Metadata : Fürst Bismarck und der Bundesrat. Zweiter Band. Der Bundesrat des Zollvereins (1868-1870) und der Bundesrat des Deutschen Reichs (1871-1873). (2)

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Das  Telegramm  des  Kaisers  lautete:
19.  November.

An  den  Gesandten  Graf  Flemming.
Berlin,  Palais.
Sie  wollen  der  nunmehr  verwitweten  Frau  v.  Freydorf  meine  aufrichtige
Teilnahme  an  dem  Verlust  ihres  Gemahls  aussprechen,  dem  ich  seit  Jahren
meine  ganze  Achtung  und  mein  Vertrauen  geschenkt  habe.
Wilhelm.

Finanzminister  Ellstättert)
(geboren  11.  März  1827)

war  von  März  1871  bis  März  1893  Mitglied  des  Bundesrats,  )  desgleichen
nach  Errichtnug  der  Reichsbank  mehrjähriges  Mitglied  des  Reichsbank-Kuratoriums
und  hat  an  den  Konferenzen  der  bundesstaatlichen  Finanzminister  (1878  Heidelberg,
  1880  Coburg)  teilgenommen.

Minister  Ellstätter  hatte  das  Glück,  während  der  großen  Epoche  der  nationalen
  Erhebung  unseres  Volkes  zu  dem  großen  Staatsmann,  wenn  auch  nicht
in  sehr  nahen  Verkehr  zu  treten,  doch  aus  ehrerbietiger  Entfernung  seine  hohe
Persönlichkeit  beobachten  und  bewundern,  auch  ab  und  zu  in  engerem  Kreise  in
dem  gastfreien  Hause  des  Kanzlers  und  gelegentlich  in  spezieller  Audienz,  die  er
ihm  freundlich  gewährte,  sich  dem  Fürsten  nähern  zu  dürfen.

Zunächst  waren  es  die  Plenarsitzungen  des  Bundesrats,  in  denen  er  den
Kanzler  sah.  Unvergeßlich  ist  dem  Minister  Ellstätter  aus  jener  Zeit  der  Eindruck
  seines  überlegenen  Eingreifens  sowie  seiner  hinreißenden  politischen  Darlegungen,
  mit  welchen  er  zeitweise  den  Bundesrat  von  der  momentanen  Lage
unterrichtete.

In  etwas  nähere  Beziehung  zum  Fürsten  führte  ihn  sodann  die  Mitgliedschaft
  im  Bank-Kuratorium.  Auch  hierüber  nahm  in  der  ersten  Zeit  Fürst  Bismarck
  einigemal  den  Vorsitz  und  lud  jeweils  die  Mitglieder  zum  Diner  ein.

Geschäftliche  Berührungen  spezieller  Art  hatte  Ellstätter  außerdem  im  Jahre
1875  sowie  1887.

Im  Dezember  1875  hatte  derselbe  den  Auftrag,  sich  zu  informiren,  wie
ein  etwaiger  Antrag  Badens  auf  Eintritt  in  die  norddeutsche  Branntweinsteuer-Gemeinschaft
  aufgenommen  werden  würde.

1)  Moritz  Ellstätter,  geboren  zu  Karlsruhe.  Besuch  des  Lyceums  in  Karlsruhe  und
der  Universitäten  Heidelberg  und  Bonn  als  Studirender  der  Rechte.  Mehrere  Jahre  an
der  Diskontogesellschaft  in  Berlin  thätig,  demnächst  Rechtsanwalt  in  Durlach,  1864—1866
Mitglied  des  Kreis=  und  Hofgerichts  in  Mannheim,  August  1866  Ministerialrat  im  Finanzministerium,
  1868  Chef  des  Finanzministeriums  als  Nachfolger  Mathys.  1893  Rücktritt
aus  dem  Staatsdienst.

2)  Von  Ellstätter  wurden  im  Jahre  1873  im  Bundesrat  die  Referate  über  die  Münzgesetze
  erstattet.