Studien zur vergleichenden Sanitäts-Statistik. 25
Die vorliegende Arbeit ist mit der Absicht unternommen,
für diese Versuche eine grössere Ausdehnung und namentlich
eine breitere Basis zu gewinnen. Man darf erwarten, dass die
Ermittelungen über die Prädisposition für einzelne Krankheiten
und über deren Ausgang dazu beitragen werden, unsere Kenntniss
in Bezug auf die physiologischen Verhältnisse, welche den
einzelnen Altersklassen und jedem Geschlecht eigenthümlich
und als wesentlich unterscheidende Merkmale aufzufassen sind,
nach bestimmten Richtungen hin zu erweitern. Besonders
naheliegend scheint es mir, die Resultate hieraus mit Rücksicht
auf gewisse charakteristische Verschiedenheiten hin zu
betrachten, welche der Stoffwechsel*) je nach dem Alter und
Geschlecht des Individuums darbietet. — Die Arbeiten hierüber
sind zwar bis jetzt nach keiner Richtung hin abgeschlossen.
Indessen muss gerade die medizinische Statistik diesen Aufgaben
näher treten, weil sie, bis jetzt noch ein sehr junger
Zweig der Wissenschaft, vorwiegend berufen ist, unsere Kenntniss
von der Physiologie und Pathologie des Menschen durch
zahlenmässige Beläge zu stützen und zu erweitern.
Ueberdiess lässt sich der Einfluss des Klimas und anderer
örtlich wirksamer Krankheitsursachen auf den Menschen nur
dann mit einer grösseren Bestimmtheit eruiren, wenn die Beobachtungen
derart angestellt werden, dass sie den Ausschluss
oder wenigstens eine Berücksichtigung der in den Alter- und
Geschlechtsverhältnissen liegenden prädisponirenden Momente
möglich machen.
Für das vorliegende Material bin ich den zahlreichen
Herren, welche mir dasselbe freundlichst zur Benützung überliessen,
zu grossem Dank verpflichtet.
Um einige der wichtigeren Fehlerquellen zu vermeiden,
wodurch meist die Resultate der Medicinalstatistik am wesentlichsten
getrübt werden, schien es zweckmässig, die jüngeren
Altersklassen unter 15 Jahren, und das höchste Alter, über
*) Vergl. Zuelzer, über das Verhältniss der Phosphorsäure zum Stickstoff
im Urin. Virchow’s Archiv, Bd. 66. II. und III, Heft.