war. Sein Vater hatte ihm höchstens 30000 Mann hinterlassen,
die er während der siebenundzwanzig Jahre seiner
Regierung auf mehr als 80000 Mann vermehrte, während
das große Österreich eine Armee von kaum mehr als
100000 Mann unterhielt. Um diesen Anstrengungen
gewachsen zu sein, mußte er dem Lande eine gute Organisation
geben, und dies tat er auch. Außerdem gelang
es ihm, den Schweden den größten Teil von Pommern
abzunehmen, hauptsächlich deshalb, weil Rußland
Karl XII. von Schweden besiegt hatte. Was Preußen an
Rußland knüpfte, war der gemeinschaftliche Gegensatz
gegen Schweden und Polen; denn wenn diese beiden
Staaten in ihren früheren Machtverhältnissen geblieben
wären, so würde Preußen nie zu der Bedeutung gelangt
sein, die es schon damals hatte. Dem Prinzipe nach
stehen sich aber Preußen und Rußland entgegen; denn
Preußen ist ein germanischer, Rußland aber ein slawischer
Staat.
In diesem Verhältnis stand man bis in die Mitte des
18. Jahrhunderts. Da ereignete es sich, dafß3 König Friedrich
Wilhelm I., obwohl seine Gemahlin aus dem Hause
Hannover war, sich in dem zwischen Österreich und
England ausgebrochenen Hader für den Kaiser erklärte,
der von seiten Preußens einen Angriff auf Schlesien
fürchtete, und daher alles aufbot, um Friedrich Wilhelm
für sich zu gewinnen. Deshalb versprach er ihm bei der
zunächst bevorstehenden Frledigung von Jülich und Berg,
worauf Preußen aus jener clevischen Erbschaft Ansprüche
besaß}, seinen kaiserlichen Beistand in einem geheimen
Traktate. Dies bewirkte, daß Friedrich Wilhelm plötzlich
sehr kaiserlich gesinnt wurde und, als es zum Kriege
zwischen dem Kaiser und den Franzosen kam, sogar
seinen Kronprinzen abschickte, um dem Kaiser Hilfe zu
leisten. Infolge des Konfliktes zwischen England und
Österreich geriet er sogar in Zwist mit seinem eigenen
Sohne. Die Absicht der Königin und der älteren Kinder
war eine Doppelvermählung zwischen dem Kronprinzen
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