Full text : I. Anhang zu den Gedanken und Erinnerungen. Kaiser Wilhelm I. und Bismarck. (5)

mächten  unterliegen  drei  einer  einheitlichen,  von  jeder  andern  1854
Rücksicht  als  der  staatsmännischer  Erwägung  der  eignen  Inter=  17.3.
essen,  freien  Leitung.  Die  vierte,  England,  erfreut  sich,  wenigstens
in  auswärtigen  Krisen,  desselben  Vorzugs,  weil  dort  in  Kriegsfällen,
  auch  wenn  die  Gefahr  Englands  Boden  noch  nicht  bedroht,
  jede  Partei-Politik  schweigt,  um  sich  der  einheitlichen
Führung,  auch  eines  gegnerischen  Ministeriums,  unterzuordnen.
In  diesem  Augenblick  wenigstens  ist  es  so.  Wenn  Preußen
sich  in  Mitten  dieser  Gewalten  von  Kammer-Majoritäten  leiten
lassen  wollte,  welche  vor  den  Augen  aller  Welt  die  Freiheit
der  Regirung  durch  unpraktische  Verclaufulirungen  einer  Anleihe
  zu  lähmen  bemüht  sind,  oder  wenn  das  Phantom  öffentlicher
  Meinung,  getragen  von  einer  Presse,  deren  Mechanismus
ich  aus  eigner  Anschauung  kenne,  in  dieser  ernsten  Krisis  unsern
Entschließungen  die  Besonnenheit  raubt,  oder  wenn  zwiespältige
Ansichten  in  den  maßgebenden  Kreisen  die  einheitliche  Energie
unfrer  Action  brechen,  so  ist  es  Gottes  Wunder,  wenn  wir
mit  Ehren  bestehen.

2.  Die  Unterzeichnung  der  Convention  würde  ich  für  kein
Unglück  gehalten  haben,  wenn  die  Behandlung  dieser  Frage
nicht  durch  den  Eifer  der  Parteinahme  für  und  wider  aus  dem
Geleise  kalter  und  geschäftlicher  Erwägung  gedrängt  worden
wäre,  und  dieses  Actenstück  eine  unnatürliche  Wichtigkeit  erhalten
hätte,  und  wenn  ich  sicher  gewesen  wäre,  daß  Furcht  vor  den
Westmächten  und  andre  combinirte  Kräfte  uns  nicht  unaufhaltsam
  weitergetrieben  hätten  in  einer  Bahn,  auf  welcher  die
fremden  Ansprüche  an  uns  in  demselben  Maße  wachsen,  als
die  Preußischen  Motive  für  unfre  Leistungen  und  Opfer  abnehmen.
  Unfre  Interessen  und  die  der  Westmächte  sind  nicht
identisch;  der  Wunsch  der  letztern  aber,  unfre  Kräfte  der  vollen
Durchführung  ihrer  Absichten  dienstbar  zu  machen,  ist  natürlich.
  Früher  oder  später  muß  daher  der  Moment  eintreten,
wo  wir  aufhören  diesem  Wunsch  zu  entsprechen.  Die  Freiheit