15
Dieß sollten auch in der Kirche die Buͤßenden nachthun, und
man vergaß, daß Koͤrper, die der Selbstqualen nicht gewobnt
sind, viel tiefer empfinden, als jene Gerippe, deren Gefühle
schon verstumpft sind. Man haͤtte es nie zugeben sollen, daß
ein Abt Bischof wurde. Wie er im Kloster seine jungen
Scholaren geißelte, wenn sie die Melodie nicht trafen, so betrug
er sich auch gegen den unter ihm stehenden Clerus, und
wenn der Clerus einer Kirche mit dem Bischof gleichsam zusammen
wohnen sollte, wenigstens eine Partie junger Geistlichen
zu ihrer Bildung in seinem Hause wohnten, so sah es
bier wie im Kloster aus. So blieb im Wesentlichen die Einrichtung
des Monchs-Instituts, so lange die einmal im Orient
angefangene Weise hielt; aber zu Aufang des sechsten
Jahrhunderts fingen Italiener eine andere Weise
an, und diese erhielt den erstaunenswürdigsten Beifall.
Occidentalische Mönchsgeschichte.
Geschichte des Benediktiner-Ordens.
A. Entstehung und Ordenêregel.
Der Stifter des ersten occidentalischen, des Bene,
diktiner-Ordens, war Benedikt von Nursia. Er
wurde im letzten Viertel des fünften Jahrhunderts geboren.
Von der Natur schon mit ziemlicher Dosis von Fanatismus
ausgesteuert, aus einer sehr angesehenen Familie, schon als
Jüngling zum Studiren in Rom bestimmt. Aber schon da
(er muß damals noch sehr jung gewesen seyn, denn er hatte
noch seine Amme bei sich) entlief er. Es kann ihn Niemand
finden. Er sieckt sich drei Jahre in eine Höhle, daß Keinervon
ihm ctwas weig. *) Der Nabe für den jungen Elias,
*) AM.ibillon, -Acta Sanctorum Ord. S. BDenedicti.