Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1891. (25)

Bundesfürsten,  daß  wir  fest  zusammenstehen  in  alter
deutscher  Treue  und  Freundschaft.  Das  ist  zugleich  das
festeste  und  beste  Band  für  unser  liebes  deutsches  Vater—
land,  das  erst  zugrunde  gehen  kann  nach  dem  Tode  des
letzten  von  uns!“  Unter  dem  Gesichtspunkte  der  heutigen  Zeitlage
  hat  die  prophetische  Antwort  des  Kaisers,  mit  der  er  des  Sachsenkönigs
  Reichstreue  als  vorbildlich  pries,  ganz  besondere  Bedeutung:
„Wenn  des  Deutschen  Reiches  Fürsten  von  solchen  Ge—
danken  beseelt  sind,  wie  Se.  Majestät  der  König  von
Sachsen  hier  ausgesprochen  hat,  dann  ist  es  leicht,  den
Hemmnissen  der  Welt  entgegenzutreten!“"“

Wie  der  König  sein  Berhältnis  zu  den  anderen  Bundesfürsten  auffaßt
  und  in  welchem  Sinne  erseit  Anfang  seiner  Regierung  in  den  Kreisen
der  deutschen  Bundesfürsten  zu  wirken  bestrebt  ist,  hat  er  am  treffendsten
im  Mai  1908  bei  der  Begrüßung  des  Fürsten  zu  Lippe  in  Dresden  ausgesprochen:
  „Sind  unsere  Länder  auch  verschieden  an  Lage
und  Bevölkerung,  so  vereint  uns  doch  bei  unseren  Zusammenkünften
  ein  herrliches  erhebendes  Gefühl,  das
der  gemeinsamen  Interessen  und  das  der  Liebe  und
Einigkeit  gegenüber  unserem  großen  deutschen  Baterlande.
  Alle  für  einen  und  einer  für  alle,  das  soll  unser
Wahlspruch  sein  und  bleiben  immerdar.  Dann  sind  wir
in  der  Lage,  am  besten  für  das  Wohl  unserer  Länder
und  auch  für  das  Heil  und  den  Segen  unseres  deutschen
Vaterlandes  zu  arbeiten.“  Besser  als  mit  dieser  Gesinnung
kann  über  dem  heiligen  Erbe  Bismarcks  wohl  nicht  gewaltet  werden.
Aber  nicht  nur  in  den  Kreisen  seiner  hohen  Standesgenossen  bekundet
  und  betätigt  der  Monarch  seine  reichstreue  Gesinnung,  er
tut  dies  in  Mahnung  und  Vorbild  und  mit  tief  überzeugter  Entschiedenheit
  auch  im  Bereiche  seines  königlichen  Berufes.  Er  läßt
sich  keine  Gelegenheit  entgehen,  um  überall  die  Treue  zu  Kaiser  und
Reich  zur  innersten  Herzenssache  zu  machen.  Als  Erzieher  zu  wahrhafter
  Reichsfreudigkeit  wirkt  er  vor  allem  bei  Rekrutenvereidigungen
und  ähnlichen  Anlässen.  Darüber  hinaus  stellt  der  König  seine
hobe  Auffassung  von  den  Pflichten  eines  deutschen  Bundesfürsten
mit  Vorbedacht  auch  in  den  Dienst  der  auswärtigen  Politik  des
Reiches.  Als  sich  bereits  1906  das  haßverzerrte  Gesicht  der  fran-37