50 Der Vortrag des Didakrischen.
Zwar Gott ist überall, und nie wird in der Schar
Ihn finden, wem er nicht bereits im Herzen war.
Doch wo der Scheiter viel in einer Flamme brenunen,
Wird das Gemüt es an vermehrter Glut erkennen.
Ein rechter Mann hat zwei Gesichter, die er hält
Das eine auf sein Haus, das andre in die Welt.
Das freundliche Gesicht, das wendet er ins Haus,
Das ernste aber kehrt er in die Welt hinaus.
Der Baum legt niemals selbst die Axt an seinen Fuß,
Du bist ein Thor, den solch ein Sinnbild warnen muß.
Die Sittlichkeit allein ersetzt den Glauben nicht,
Doch weh' dem Glauben, dem die Sittlichkeit gebricht.
Sohn, aufrecht sei dein Gang, und all dein Thun aufrichtig,
Aufrechter Gang ist für den Menschen nicht unwichtig.
Er ist von Gott gewährt die erste, hehrste Gunst,
Und ist, vom Kind gelernt, die erste, schwerste Kunst.
Den Kohl, den du dir selbst gebaut,
Mußt du nicht nach dem Marktpreis schätzen,
Du hast ihn mit deinem Schweiß betaut,
Die Würze läßt sich durch nichts ersetzen.
In jedem Klotz, in jedem Stein
Ein Götterbild versteckt mag liegen,
Doch muß, wer es heraus will kriegen,
Biildschnitzer oder Bildhauer sein.
Wehe dem, der zu sterben geht,
Und keinem Liebe geschenket hat,
Dem Becher, der in Scherben geht,
Und keinen Durst'gen getränket hat.
Wenn ein Mühlstein vom Berge rollt,
Kannst ohne Schande bei Seite springen,
Wenn dir ein Unvernünftiger grollt,
Mit ihm zu streiten soll dir's Ehre bringen?
Der Erfolg ist offenbar,
Die Absicht aber niemals klar;
D'rum wird man alle Menschengeschichten
Ewig nach dem Erfolge richten.
Prahl' nicht heute: morgen will
Dieses oder das ich thun;
Schweige doch bis morgen still,
Sage dann: das that ich nun.
Am Abend wird man klug
Für den vergangnen Tag,