Full text : Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung.

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Schuppen.  Der  Schlag  des  Dreschflegels  wird  um  1350  in  Nürnberg,
Augsburg,  Ulm  nahe  an  dem  Rathaus  gehört.

Viel  Mühe  machen  dem  Rate  die  Borstentiere  und  ihr  Schmutz,
denn  die  Schweine  fahren  durch  die  Haustüren  in  die  Häuser  und  suchen
auf  dem  Wege  ihre  unsaubere  Nahrung;  der  Rat  verbietet  zuweilen,
Schweineställe  an  der  Straße  zu  bauen  —  so  1421  in  Frankfurt  —,
auch  im  reichen  Ulm  laufen  die  Schweine  übelriechend  auf  den  Straßen
umher  bis  1410,  wo  ihnen  dies  Recht  auf  die  Mittagsstunde  von  11—12
beschränkt  wird.

Die  Hauptstraßen  der  Stadt  sind  hier  und  da  gepflastert,  längs
der  Häuser  besondere  Steinwege,  und  vornehme  Städte,  wie  Aachen,
Nürnberg,  Ulm  halten  städtische  Pflasterer  und  lassen  sich  die  Straßenbesserung
  etwas  kosten.  Aber  nicht  überall  war  man  so  weit,  in  Frankfurt
  wurden  die  Hauptstraßen  bis  1399  nur  durch  Holzwellen,  Sand
und  kleine  Steine  gebessert;  doch  muß  der  Weg  oft  schwierig  gewesen
sein,  es  gab  für  die  Domherren  eine  gesetzliche  Entschuldigung  beim
Konvent  zu  fehlen,  wenn  der  Straßenschmutz  arg  war.  Wer  bei  schlechtem
Wetter  ausging,  fuhr  in  schwere  Holzschuhe;  von  den  Ratsherren  wurde
gefordert,  daß  sie  diese  vor  der  Sitzung  auszogen.

Schon  die  Gewohnheit,  bei  der  Enge  der  Straßen  den  Rinnstein
in  die  Mitte  des  Weges  zu  verlegen,  muß  in  dieser  Richtung  verhängnisvoll
  geworden  sein;  dazu  kamen  die  häufigen  Viehtränken,  die  bis  ins
späte  Mittelalter  üblichen  Ziehbrunnen  mit  ihren  Wasserschütten,  endlich
aber  und  vor  allem  die  große  Unreinlichkeit  der  Bewohner.

Wie  die  Straße,  so  entbehrte  auch  das  mittelalterliche  Haus  fast
noch  durchweg  jener  reinlichen  Behaglichkeit,  welche  jetzt  im  deutschen
Bürgerhause  gerade  den  vornehmsten  Ausdruck  gewonnen  hat.

Auf  den  Straßen  sind  die  Brunnen  häufig,  es  sind  einfache  Ziehbrunnen
  mit  Rolle,  Kette  und  Doppeleimer,  wird  der  eine  heraufgewunden,
so  fährt  der  andere  zur  Tiefe;  wo  gutes  Wasser  fehlt,  sind  die  Städte
seit  ältester  Zeit  bemüht  gewesen,  reine  Quellen  und  Bäche  in  die  Stadt
zu  leiten.  Auch  an  reichlichem  Wasser  hing  das  Gedeihen  der  Stadt.
Auf  den  Plätzen  der  Stadt  standen  bei  laufenden  Brunnen  Schöpftröge
  von  Stein  und  Metall,  und  an  gelegenen  Stellen  gefüllte  Wasserbottiche
  für  den  Fall  einer  Feuersgefahr.

Sehr  unähnlich  moderner  Bauweise  sind  die  Straßen  der  Stadt,
sie  ziehen  sich  in  der  Mehrzahl  enge  gewunden  dahin;  die  Häuser  sind
oft  klein,  von  Fachwerk  gebaut,  mit  Stroh  gedeckt,  sie  stehen  mit  dem
Giebel  auf  die  Straße,  in  der  Regel  nicht  dicht  aneinander,  denn  zwischen
ihnen  sind  Schlupfe,  in  denen  das  Regenwasser  abgeleitet  wird.  Die
Eingänge  sind  häufig  mit  einer  Halbtür  versehen,  über  der  Tür  hängt
an  einem  Schild  das  gemalte  Zeichen  des  Hauses,  oft  wird  der  Besitzer
nach  seinem  Hausbilde  genannt.  Die  Häuserlinie  läuft  nicht  glatt  und