Contents : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

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weise  jünger.  Um  den  öffentlichen  Impfärzten  die  Mühe  der  Bestellung  und  dem  Vorstand
die  fortwährende  Beunruhigung  durch  Telephon,  Telegramme  usw.  zu  ersparen,  wird  von
Ende  April  an  wöchentlich  oder  alle  2  Wochen  Lymphe  in  der  Voraussetzung  versandt,  daß
sie  an  einem  kühlen  Ort  am  Bestimmungsort  aufbewahrt  werden  kann.  Tatsache  ist,  daß
die  Lymphe  bei  sonst  ganz  zuverlässigen  Impfärzten,  wenn  sie  längere  Zeit  bei  ihnen  gelagert
hat,  manchmal  an  Wirksamkeit  einbüßt.  Ob  die  Beförderung  durch  die  Post,  die  Art  der
Aufbewahrung  oder  die  große  Hitze  des  Sommers  die  Schuld  daran  trägt,  bleibt  dahin  gestellt.
Möglich  ist  auch,  daß  durch  das  längere  Liegenlassen  die  wirksamen  Bestandteile  der  Lymphe
an  den  Wandungen  oder  am  Boden  der  Röhrchen  und  Zylindergläser  sich  niederschlagen
und  im  Glas  zurückbleiben.  Wird  unmittelbar  aus  den  Zylindergläsern  geimpft,  so  sollte
alle  10  Minuten  eine  Schüttelung  stattfinden;  eine  Abscheidung  in  einen  dünnflüssigen  und
einen  dickflüssigen  Teil  ist  durch  die  Zubereitungsart  nicht  zu  vermeiden,  wenn  auch  auf  eine
gründliche  Emulgierung  der  Lymphe  bei  der  Verarbeitung  stets  sorgfältig  Bedacht  genommen
  wird.

Die  größte  Schuld  an  den  vielen  Fehlimpfungen  trägt  sicher  die  mangelhafte  Impftechnik
  einzelner  Impfärzte;  es  ist  sonst  nicht  zu  verstehen,  warum  fast  immer  dieselben
Impfärzte  gute  bis  sehr  gute  Impfergebnisse  haben  und  wiederum  andere  fast  immer  minder
gute  bis  schlechte  und  zwar  bei  der  Verwendung  der  Lymphe  desselben  Tieres  und  fast
desselben  Alters.  So  haben  mit  Lymphe  von  Kalb  Nr.  8  fünf  öffentliche  Impfärzte  808  Erstimpflinge
  ohne  Fehlimpfungen  geimpft,  Ludwigsburg  dagegen  hatte  bei  45  Erstimpfungen
21  Fehlimpfungen;  mit  Lymphe  von  Kalb  Nr.  15  hatten  5  öffentliche  Impfärzte  bei  1044  Erstimpfungen
  keinen  Fehlerfolg  und  nur  6mal  je  1  Pustel,  2  andere  bei  961  Erstimpfungen
17  Fehlerfolge  und  15  mal  je  1  Pustel.  Der  Vorstand  hat  die  Erfolge  der  öffentlichen  Impfärzte
  in  3  Gruppen  zusammengestellt:  in  gute,  mittelgute  und  schlechte.

11  gute  Physikate  mit  8639  Erstimpfungen  hatten  36  Fehlimpfungen  =  0%

9  mittelgute  mit  6258  Erstimpfungen  hatten  120  Fehlimpfungen  —  192%.

7  schlechte  mit  3027  Erstimpfungen  hatten  265  Fehlimpfungen  =  8,75%.

Von  Wert  ist  auch  eine  auf  Grund  der  eingegangenen  Zählkarten  gefertigte  Zusammenstellung
  über  die  Wirksamkeit  der  einzelnen  von  der  Anstalt  abgegebenen  Lymphesorten:

Mit  Lymphe  von  den  8  Tieren,  welche  mit  alter  Cannstatter  Stammlymphe  geimpft
worden  waren,  wurden  8841  Erstimpflinge  geimpft,  davon  ohne  Erfolg  220  =  21%  .  Mit
Lymphe  von  den  7  mit  Variolavakzine  geimpften  Tieren  wurden  geimpft  6601  Erstimpflinge,
davon  ohne  Erfolg  149  =  29066%.  Mit  Lymphe  von  den  2  mit  Mischlymphe  geimpften
Tieren  wurden  geimpft  1735  Erstimpflinge,  davon  ohne  Erfolg  41  =  296%.  Darnach  ist
die  Wirksamkeit  der  3  Lymphesorten  als  annähernd  gleich  einzuschätzen;  die  besten  Erfolge
(97,7%%)  hat  die  Variolavakzine  gehabt,  sodann  die  Mischlymphe  (97,6  %)  und  in  dritter
Linie  die  alte  Stammlymphe  (97,6  0).  ·

Die  Lymphe  von  Kalb  Nr.  2  erwies  sich  bei  den  Erstimpflingen  als  schwächlich,  dagegen
als  sehr  kräftig  bei  Wiederimpflingen.

In  Karlsruhe  ließ  die  Wirksamkeit  des  Impfstoffes  zu  wünschen  übrig;  die  mit  der
Lymphe  erzielten  Erfolge  waren  durchaus  nicht  gleichmäßig  sicher  und  gut.  Es  wurde  eine
ziemlich  rasche  Abschwächung  der  von  der  ersten  Sendung  von  Retrovakzine-Stammlymphe
gezogenen  Lymphe  bei  ihrer  Verwendung  zu  Massenimpfungen  beobachtet.  Das  Mißliche  an
der  Sache  bestand  hauptsächlich  darin,  daß  die  angestellten  Probeimpfungen  günstig  ausgefallen
  waren,  die  Veränderung  der  Wirksamkeit  —  aus  unbekannt  gebliebenen  Gründen  —
demnach  zwischen  dieser  und  den  Massenimpfungen  eintrat  und  eine  Wiederholung  der