Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

66  Schlacht  bei  Courcelles.

den  Befehl,  mit  dem  1.  und  7.  Armeekorps  die  Nachhut  des  abziehenden
  Feindes  anzugreifen.

Die  französischen  Patrouillen  hatten,  nach  dem  Bericht  des
„Siècle,“  am  13.  und  14.  August  die  Umgegend  von  Metz  durchstreift
  und  hatten  nichts  vom  Feinde  gesehen,  und  doch  war  er  da,
und  die  nichts  ahnenden  Franzosen  von  ihm  mit  großer  Heftigkeit
angegriffen.  Vor  den  Regimentern  der  13.  (westfälischen)  Division
gingen  die  Franzosen  ziemlich  rasch  in  eine  vorbereitete  Gefechtsstellung
  bei  dem  Dorfe  Pange  zurück.  Hier  hatten  sie  das  unregelmäßige
Terrain  zur  nachdrücklichsten  Vertheidigung  eingerichtet,  hinter  jeder
Terrainfalte  waren  Schützengräben  aufgeworfen,  an  passenden  Stellen
Mitrailleusenbatterien  aufgefahren,  und  durch  ihr  rasches  Vorgehen
und  vielleicht  durch  eine  nicht  ganz  exakte  Disposizion  des  kommandirenden
  Generals  standen  die  braven  Westfalen  hier  fast  zwei  Stunden
  lang  einer  gewaltigen  Uebermacht  gegenüber,  und  die  preußischen
Regimenter  nahmen  eben  ihre  letzten  Patronen  zur  Hand,  als  mit
der  frischen  Munizion  auch  die  ersehnte  Unterstützung  eintraf,  nämlich
  die  Truppen  des  I.  Armeekorps,  welche  sofort  in  das  Gefecht
eingriffen,  an  ihrer  Spitze  die  ostpreußischen  Jäger  und  das  43.  Regiment.


Es  entwickelte  sich  nun  ein  sehr  heftiges  Gefecht  auf  der  ganzen
Linie,  von  einer  Stellung  zur  andern  wurden  die  Franzosen  zurückgeworfen,
  aber  unter  den  härtesten  Verlusten  der  preußischen  Truppen,
welche  ohne  Deckung  gegen  die  in  den  Gräben  geschützt  liegenden
Feinde  mit  unvergleichlicher  Tapferkeit  anstürmten  und  sie  zurückwarfen.
War  aber  ein  Abschnitt  erobert,  so  begann  bei  dem  zweiten  dieselbe
Arbeit  von  neuem,  und  bei  jedem  folgenden  nochmals,  und  vor  jeder
Stellung  der  Franzosen  sanken  Hunderte  der  anstürmenden  braven
Krieger  in  ihr  Blut.

Um  den  Angriff  der  Infanterie  zu  unterstützen,  hatte  sich  bei
Montoy  eine  starke  Artillerieabtheilung  aufgestellt,  14  Batterien  des
I.  Korps  feuerten  aus  einer  halbmondförmigen  Stellung  auf  den
Feind  und  brachten  ihm  durch  dieses  konzentrische  Feuer  schwere  Verluste
  bei.  Noch  weit  wirksamer  würde  die  Artillerie  gearbeitet  haben,
wenn  sie  nicht  grade  zur  Zeit  des  heftigsten  Kampfes,  gegen  7—8  Uhr