Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

—  i102  —

Landesschule  vereinigte,  und  ihr  in  dem  eingezogenen  Franziskanerkloster  ein
geeignetes  Local  anwies.  Nicht  minder  ist  unter  dieser  Regierung  als  ein  besonderes
  Verdienst  die  Errichtung  von  Mädchenschulen  anzuführen,  „in  welche  die
Bürger,  so  lautet  die  ernste  Ermahnung,  ihre  Töchter  schicken  sollten,  um  lesen,
schreiben  und  christliche  Gesänge  zu  lernen“.

Johann  Georg  theilte  mit  seinem  Vater  die  Abneigung  gegen  die  Calvinisten,
  und  äußerte  dies  seiner  strengen  Weise  gemäß  weit  heftiger  als  jener.
„Ich  habe  eine  Universität  im  Lande,  soll  er  geäußert  haben,  und  halte  sie  für
ein  großes  Kleinod  und  ist  mir  sehr  lieb,  aber  wenn  ich  wüßte,  daß  meine
Theologen  und  Professoren  allda  sollten  calvinisch  werden,  so  wollte  ich,  daß
das  Collegium  und  die  Univerfität  in  Flammen  stände  und  im  Feuer  lichterloh
brennte".  Dessenungeachtet  ging  sein  Widerwille  gegen  die  Calvinisten  nicht  so
weit,  daß  er  ihn  zu  politischen  Fehlgriffen  verleitete,  denn  er  unterstützte  Heinrich
  von  Navarra  so  wie  die  Niederländer  gegen  die  Verfolgungen  der  Ligue
und  Philipp  II.

Man  begnügte  sich  damals  nicht,  die  offenbaren  Calvinisten  als  Gegner
anzusehen,  sondern  auch  die  Synergisten  und  Kryptocalvinisten  galten  als  vollkommen
  verwerflich  und  schädlich  für  die  Gemeinschaft  rechtgläubiger  Christen.
Die  Billigung  des  Augsburgischen  Glaubensbekenntnisses  genügte  für  die  Eiferer
nicht,  denn  die  Reformirten  waren  mit  diesem  Zeugniß  des  Evangeliums  einverstanden.
  Um  es  daher  auch  jedem  Kryptocalvinisten  unmöglich  zu  machen,
sich  in  die  Gemeinschaft  der  lutherischen  Christen  einzuschleichen,  so  kam  durch
die  Bemühungen  des  Kurfürsten  August  von  Sachsen  und  des  würtembergischen
Kanzlers  Jakob  Andräa  eine  Versammlung  von  funfzehn  der  ausgezeichnetsten
Theologen,  unter  denen  von  brandenburgischer  Seite  Musculus  und  Cornerus
  waren,  in  Torgau  zu  Stande,  welche  eine  bindende  Glaubensnorm
unter  dem  Namen  einer  formula  concordiee  feststellten  (1576).  Ein  Jahr  darauf
wurde  sie  in  Klosterbergen  von  den  Kurfürsten  von  Brandenburg,  Sachsen  und
Pfalz,  22  Fürsten,  26  Grafen  und  35  Städten  unterschrieben.  Sie  sollte  ein
Symbol  der  lutherischen  Kirche  sein.  Im  Brandenburgischen  führte  man  sie  förmlich
  ein,  und  forderte  von  den  Geistlichen  einen  Revers  für  ihre  Aufrechthaltung,
  was  allerdings  nicht  ohne  erheblichen  Widerspruch  von  manchen  Orten  her
geschah.  Es  war  dies  von  Seiten  der  Lutheraner  ein  beklagenswerther  Schritt,
denn  die  sogenannte  Eintrachtsformel  zwang  die  Calvinisten,  sich  in  Zukunft
streng  von  dem  Lutherthum  zu  trennen,  und  mehrte  daher,  statt  Eintracht  hervorzubringen,
  den  Zwiespalt  und  die  Feindseligkeit  unter  den  evangelischen  Christen.

Segensreicher  war  des  Kurfürsten  Sorge  für  die  Verbesserung  des  Rechts-Verfahrens,
  indem  er  den  Gedanken  faßte,  ein  für  seine  Länder  gültiges  Gesetz-Buch
  zusammenstellen  zu  lassen,  ein  schon  damals  dringend  gefühltes  Bedürfniß,
da  die  Richter  bald  nach  römischem  Rechte,  bald  nach  altem  Herkommen,  bald
nach  einzelnen  deutschen  Rechtsbestimmungen  erkannten,  ohne  durch  irgend  eine
feste  Norm  in  ihrem  Verfahren  gebunden  zu  sein.  Deshalb  hörte  man  beständig