74 Grundzüge d. preuß. Verfassungs= u. Verwaltungsgeschichte.
burg und die jülich-klevischen Besitzungen. Allein es war
doch, über den vorerst noch gegebenen Gesamtstaat hinweg,
der Pfad zum Einheitsstaat angebahnt. Seit dieser Zeit
wird, mit Recht oder zu Unrecht, der Königstitel überall,
nicht bloß in dem Herzogtum Preußen gebraucht. Alle Gebietsteile
gelten nach und nach als preußische, das Gebiet
wird ein preußisches — übrigens erweitert durch die Erbvogtei
über Stadt und Stift Quedlinburg, die Reichsvogtei
über Nordhausen und durch andere Territorien, zum Teil aus
der sog. oranischen Erbschaft, wie das Fürstentum Neuenburg,
das heutige Neuchatel mit Valengin, das bis 1857 mit
Preußen in Personalunion verbunden war.
Der Versuch, eine Einheit der Justiz herbeizuführen und
sich in bezug auf die Gerichtshoheit des Reiches frei und
selbständig zu machen, wurde, freilich ohne durchschlagenden
Erfolg, unternommen. Preusßen als souveränes Land war
von der Justizhoheit frei; aus Kur-Brandenburg konnte nur
wegen Justizverweigerung und sog. unheilbarer Nullitäten
an das Reichskammergericht appelliert werden; für die rheinischklevischen
Besitzungen erlangte der König nur ein beschränktes
Privileg — nicht alle Sachen kamen also vor das Oberappellationsgericht
zu Berlin, auch Reichskammergericht und
Reichshofrat blieben noch zuständig.
Neu organisiert wurde der Geheime Rat durch Eberhard
von Danuckelmann, jenen großen, erst allmählich dann durch
Mißgunst und Neid des alten Adels, Haß der Königin, Undank
und Ungerechtigkeit des Königs gestürzten Staatsmann,
dessen Ehre die Geschichte fleckenlos fand ##).
Auf dem Gebiete der Kulturpflege wird unter Friedrich
III/I. einiges von Dauer geschaffen: 1696 die Universität
Halle und die Akademie der Künste in Berlin, 1700 nach dem
Plane Leibniz'die Akademie der Wissenschaften. In Erinnerung
1) Breysig. Ter Prozeß gegen Eberhard Danckelmann 1889.