Volltext : Der Reichstag von Nürnberg 1522-23.

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die  Erlaubnis  nachgesucht,  heimreiten  zu  dürfen.  Am  3.  Oktober
  erhielten  sie  von  Statthalter  und  Regiment  den  Bescheid,
  sie  sollten  wenigstens  noch  acht  Tage  da  bleiben,
sonst  möchten  die  Gesandten  der  Fürsten  und  andern  Stände
auf  dem  Wege  wieder  umkehren.  So  entschlossen  sie  sich
denn,  mit  Ausnahme  von  Strassburg!)  und  Hagenau,  wie  der
Frankfurter  Gesandte  Hamann  von  Holzhausen  schreibt,  noch
eine  Woche  zu  warten.  Dieser  Gesandte,  übrigens  ein  zuverlässiger
  Berichterstatter,  doch  wie  alle  Städtegesandten
über  die  Ansichten  und  Absichten  der  Fürsten  wenig  unterrichtet,
  meint  an  derselben  Stelle?),  der  Reichstag  würde
beginnen,  wenn  sich  nicht  die  Händel  zwischen  dem  Erzbischof
  von  Mainz  und  dem  Landgrafen  von  Hessen  und
vorher  zwischen  Trier  und  Sickingen  zugetragen  hätten;  im
gleichen  Sinne  äussert  sich  auch  Chieregati.?)  Von  allen
den  kleinern  oder  grössern  Zwistigkeiten,  die  den  Beginn  des
Reichstags  noch  immer  weiter  hinausschoben,  ist  auch  natürlich
  keine  so  wichtig,  wie  die  Fehde  Sickingens  gegen  Trier
und  sodann  gegen  Pfalzgraf  Ludwig  und  den  jungen  Landgrafen
  Philipp  von  Hessen.  Behauptete  doch  Sickingen,  den
Kaiser  auf  seiner  Seite  zu  haben  und  das  wahre  Recht  zu
vertheidigen,  sodass  schliesslich  zu  fürchten  war,  er  werde
noch  den  ganzen  Adel,  vielleicht  auch  noch  die  Städte  zur
Empörung  treiben.  Können  wir  hier  auch  nicht  näher?)  auf
jene  Ereignisse  eingehen,  so  müssen  wir  doch  konstatieren,
dass  das  Reich  durch  dieselben  in  die  höchste  Spannung  versetzt
  wurde.  Dem  tapfern  Widerstande,  den  der  kühne  Ritter

1)  Die  Gesandten  von  Strassburg  sind  aber  doch  geblieben;  erst
Ende  Okt.  reiste  der  eine  derselben,  Daniel  Mieg,  heim  (vgl.  Virck,
Polit.  Korresp.  der  Stadt  Strassburg.  Bd.  I.  Strassb.  1882.  S.  59.
Anm.  3.).  —  Vgl.  damit  Baumgarten  S.  209  f.

2)  Brief  vom  4.  Oktober.  (Frankf.  A.  l.  c.  fol.  67.)

3)  „La  causa  de  la  tarditä  loro  €,  che  sono  tutti  in  arme  et  chi
per  un  rispecto  et  chi  per  un  altro.“  —  Brief  v.  24.  Okt.  (Morsolin,
S.  102).

4)  Wir  verweisen  auf  Ulmann,  Sickingen  (Leipzig  1872)  und  auf
das  schon  genannte  Buch  von  Bremer.  Ranke  darüber:  D.  G.  II,
S.  71ER.