Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1887. (21)

Passavaxı.  La  Mertkcıe.  329

sei.  PassavAant  erhob  keine  Einwendung,  wohl  aber  Mad.  vox  Frr-MAIER,
  hinter  die  er  sich  gesteckt  haben  mag.  Sie  wandte  sich  mit  der
Bitte  an  die  Akademie,  dass  Passavant  in  ihrem  Hause  unterrichten
und  doch  seinen  akademischen  Gehalt  fortbeziehen  dürfe.  In  heller
Entrüstung  brachte  Maurertuis  dieses  Ansinnen  der  Dame  vor  den
König.  »Wollten  wir  solche  Dinge  billigen,  dann  würde  erstens
jedes  neue  Mitglied  sofort  eine  Erzieherstelle  nebenher  übernehmen,
und  wir  könnten  zweitens  nicht  mehr  erwarten,  dass  angesehene
Männer  auf  den  Titel  eines  Akademikers  stolz  wären,  wenn  wir  in
unsrer  Mitte  Domestiken  hätten.«

Diesmal  gab  der  König  dem  Präsidenten  eine  kürzere  Zurechtweisung:
  »Que  fait  ä  vous  et  a  moi  Madame  de  Fulmaier?«  Damit
  endete  diese  Correspondenz;  aber  hei  Passavant’s  Ausschliessung
blieb  es.

Nicht  nur  mit  Passavant  und  Grischow  jun.,  sondern  auch
mit  Becmaxn  und  BATTIER  —  jener  arbeitete  wenig  mit,  dieser  trat
bald  zu  den  Herrnhutern  über  und  verliess  die  Akademie  —  hatte
Mavrertuis  kein  Glück;  n’Arnaup  kam  als  wirkliches  Mitglied  nicht
in  Betracht:  so  blieben  unter  den  neugewählten  (bis  1751)  neben
MEcKEL  nur  die  drei  Schweizer  BEsVUELIN,  MERIAN  und  SULZER,  von
denen  sich  etwas  erwarten  liess.  LA  METTRIE,  der  auf  Befelil  des
Königs  am  4.  Juli  1748  aufgenommen  worden  war,  schrieb  nichts  für
die  Akademie,  und  diese  hätte  sich  auch  für  seine  Mitarbeit  bedankt.
Sie  war  entrüstet  über  diese  Aufnahme,  zu  der  Maurertrvis  der
Lokalpatriotismus',  den  König  das  unbedingte  Eintreten  für  alle
verfolgten  »Philosophen«  verleitet  hatte.  Drei  Jahre  hat  dieser
gescheite,  aber  völlig  haltlose  Mann,  der  den  Materialismus  nur

compromittirte,  als  geistreicher  Causeur  —  von  seiner  Philosophie
wollte  der  König  selbst  nichts  wissen  —  in  Potsdam  als  Vorleser

Friedricn’s  zugebracht.  »Il  etait  gai,  bon  diable,  bon  ımedeein,  et
tres-mauvais  auteur;  mais,  en  ne  lisant  pas  ses  Jivres,  il  y  avait
moyen  d’en  &tre  tres-content”.«

!  Unter  den  auswärtigen  Mitgliedern  der  Akademie  findet  ıman  auch  einen
lIcrrn  Trusrer,  Canonicus  zu  St.  Malo  (8.  Mai  1749),  der  seine  Aufnahme  wohl
auch  nur  dem  glücklichen  Uinstande  verdankt,  dass  er.  wie  Maurerruis.  Bürger
von  St.  Malo  war.

®?  (EuvresT.  27.  1  p.203  (21.  NOvENBER  1751).  Büscuixng.  Charakter  Frieprıcn  ll.
2.  Ausg.  S.74.  nennt  ihn  einen  schlechten  Arzt,  aber  einen  guten  Trinker,  einen
Erzspötter  der  Religion  und  einen  Narren.  Dass  der  König  La  Merrrıe  nur  anfangs
  um  sich  gehabt  und  später  gar  nicht  mehr  gesehen  habe.  behauptet  Krarse
in  einem  Brief  an  Greımn  etwa  1750  (bei  GEIGER,  Berlin  I  S.484).