38 Die Gemeinde.
1) Der Kreis setzt sich lediglich aus den einzelnen in sich fest
organisirten Gemeindekörpern zusammen. Die Einsassen treten
zu dem Kreise nicht direct, sondern erst als Mitglieder der betreffenden
Gemeinde in Beziehung.
2) Die Kreisverwaltung wird außerordentlich vereinfacht. Die
Repartition auf die Gemeinden ist leicht zu übersehen, Reclamationen
und Reste werden fast vollständig vermieden; Führung
und Controlle der Rechnung sehr wesentlich erleichtert.
3) Für die einzelnen Contribuenten ist es gleichfalls von Wichtigkeit,
in den Gemeinderechnungen neben den Gemeindeleistungen
zugleich Maßstab und Verwendung der Kreisbeiträge
übersehen und kontrolliren zu können.
4) Wenn wohlhabende Gemeinden — und es giebt deren, die
zeitweilig ohne Gemeindeumlagen Ueberschüsse haben — ihren
Kreisbeitrag ganz oder theilweise aus Vermögenseinnahmen zu
decken vermögen, so darf ihnen dies nicht verschlossen werden.
Der Kreisordnungsentwurf (8 10.) verfolgt im Allgemeinen diese
Tendenz. Er mußte indessen auf halbem Wege stehen bleiben und das
Recht der freien Untervertheilung auf die Städte beschränken, weil er
in vielen Landgemeinden die Abgabensysteme noch zu ungenügend entwickelt
vorfand. Mit der zuvorigen oder gleichzeitigen Regelung der
Landgemeindeverhältnisse, für deren Nothwendigkeit hier ein neuer Belag
gegeben ist, fällt der Grund dieser Einschränkung hinweg.
In Bezug auf den Maßstab der Besteuerung stehen sich zwei Ansichten
direct gegenüber. Die erstere verlangt die allgemeine gesetzliche
Regelung, weil andernfalls
1) Der heftige Kampf der persönlichen Interessen eine angemessene
Lösung auf dem eng begrenzten lokalen Gebiete nicht möglich
mache;
2) der Schutz der Minorität das Eingreifen der Ausfsichtsbehörde
in einem die Selbstständigkeit des Gemeindelebens gefährdenden
Umfange erfordere;
3) der „verrottete Wust“ der Urbarien, Stiftungsbriefe, Privilegien
und Observanzen in den völlig veränderten kommunalen
Elementen und Aufgaben jede Bedeutung verloren habe, während
die bisherige Erfahrung auf den Anschluß an das bestehende
Steuersystem hinweise.
Von der anderen Seite wird der ortsstatutarischen Feststellung
des Lastenfußes vor der generellen Regulirung der Vorzug gegeben,
weil letztere