Metadaten : Grundzüge der Verfassung des Deutschen Reiches. (1906)

281  Barfrost  —  Barschast.

I)  nackt,  bloß,  von  Körperleilen:  nudus  parèr  abd.  Gloss.
I,  4177,  15;  lege  sich  üf  siniu  baren  knie  Rv.  Zweter
120,  20;  arme  und  sueze  wären  bar  Trist.  15667;  später
felten  geworden,  dlank  und  dar  (dasteben,  nackt)  Bürger
Golk.  272;  ich  geb  wit  zugen  (Gesichtszügen)  srei  una
bar  Goethe  feindsel.  Blick;  mit  barem  haupte  dastehen;
bares  leben  (nacktes)  Wieland  Perv.  1,  12;  da  er  das-Telbe
  (Haupt)  haar  trug  CF  Meyer  Nov.  2,  143;!
von  Pferden  bar  gehen  (Logauy)  unbeschlagen;  ont
in  Zusammensetzungen,  s.  u.  2)  von  anderem,  W
unbedeckt:  und  sach  daz  swert  da  ligen  bur  Trist.  10367;
und  in  neuer  Spr.  wieder:  das  grab  steht  schwarz  und
baur  (ohne  Rasen)  Freiligrath  1,  51;  mit  Gen.  entblößt
  von  etwas:  daz  velt  wart  alleg  ritter  bar  Liechtenstein
  78,  9;  wo  ihrer  scheid'n  bar  die  schwerter  lodern
Geibel  1,  236;  übertragen:  dd  sünden  bloz,  dü  valsches
  bar  Rv  Zweter  121,  21;  soll  rechtlos  sein  und
aller  ehren  baar  Schiller  Tell  2,2;  mit  von:  da  was!
Adäm  von  sunden  bar  Freidank  7,  11  (jetzt  kaum
mehr).  3)  unverhüllt  zu  Tage  tretend,  offenbar,  rein,
klar:  näb  pariro  secrifte  (secuendum  literum)  Notker
Pf.  103,  5;  bare  milch,  reine  Adelung  als  niedersächf.;
welche  auf  ilrer  seite  baure  haide  härtten  (nichts  als
Heide)  Möfer  Ph.  1,  197;  schön  wie  ein  barer  engel
Wieland  Ob.  1,  4  (im  Glossar  dazu  als  veraltet  und
neu  eingeführt  bezeichnet).  1)  in  diesen  Bedentungen
(1—3)  war  dar  der  Schriftspr.  des  17.  und  18.  Jh.  bis
über  Adelungs  Zeiten  fast  fremd  geworden,  nur  in
Bezug  auf  Geld  geblieben,  wo  es  (im  Gegenjatz  zu  dem
zugewogenen  Metall)  das  schon  mit  sichtbarei  Wertzeichen
  verfehene  Silberstück  ausdrückte,  schon  im  14.  Jh.
zusammengesetzt  barbade  D.  Städtechr.  #,  294  (vgl.  unten
burschaft);  später  gern  auch  ebenso  bargeld:  es  mösz
allwegen  bargelt  da  stin  Wickram  Rollw.  95;  neben
getrenntem  bar  geld:  mit  barem  gelt  bezalen  Maaler;
und  weiter:  man  gab  das  gelt  bar  2.  Kön.  12,  11;  zehen.
tausend  kronen  also  bar  Zimm.  Chron.  3,  339;  um
baares  geld  kaufen  Steinbach;  ich  habe  baar  vor
ihn  bezahlt  ebd.;  zehn  thaler  .  baar  und  blank  bezahlet
  Voß  6,  134;  sprschwörtlich:  bar  geld  lacht,  kauft.
wohlkeil,  ist  gute  ware;  bildlich  etwas  für  bare  munze
nehmen,  als  unbedingt  richtig;  mährecben  die  .  für
bares  geld  ungenommen  wurden  Wieland  Abd.  1,  12;
dem  zuletzt  die  hergebrachttn  worte  für  haare  münze
gelten  Goethe  52,  13;  und  freier  in  barem  ernst  etwas
sagen;  borer  unsinn;  ein  blankes  bares  nein  Bürger
Maeb.  3,  7;  schon  16.  Ih.:  dusz  ich  nicht  auch  also
par  mit  .reimen  herausz  fahr  Garg.  66.  —  Zusammensetzungen:
  Barfrost,  m.  Frost  ohne  Schnee.  —  barfuß,
mit  bloßen  Füßen,  mhd.  barvnoz.  nur  prädicativ  bar-,
fusz  gehen,  er  stand  barfusz  auf  den  steinen;  enten
gehen  barfusz  Fischart  Bienk.  1662;  muth  hab  ich
genug  um  huarfusz  mitten  durch  die  hölle  zu  gehen
Schiller  Räub.  1,  2;  weil  ich  nicht  baarfusz  nach
Loreito  könne  Kab.  1,9;  von  Pferden  (vgl.  bar  1):  die
vralt  gehen  burfusz  (unbeschlagen)  Simpl.  1,  2417.  —

arfüßer,  m.  Mitglied  eines  Mönchsordens,  der  mit
bloßen  Füßen  geht;  barfuszerkloster;  darfuszermönch;
unsers  barfüserischen  superioristen  Murrnars  fund  Garg.
38.  —  barfüßig,  mit  bloßen  Füßen,  mhd.  darrueze,
attributiv:  bariusrige  kinder.  —  Barfüßler,  m.  scherzbast
  von  einem,  der  mit  bloßen  Füßen  geht.  —  barhaupt,
  mit  bloßem  Haupte,  nur  prädicativ;  barhaupt,
sein  Maaler;  bordaupt  im  winter  reisen  Garg.  341;
er  stand..  barhaupt  Heyse  Par.  2,  229.  —  barhäuptig,
mit  bloßem  Hauxte,  attributiv:  barhäuprige  jungen:
Frädicativ:  weil  ich  .  larhänbtig  ging  Simpl.  2,  172;
er  war  barhäuptig  Keller  Seldw.  2,37.—  )s  aft,  r

r

Vorrat  an  barem  Gelde,  im  11.  Ih.  schon  vorhanden:
schult  und  barschaft  Germ.  28,  360  (von  1363);  rap
pelte  er  einsmals  alle  meine  paarscbalt  zusammen  Simpl
3,  10;  bildlich,  guf  geistige  Mittel  übertragen;  kann  eben-282



darum  meinc  kleine  barschaft  besser  nntzen  Schiller  an
Gocthe  1791;  meine  ganze  lanrschaft  von  liebe  Nab.  5,3.

Bär,  m.  1)  das  bekannte  Ranbtier,  alinord.  djöro,
altengl.  dera,  ahd.  bero,  mhd.  der,  außerbalb  des  Deutschen
  entspricht  vielleicht  lat.  lerus  wild.  Declination  in
der  alten  Spr.  schwach,  mhd.  Gen.  und  Plur.  hern.  und
noch  heute  in  beiden  Fällen  ist  bären  gebräuchlich;  daneben
  aber  seit  17.  Ih.  auch  starke  Formen:  den  bür
Stieler;  die  label  von  dem  hur  Lichtwer  183;  die
bärc  und  wölfe  Steinbach;  die  aber,  namentlich  im
Plur.,  bis  jetzt  nicht  durchgedrungen.  es  kam  cin  lewe
und  ein  beer  1.  Sam.  17,  31;  in  furcht  vor  bür  und
woll  Lichtwer  239;  vilder,  grimmiger,  schwarzer,
brauner  bür;  in  Vergleichen,  die  auf  Eigenschaften  des
Bären  weisen:  zorniges  gemuts,  wie  ein  beir  dem  die
jungen  auf  einem  telde  geraubt  sind  2.  Sam.  17,  8;
wir  brummen  alle  wie  die  beren  Ses.  59,  11;  brummt  er
wie  ein  ber  Wieland  Klelia  5,208;  tanzen  wie  cin  bur,
ungelenk;  ich  n.öchte  ein  bür  sein,  und  die  bären  des
nordlands  wider  dirs  mörderische  geschlecht  anhetzen
Schiller  Ränb.  1,  2;  dichter  gleichen  bären,  die  immer
an  eig#en  pfoten  zehren  Goethe  2,  266;  sprichwörtlich
mit  Bezug  darauf,  daß  alte  Jäger  den  Bären  auf  das
Eisen  auflaufen  ließen:  die  haut  verkanfen  ehe  der  bär
gestochen  (auch  gekangen)  ist,  voreilig  bandeln;  den
büren  stechen  bat  sonst  auch  obseönen  Sinn,  Zimm.
Chron.z,  218;  einen  büren  binden,  anbinden,  als  unerhört
  Schwieriges  (ich  bete  senfter  einen  bern  ze  dirre
nabt  gebunden  Ges.  Ab.  3,  77),  daber  für  anfschneiden:
dasz  ich  ihnen,  wann  ich  nur  aufschneiden  wollen,
seltzame  büren  bärte  anbinden  können  Simpl.  1,  294,
jetzt  aufbinden  (l.  d.),  weil  büren  anbinden  —  Schulden
  machen:  dasz  die  bären  in  den  wirthshäusern  an-Bär—

  Bärenhänter.

gebundetn  werden  HHeine  1,  85;  es  ist  besser  einen

bären  loslassen  als  einen  büren  anbinden,  Sprichwort;
ich  habe  dicse  messe  verschiedene  büre  los  zu  binden
RNabener  3,  298.  bür.  einen  Menschen  bezeichnend,
entweder  einen  brummigen:  der  alte  brummbär!;  bängt
euch  an  euren  eignen  bürten  auf,  ihr  zottigen  landdären!
  Eichendorif  Tangen.  15;  oder  einen  wilden,
kampfbereiten:  den  republikanischen  hund  will  ich  sehen,
der  um  büren  Doria  hinaufspringt  Schiller  Fiesko  1,  5:
ein  ungeleckter  bür,  formloser  Mensch  (nach  altem
Glanben  bringt  die  Bärin  ein  formloses  Stück  Fleisch
ur  Welt  und  leckt  das,  bis  es  Glieder  gewinnt  Megenerg

  162);  für  einen  Plumpen:  so  zeh!  du  deutscher
bür  Lessing  Nath.  1,6.  Als  Wirtshansschild:  es  kennt
die  gunze  welt  den  wirth  zum  schwarzen  bären  Goetbe
Mitsch.  1,  1.  Stembilder:  der  grosz  bür  oder  herrenwagen
  Maaler;  der  kleine  bär;  endlich  Name  eines
Nachtschmetterlings.  2)  anderes  bür,  Zuchteber,  auch
dürsch  wein,  bi  ier,  lautet  bei  den  alten  Longobarden  pabir
d.  i.  pair,  mhd.  ber,  altengl.  bär,  engl.  bonr.  3)  drittes
bär,  Rammklotz,  gehört  zu  mhd.  dern  schlagen.  —  Zusammensetzungen
  und  Buldungen  zu  1:  bärbeißig,  wie
ein  Bärenbeißer  (s.  d.),  zänkisch  Adelung:  der  bärbeiszige
  schwager  Goethe  Camp.;  aotwortete  därbeiszig
  Freytag  Abnen  6,  56.  —  bären,  nach  dem
Bären  verlangen,  bei  Jägern:  dic  bürin  baret  Frisch;
von  der  San,  nach  dem  Eber  verlangen  (bür  2).  —
Bärenbeißer,  m.  großer,  zur  Bärenhatz  verwendeter  Hund.
—  Bärendreck,  m.  Kot  eines  Bären;  landschastlich  der
eingekochte  und  in  Stangen  geformte  Lakritzensast:  bereodreck
  Murner  Narrenb.  56,  28;  ich  musz  noch  bürendreck
  kochen  Hebel  2,  227.  —  Bärenführer,  m.  der  mit
Tanzbären  herumziebt.  ——  Bärenhaut,  k.  Haut,  Fell  eines
Bären;  als  Ausrüstung  für  einen  Zug  in  fremdes  Land
(a  Zeltieppich)  im  15.  Ih.  D.  Städtechr.  5,  208;  uul
er  burenhant  hegen,  wohl  zunächst  ein  müßiges  Lagerleben
  führen,  dann  überhaupt  fanlenzen,  seit  16.  Ih.  —
Bärenhänter,  m.  zunächst  der  ein  müßiges  Lagerleben  Führende,
  dann  Strolch,  Maulaffe,  Faulenzer  überhaupt,