Sie  sich  bis  dahin
ruhig.  damit  teine  **-  Mittellung  unsere
Beamten  erschreck

Der  Diener  Wifprach.  genau  veese  5eilungen
zu  befolgen,  und  entsernte  sich  w

o  kam  es,  daß  noch  iiienunn  —  dem  Ge
sche#be#e  Kenntnis  hatte,  ols  ——  eine  halbe
Stunde  später  mit  dem  —i  erschi
ar  i  Morgen,  dasseamtenpersonal

  noch  nicht  n  und  dach  erregte
es  einiges.  Wusseßen,  als  mit  dem  Doktor  zualeich
  zwei  Krankenwörter  das.

Gabriel  ging  mu  verweinten  Augen  umher,
aber  selbt  der  Portier  konnte  nichis  aus  ihm

sss

 

 

auch  das  Gesicht  war  bleich  und  kalt.

aus  betraten.

trage  des  Kaisers  dem  Kardinal  dos  Eiserne
Kreuz  2.  Klasse;  König  Ludwig  zeichnete  den
Kardinal  in  Anerlennung  seiner  Verdienste  wäl,
rend  des  Krieges  durch  Verleihung  des  Milltärverdienstordens
  1.  Klasse  mit  Schwerjt#ern  am
Vande  für  Kriegsverdienft  aus.  De###nriegs

sürsorgebestrebungen  wie  auch  der  Jugendfür.

sorge  hat  Kardinal  Beklinger  flel5  warmhetziges
Interesse  und  reiche  Förderung  zuteil  werden
lassen.

Eine  Erweiterung  seiner  Arbeit  war  das  leb
laste  Interesse  an  der  Ausgestallung  des  latho
lischen  Vereinslebens.  und  der  katbolischen  Bewe
aung  in  München  überhaupt  und  seine  aufopfern
de  Veteiligung  in  ihr.  Es  ist.  selbstverständlich,
das  ein  Mann  mit  dem  klaren  Blick  für  die  Zeit
verlältnisse,  wie  Kardinal  Bettinger  auch  die
edeutung  der  Presse  anerlannte  und  der  latho
r*t**s  Presse  seine  besondere  Förderung  durch

fct  und  Tat  angedeiben  lies.  Wie  Kardinai
Vetinger  ein  treuer  Hüter  seine  lirchlichen  Am
tes  war,  so  war  er  auch  und  eben  aus  seiner  ho
Beren  religiösen  Auffassung  heraus  ein  glühender
Patriot.  Dav.  n  hat  er  besonders  im  gegenwärti
gen  Weltkrieg  Zeugnis  abgelegt.

Persönlich  war  Kardinal  Dr.  v.  Betlinger  cine
sehr  stattliche  und  würdevolle  Erscheinu:#  ein
Mann  ron  einnehmenden  Manieren,  *—
chenem  Talt,  großer  Geschäfts-  ewandtheit  und
glüdlicher  Rednergabe.  Die  Erzdiözese  München
und  Freiling  verliert  mit  Kardinal  Bettinger
einen  Führer,  der  sie  mit  slarler  uno  sicherer
Hand  gelenkt  hat.  Fortleben  wird  in  der  Er.
innerung  das  Bild,  wie  der  Kardinal  im  Purpurmantel
  die  Glänbigen  fegnete.

Trauernd  slehen  die  Katholilen  der  Erzdiozese,
ja  die  Katholilen  ganz  Bayerns  an  der  Bahre
des  hochverdienten  Oberhirten.

 

 

IHIz  Migr  or  Aversa

München.  13.  April.  In  dem  Befinden  deà
päpstlicken  Nunzius  *G  Dr.  Aversa,  der  sich
in  den  letzten  Tagen  einer  Blinddarmoperatien
unterziehen  mußte,  isl  am  Donnerstagabind  eine
Wezentliche  Vrsch  lechterung  eingetreten.  Die
Wendung  wurde  so  schlimm,  daß  der  Zusftand
des  Kranken  infolge  v  u  Ferzschwäche  hoffnungs.
los  erschien.  Zn  der  Nacht  trat  dann  die  Kaia
s#rephe  ein.  Mi  igr.  Dr.  Aversa  ist  um  1.1  Uhr
nachts  verschieden.  Es  ist  ein  tragisches  Zu
sammentressen,  da  sein  Abieben  nur  wenige
Stunden  nach  dem!  so  jäben  Hinscheiden  des  Kar
dinal-Erzbischofs  Dr.  v.  Bettinger  erfolgte,  dinock
  am  Vrrmittag  des  gleichen  Tages  den
Nunzius  in  der  Klinik  besuchte.  Angesict  der
dorzeitigen  Lage  ist  das  Ableben  des  päpitlichen
Nunzius,  der  erst  vor  wenigen  M  znaten  an  Stel
le  des  nach  Rom  berufenen  Nunzius  Dr.  Frülwirti,
  getreten  ist,  besonders  bedauerkich.

bef=  und  Personalnachrichlen.
München,  12.  April.  Das  Befinden  d.
Präsidenten  der  Kammner  der  Abgeordneten  Hof
rates  v.  Fucke,  der  sich  am  Dienstag  einer  Bla
ĩenvperation  durch  Hofrat  Dr.  Feii-  Schlagint
weit  unterzuogen  hat,  i#  befriedigend

Machener  Neugleuen.

München.  12.  April.  Am  Mittwoch  wurde
im  Offfriedhef  der  Kaufmann  Matthäus  Mei
zu  Grabe  getragen.  Als  die  Witwe  in  die  im
Stock  eines  Hauses  im  Tal  gelegene  Wohnun
zurücklel  rie,  entdedte  sie,  daß  inzwischen  ein  Ein
brecher  die  Wohnung  heimgesucht  hatte.  Mel
berausberommen.

Die  Herren  bekralen  zusammen  das  Sterbegimmer.
  Cs  berrschte  ein  wohliuendes,  dal  -
dunkel,  denn  Gabriel  hatte  die  Lampe.
ehe  er  das  Haus  verlassen,  ·
weiße-nkeniivcidciiciitsckliuistiirpcisiiiii
Herrn  gebreitet.

Jeßt  murde  das  Licht  wieder  angezundet,.
auf  einen  Wint  des  Daltors  uugen  di.  Wärter
den  Toten  nach  seinem  Lager  und  entklleidee
ihn.  Dann  brgann  die  Untersuchung,  die  freilim
nur  lurze  Zeil  in  Anspruch  nahm.

Der  AUrzi  siellie  sest,  doß  ein  Herzschlag  dem
Leben  r*  Janttera  ein  Ende  bereitet  hatte.
Der  Tod  BzaeE  schon  vor  mehreren  Siunden
eingefreren.?

Howald  tomite  es  nicht  über  sich  gewinnen,
einen  Blick  auf  die  Leiche  zu  werfen.  Er  lehnte
u  Kamin,  letrt  enhe  Gedanken  beschäftigten

#  seiner  Nähe  saß  Gabriel  auf  der  Kante
khachnl  Stuhles.  Die  zitternden  Knie  versagten
ihm  den  Dienst.

ie  müssen  nun  Fräulein  Petzold  von
dem  FGeschehenen  Mitt#lung  machen,  Gatriel.“
sagte  Alfred.  sich  ihm  nähernd.  „La  assen  Sie
das  Fräulein  wecken,  sobald  iie  di  rauer:
nachricht  erjahren  Dat.  zunß  ich  auch  das  Personal
  von  dem  Geschehenen  unlerrichten.“
Der  Diener  schlich  himano,  der  Arzt  schrieb

Totenschein,  eund  empfahl  sich,  es  wurde
ganz  siill  in  1  RNaum,  wo  Pehold  leine
n  s  in  schweremvtmseiioertsacht

te

 

 

den

r——  ao  Heinem  Layer  ruhte  der  müde
Kümpier,  das  6  schon  ontstellt,  die  furcht- 



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baren  —  er  legten  7  eund  ochen
bat'en  seine  Wlderstandskraj:
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