Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1916 (3)

Aummer  107

lich  des  Bohnbaues  angenommen  un  ihn  geförert
  haben,  namentlich  an  die  Bahynbehörden,  die
Eemeinden  usw.  für  die  Zuschüsse,  das  Eisenbahnbaulomitee
  usw.  Allen  widmete  er  zin
dreifaches  Hoch.  Der  Vorsland  des  Ei  lenbahn.
bankomilees,  Herr  Kunstmühlbesitzer  Finsterwalder-Landl,
  gab  in  humorvollen  Worten  einen
kurzen  Abriß  aus  der  Baugeschichte  der  Bahn.
Von  dun-  Herren  des  Eisenba  rulemitees,
die  sich  besonders  der  Sache  annahmen,  hörten
wir  die  Namen  Reuter,  Steinböc,,  Senft.  Run  *
und  Sltegmeier.  Ebenso  unermüdlich  lelen  die
Herren  Rechtsrat  Kürzunger  und  Regierungetat
  Baur  tätig  gewesen.  Sein  Hoch  galt
Herrun  Regierungsrat  Baur.  Herr  Direllionsrat
  Laulöck  brachte  die  Glückwünsche  der  Bahnverwaltung
  und  versprach,  den  heute  zum  Ausdru
  gebrachten  Dank  nach  München  zu  übermit:eln.
  Er  widmete  sein  Hoch  den  vielen  um
den  Samerberg  gelagerten  Gemeinden.  Herr
Rechtdrat  Kür  inger  sprach  namens  der  Siart
Rosenheim.  Er  gab  seiner  Freude  darüber
Auedrucd,  daß  nach  Eröffnung  der  Bahn  das
holbe  Dutzend  der  in  Nosenheim  ein=  und  aurlaufenden
  Bahnen  erreicht  sei.  Die  Stadt  wünsche
  dem  Sims=  und  Achental  für  di:  neue  Bahn
das  Allerbeste.  Er  lonnte  ferner  darauf  hinweiten,
  daß  die  #i#en  Ber  iehung.  n  zwisch  en  dem
Samerberggeriel  #u#ld  zwischen  Ro-  renh.  im  schon

Jahrhunderte  bei  flehen“  und  auch  in  Zukunft
weiter  gedeihen  möchten.  „Gerne  kommen  wir
zu  Janen  heraus,  kommen  Sit  auch  zu  unz  nawh
Nor-  nheim  und  unterstühen  Sie  seinen  Mitlelscand,
  der  gerade  in  den  Provinzllädlen  noch
eine  Zefestigte  Stellung  hat'“  Redner  knüpfte
den  Wunsch  an,  daß  auch  nach  der  Eröff—
nung  der  Vahn  der  gute  alte  Geist  erhaltea
bleiten  möge  (Bravo);  die  neue  Bahn  bring:
nur  da;z  Gute,  die  Nachteiie  aber,  die  damit
rerbunden  seie  n,  lasse  sie  forne  liegen,  damit
sie  jei  cin  kräfüger  Nerv,  der#en##es  Leben  bringe.
A#daer  dantte  dann  den  Abgeordneten  für
ihre:  Bemühungen  und  Verdien  sie  um  dien  Bahn
bau,  namentlich  auch  dem  rersiordenen  Abg.  Dr.
ron  Daller.  Die  Herren  Abag.  Ruedorffer
und  Scharnagl  seierte  er  in  einem  Hoch.

Im  Anschluß  daran  macht:  Herr  Bürgermeist
  er  Marr  die  freurig  überraschende  Miuteilung,
das  Gemeindeausschuß  und  Gemeindeversammlung
  die  vielen  Verienste  des  Herrn  Negierungsraks
  Vaur  b’sonders  ehr  en.  Einfltimmig
haben  sie  dessen  Ernennung.  zum  Ebrenbürger
von  Frasdorf  beschlossen.  Diese  Mitteilung
wurde  mit  lautem  Jubel  begrüßt.  Herr  Regierungsrat
  Baur  sprach  in  herzlichen  Danleeworten
  die  Annahme  dieser  Ehrung  aus
und  trank  auf  das  Woll  der.  Gemeinde  Frarzdorf.
Frhr.  Krafft  von  Crailsheim  auf  Amerang  gab
in  humorvollen  Worten  ein  ige  Episoden  aus
dem  Vahnbau  und  der  Täligleit  des  Eisenhahnbaulomitees
  zum  Besten.  „Hut  ab  vor
einem  Manne,  der  wie  Herr  Finnterwalder  sich
um  die  Sache  angenommen  hat!“  Ihm  wiomete
  er  ein  Hoch,  in  das  alle  freudig  einstimmlen.
  Abg.  Scharnagl  widmete  in  blumenreicher,
bresievoller  Sprache  ehrende  und  aneikennende
Worte  der  Siast  Rosenheim,  welche  niht  zul  tzt
Anteil  an  dem  Vau  der  Bahn  genommin  habe.
Möge  sie  auch  an  deren  Etfolgen  t.ilnehmen,
das  sei  sein  Wunsch.  Dann  seierte  ar  Heren
K.  Hofrat  Bürgermeister  Wüst  als  sorg'amen
Pfiegevater  uno  di:  Verwaltung  al-  eistigen
Vormund  der  Stadt.  Dem  Wohle  der  Stadt,
ihres  Bürgermeisters  und  ihrer  Verwallung
Lalt  sein  Hoch.  Weiter  ehrte  Herr  Bürgeemeister
  Mayr  die  Verrienste  des  H.  H.  Pfarrers
  Hofmeister-Frasdorf  und  hatte  ferner
Worte  der  Anertennung  für  die  Firma  Sager
und  Wörner,  welche  din  Bau  ausführ.e,  für  i#ure

Jugenieure  und  Arbeiter,  für  ie  Sichreitsorgane,
  für  „denjenigen,  der  uns  daz  Puiver
lieferte",  Herrn  Fabrüanten  Wijterboll  #,  ferner
  für  Herrn  Hauptiehrer  Angercr-Frasdorf,
ver  das  Uan:c  Fest  arrargement  leitete.  Allen

idmete  er  freurin  ein  Hoch.  HS.  H.  Pfarrer
*#  veriicher#e,  daß  di:e  Cätee  Fa.
dorf  nicht  ungerüstet  faneen.  Der  je#t  auf
85  Mitglieder  angewachsene  Ver-  chön.  rungsreicin
  habe  bereits  geran,  was  in  seinen  Kaͤnen
stebe.  Alle  lade  er  ein,  wiederzulommen  und
binaaf  zu  geben  auf  die  Almen  und  Verge.
Seinen  Trinlspruch  ließ  cr  ausllingen  in  ein
Hoch  auf  bi:  Cä  ned:  s  heutigen  Fesles.  Schließlich
  gedachte  no#y  Herr  Forstrat  Jäger  der
emigen  Arbeit  der  Frauen  unzs  Jungfrauen
von  Frasdorf  und  Herr  Magistrasrat  Baumann
  ermunterte  di:  Wirte,  stets  das  Besie  zu
leisten,  und  sprach  Ehre  un  Anerk.  unung  der
Küche  und  dem  Keller  des  Hauses  De  barde
aus,  worauf  Herr  Kunftmühlbeliger  Fin  lecwalder
  den  Neigen  mit  einer  Ehrung  für  Herrn
Verwalter  Enßlin  abschloh,  nachdem  zuvor  noch
das  organisierte  Handwerl  den  Dank  für  ras
En'gegenlommen  bei  Ausführung  der  Ardeilen
ausgesprochen  hatte.

Das  Festmahl  nahm  einin  schönen,  befriedi
genden  Verlauf,  wenn  man  berücsichtigt,  welch
großer  Andrang  gleictz  irig  zu  bewäl  igen  war.
MWährend  des  Mahles  lonzerlierte  die  Kapelle
Frasdorf  unermüdlich,  während  di:  Liederiafel
Frasdorf  mehrere  prächtige  Lieder  einstreute.

Inzwischen  war  die  Zeit  der  Rüdkehr  nach  Nosenheim
  schon  sehr  nahe  geruckt.  In  frober
Stimmung  über  das  Erlebte  eilte  man  zum
Bahnhof,  begleitet  von  der  Kapelle  Frasborf
und  den  dorligen  Vereinen  mit  ihren  Fahnen.
Die  Kopelle  spielte  einen  flotten  Abschiedsmarsch,
  die  Vexeine  hatten  sich  in  Reih  und  Glied

Kofe#n
aufgestellt  und  Herr  Bürgermeister  Monr
brachte  nochmals  ein  Hoch  auf  die  Gäste
Dann  setzte  sich  der  Zug  in  Belbegaus.
während  Gäste  und  Einheimische  sich  noch  lange
mit  Tücherschwenken  begrüßten  und  aus  der
Höhe  die  Böller  wieder  krachten.  Die  gleichen
Vorgänge  wiederhollen  sich  auf  allen  Zoisches
siationen,  auf  denen  sich  abermals  große  enschenmengen
  cingefunden  hatten.  Der  Tag  der
Eröffnung  der  Bahn  Roseuheim-Frasdorf  mit
seiner  Zarmonischen  Feier  wird  allen  unvergeblich
  bieiben.  Die  Ancfahrt  war  herrlich,  da
dis  Sonne  ihr  Gold  über  Täler  und  Höhen  er-Peli

  bie  Schullinder  aller  an  der  Bahn
gelegenen  Orte  hatten  Festtag.  Für  sie  wurde
ein  Sonderzug  bereit  gestellt,  der  mittags  in
Frasdorf  abging  und  um  1  Uhr  in  Nosenheim
eintraf.  Etwa  330  Schulkinder  konnten  an  dieser
  Fahrt  teilnehmen.  In  Rosenheim  wurdensiie

auf  Kosten  der  Stadt  in  der  Bahnhofrestauration

  birtet,  worauf  sie  einen  Spaziergang
durch  die  Stadt  machten.  Freudig  schwenlten
sie  die  lleinen  Fähnchen,  elche  ihnen  zum
Andenken  an  den  so  dauge  erwarteten  Tag
ausgehändigt  wurden.  Nach  4  Uhr  traf  der
Sonderzug  mit  den  Kindern  wieder  in  Frasdorf
ein.

Die  neue  Bahn  wird  am  lommenden  Samstag
  den  9.  Mai  dem  allgemeinen  Verkehr  übergeben.
  Leider  ist  der  vorerst  angesetzte  Fahrplan
  dem  Ausfiugsverkehr  nicht  besonders  günslig.
  Doch  wird  in  dieser  Hinsicht  bald  eine  Aeuderung
  bezw.  Ergänzung  erhofft.  Aehmliche
Wünche  lonnsten  wir  gestern  in  Frasdork  uso.
wiederbolt  hören.  Die  nene  Bahn  ist  wert,
besahren  zu  werden,  um  so  mehr,  als  sie  Gebiete
erschließt,  welche  bisher  dem  gröheren  Verkehr
noch  stemd  waren,  aber  an  Schönheit  keiner
anderen  Gegend  nachstehen.  Diesen  Wünschen
muß  ielbswerständlich  auch  der  Fahrplan  entsprechen.
  Für  großen  Andrang  am  kommenden
Sonntag  den  10.  Mai,  der  bei  Jünstigem  Wetter
  sicher  zu  erwarten  sein  wird,  ist  bereits  Vorsorge
  getrofsen.  Abends  159  Uhr  gekt  ron
Frasderj  ein  Sonderiug  nach  Roienheimt,  ab,
der  die  Anschlũsse  nach  allen  Richtanacen  noch  erreicht.
  Wir  machen  hlerauf  besonders  aufmerl.
sam.  Auch  die  prächtige  „Deicration  wire  auf
allen  Stationen  bis  zum  Sonntag  erhaiten  beei
ben.

 

Lotalnachrichten.
Rosenheim,  7.  Mai.

Ehrung  des  Herrn  Regierungs-=rates
  Baur.  Bei  dem  zur  Bahneröffnungsftier
  am  6.  Mai  zu  Frasdorf  stattgehabte  n  Fesimahl
  hat  wohl  keine  Ansprache  einen  freudigeren
Wi  iderhall  bei  allen  Teilnehmern  gefunden,  als
diesenige  des  waderen  Orlsbürgermeisters  Herrn
Manr,  welche  die  Ernennung  des  um  das  Zustandelommen
  dieser  neuen  Bahnlini=  so  hochverdienten
  Herrn  Regierungsrates  Baur  zum
Ebrenbürger  von  Frasdorf  belannt  gab.  Ist
doch  damit  die  höchste  Ehre,  welche  eine  Gemeinde
  für  di:  ausgez'  ichnet:  n  Leistungen  eines
xjlichterfüllten  Mannes  in  Danlbarleit  zu  erpreisen
  vermag,  zum  Ausdruck  gebracht!  Es  war
nur  eine  Stimme  im  oanzen  Festsaal:  Moge
oem  Lanzen  Besjirk  ein  Verwaltu:  zugsvor##n#z  von
der  ausgezeichneten  Qualität  unseres  Herrn  Regierungsrates
  Baur  noch  recht  lange  zum  Segen
  des  Gaues  erhalten  bleiben!

Sammlung  für  das  Note  Kreu:.  Vei
der  Sammlung  zu  Gunsten  der  freiwilligen
Krankenpflege  im  Kriege,  welche  demnäch'st  im
ganzen  Lande  durchgesführt  wird,  will  auch
Roenheim  nicht  zurüiehen.  Zur  Vorbereilung
  und  Durchsührung  d  der  Sammlung  in  unseter
  Stadt  soll  ein  Ortoausschuß  gebildet  werden;
  die  Einladungen  zum  Beitritt  dazu  sind
berefts  ergangen.  Die  londituiere  8  Verjammlung
  sindet  am  Samstag  den  9.  Mai,
rormittags  10  Uhr,  im  Ueinen  Sit  !14  Saale
des  Nathauses  siatt.

Jugendabteilung  des  kath.  Frauienbundes.
  Nach  lüngerer,  unfreiwilliger  Pause
  fand  sich  vorgestern  wieder  Gelegenheit.  die
Mitglieder  zu  einem  recht  interesianten  und  gemütlichen
  Vortragsabend  einzuberufen.  Schon
gieich  zu  Beginn  des  Tagesprogramms  lonnte
bie  Vorsigende  den  Anwesenden  die  erfreuliche
Mitleilung  machen,  daß  3  unserer  Lehramtskandikatinnen
  seit  lurzem  eine  feste  Anstellung
in  ihrem  Beruse  erlangt  hätten,  und  es  wurden
  ihnen  zu  dem  Erfolg  die  herzlichsten  Glückwünsche
  nachgesendet.  Sodann  wurde  zur  Hauptauigabe
  geschritten,  zum  Vortrage  eines  sehr
zeitgemäßen  Themas,  das  insbesondere  das  Inleresse
  oer  Lehrerinnen  im  Bereine  erregte,
namlich:  „Was  uns  allen  die  Volksschule  sein
soll!“  In  anerlennenswert  bereitwilliger  Wei#e
hatte  „IFrl.  Hupfauer  sich  die  Mühe  genommen,
den  Stoff  zu  bearbeiten,  und  brachte  in  klarer,
  versiändlicher  Sprache  ihre  Anschauungen
darüber  zum  Ausdruck.  Die  Ausführungen  wareu
  sehr  übersichtlich  in  4  Abteilungen  georonet
Die  allgemeine  Aufgabe  der  Volksschule,
Interesse  an  der  Volksschule,  die  zühireie
Volksschule  und  Eltern,  Haus  und  Schule.
die  Volksschule  heutmtage  eine  wirkschaftlic-Notwendigkeit
  geworden  ist,  wird  wohl  jeder  Gebeldete
  einsehen.  Trotzdem  mag  es  noch  in  die-*



 

sem  oder  jenem  Ort  manchen  Bauern  oder
Handwerxlex  geben,  der  sich  die  Anglichkeit  seiner

SG□·—

nicht  recht  vorstellen  kann  inag

  auf  seinen  Beruf,  die  Erziehung  seiner
Ei-  oder  die  Leitung  seines  Hausstandes.
Und  doch,  wollten  wir  uns  die  Volksschule  wegdenken,
  wie  wäre  es  dann  um  sein  weiteres
Fortlommen,  um  die  technische  oder  kaufmännische
  Ausbildung  eines  jungen  Mannes  bestellt,
von  den  wissenschaftlichen  Berufen  gar  nicht  31
reden,  wenn  nicht  sie  schon  einen  elementaren
Grund  gelegt  hätte,  auf  dem  dann  weiter  gebaut
  werden  kann?  Und  wüßte  auch  ein  Einzelner
  nicht  zu  sagen,  was  er  eigentlich,  der
Schule  verdankt,  und  hätte  er  auch  vieles  von
dem  Gelernten  vergessen,  es  bleibt  doch  durch
die  anhaltende  Geistesübung  eine  Fähigleit  und
Gewöhnung,  eine  geistige  Schulung,  die  dem
Kanzen  Volke  einen  h0)  eren  sittlichen  Wert  gibt.
Zur  Verstärkung  des  nationalen  Bewußtseins
wird  nun  das  Geschichtestudium  nicht  wenig
beitragen.  Wird  auch  in  weiten  Kreisen  viel
von  der  Vollsschule  gesprochen,  so  ist  doch  wenig
  wahr  5  Interesse  für  sie  vorhanden,  wie
uns  die  Rednerin  an  Beispielen  bewies.  Als
eigentliches  Sorgenlind  unserer  Zeit  betrachtet,
sollte  der  Schule  von  allen  Schichten  Verständnis
  und  Pflege  zuteil  werden;  sie  muß  Herzenssache
  unseres  ganzen  Volkes  werden.  In  unseren
  Gegenden  kennen  wir  nur  eine  allgemeine
Vollsschule;  wer  besondere  Bildung  anstrebt,
tritt  früber  oder  später  in  eine  Mittelschule
über.  Richt  zu  unterschätzen  ist  der  Einfluß,
die  Bedentung,  welche  die  Schul?  gerade  heute
für  die  Famllie  hat,  die  keine  Arbeitsgemeinschaft
  mehr  ist,  wie  früher,  da  sich  Kenninisse
und  Fähigleiten  in  derselben  vererben.  Nun

Wechselwirkung  zwischen  ihr  und  der  häuslichen
Erziehung  eintreten.  Deshalb  ist  nicht  genug
zu  wünschen,  daß  Eltern  und  Lehrer  in  gegenseitiger
  Gedulsd  und  liebevollem  Verständnis
ihrer  gdemeinsamen  Interessen,  zur  sittlichen  und
wissenschaftlichen  Bildung  ihrer  Schützlinge  sich
vereinen.  Der  mit  vielem  Fleit  ausgearbeitete
Vortrag  sand  bei  den  Zuhörern  entsprecheno:
Würd'gung,  nicht  zuletzt  die  Tatfache,  daß  eine
blelbeschäfliste  Lehrerin  einen  beträchtlichen  Teil
Hier  freien  Zeit  unferen  sozialen  Zwecken  g:=opfert
  hat.  Dafür  sei  ihr  wiederholt  herzlich
gelankt.  Nach  Besprechung  interner  Bereinsangelegenheiten
  lam  diesmal  auch  die  „litcrarische
  Rundschau“  zu  ihrem  Recht.  Mil  gespannter
  Aufmertsamkeit  lauschten  die  Anwesenden  den
Worten  des  hochw.  H.  Stadtpfarrpredigers,
der  in  dankenswerter  Weise  seine  umfassenden
  Kenntnisse  auf  diesem  Gebiet  zur  Verfügung
  stellt.  Er  führte  diesmal  zuerst  Webers
Dreizehnlinden  vor,  das  populärste  Werk  dieses
  Dichters,  dann  sprach  er  über  Wagners
Parsival  und  enlich  über,  Brüderlein  und
Schwesterlein“  von  Handel-Maxzetti,  wobei  er
durch  anschauliche  Schilderung  der  Charaltere
des  Romans  so  recht  eigentlich  „Appetit“  zum
lünstlerischen  Genuß  desselben  weckte.  Alles  zusammengenommen,
  darf  man  wohl  diese  Veranstaltung
  als  außHerst  gelungen  bezeichnen  und
ein  stärkerer  Besuch  wäre  nur  zu  wünschen  gwesen.


Valanz.  Beim  Straßen=  und  Flußbauamt
Rosenheim  ist  in  Hohenlinden  der  Posten  eiues
  Straßenwärters  frei.  Der  Jahresgehalt
ist  auf  1200  Mark  angesekzt.

Ehrenvolle  Anerlkennung.  Wie  erwactel
  werden  lonnte,  fiel  Herrn  Kunstgärtner
Streidl  hier  der  Erste  Preis  in  der  Münchener
Blumenausstellung  für  seine  herrlichen  Pelorgonien
  zu.  Wie  wir  schon  berichteten,  widmet  sich
Herr  Streidl  mit  großer  Liebe  und  Kunft  der
Zucht  von  Pelargonien.  Von  den  dreilausend
Planzen  gingen  einige  hundert  nach  München,
der  Erfolg  blieb  nicht  aus.  Neben  anderen
großen  Firmen  konnte  der  fleißige  Züchter  den

.  Preis  erringen.  Auch  Herr  Bedrirkegärlner
Westermaier  holte  sich  für  seine  mustergültige
Arbeit  im  Konservieren  von  Früchten  und  Gemüsen
  den  1.  Preis.  Wir  gratulieren  den
beiden  Preisträgern  für  ihren  Ersolg  und
wünschen,  daß  er  ein  Ansporn  zu  neuem  Schafsen
  sein  möge,  um  so  dem  Namen  unserer  Staot
auf  dem  Gebiete  des  Garten=  und  Obstbaues
auch  in  den  weiten  Gauen  des  übrigen  Bayernlandes
  einen  guten  Klang  zu  erhalten.

Ein  Krankenka  en-  Tag.  Wir  erlalen
  kolgende  Zuschrift:  Auf  den  kommenden
Sonntag  ist  nach  München  ein  Krankenkassen-Angestellten-Tag
  einberusen.  Die  Einladung
hiem  geht  aus  von  dem  Verband  der  Bureauangestellten
  für  Deutschland,  der  auf  dem  Boden
  der  freien  (oz.)  Gewerkschaften  steht  und
dessen  Leitung  in  den  Händen  cines  so#  Abg:-erdneten
  liegt.  In  dem  Einladungsschreiben,  das
an  die  Angesiellten  d  der-  südbaygeriche  n  Kranlenlassen
  hinausgegangen  ist,  wird  diese  Tatsache
richt  erwähnt.  Um  über  die  Hallung  und  die
Ziele  des  Verbandes  und  des  beorstehenden
Kranlenkassen-  Angestellten-Tages  bei  den  Kassenangestellten
  leinen  Freium  aufkommen  zu  lassen,
  sei  dies  festgestell
Die  Reklamemarken  für  das  heurige
  Volksfest  sind  nun,  wie  schon  berichtet,
  erschienen  und  sehr  #-  ausgesallen  der
Stadtlämmerei  sind  je  100  Stück  für  25  Pfg.
eipältlich.  Wir  bitten  die  Scha  und
Interessenten  von  *  Angebot  recht  zahlreich
  Gebrauch  zu  machen,  um  —8  Kunde  von
dem  Stadtjubiläum  und  dem  Vollsfest  in  die
Ferne  hinauszusenden.

 

mus,  die  Schule  Helferin  sein,  es  muß  eine  rege

 

Freiläg,  9.  Mal  1014

r  Asffäre  Riller  hat  mn  Mittwoch
a#ch,  gerltlihen  Abschluß  gefunden.  Am
Freitag  den  26.  November  hatte  sich  Rechtsanwalt
  Niller  in  Nosenheim,  einer  der  belanntesten
  Anwälte  im  Landgerichtsbezirk
Traunstein,  mit  der  Selbstbeschuldigung  der
Veruntreuung  dem  Gerichte  gestellt.  Er  wurde
in  Haft  behalten  und  ist  noch  am  gleichen  Tag:
nach  Traunstein  überführt  worden.  Seither  saß
Rechtsanwalt  Niller  in  Untersuchungehart  Die
weiteren  Folgen  sind  noch  bekannt.  otel
„Deutsches  Haus“,  bei  dem  i*  Niller
  stark  engagiert  war,  und  die  dazu  gehörigen
  anderen  Gebäude  lamen  unter  den  Hammer
und  "wurden  versteigert.  Rechtsanwalt  Niller
hat  große  Summen  dabei  eingebüßt.  Am
Mittwoch  hatte  er  sich  vor  der  Strafkammer
des  Landygerichts  Traunstein  zu  verantworten.
Die  Verhandlung  dauerte  von  4  Uhr  nachmitlags
  bis  9  Uhr  abends.  Rechtsanwalt  Niller
wurde  wegen  eines  fortgesetzten  Vergehens  der
Untreue  und  der  Unterschlagung  zu  einem  Jalr
und  drei  Monaten  Gesängnis  verurleilt.  Die
Untersuchungshaft  wurde  mit  fünf  Monaien
roll  angerechnet.  Näheren  Bericht  lassen  wir
noch  folgen.

VBom  landw.  Verein.  Nach  den  ge-.
nauen  Zählungen  der  landw.  Bezirksvereine
beträgt  der  Mitgliederstand  des  landw.  Vereins
  in  Bayern  mit  Beginn  des  heurigen  Jahrtes
  120  304.  Die  Mehrung  gegenüber  dem
Jahre  1912  beträgt  2162  neue  Mitglieder.
An  der  Spitze  steht  mit  der  Mitgliederzunuhme
Niederbayern,  dann  folgen  Mittelfranken,  dann
Untersranken  und  die  übrigen  Preise.

Besitzwechsel.  Die  Metzgerei  im  „Prultinger
  Hof“  ging  pachtweise  an  Herrn  J.  Mally,
Metzgerei  und  Wurstfab  ril  in  Kolbermoor,
über.  Er  wird  dort  eine  Wurst=  und  Fleisch-Filiale
  errichten.

Schwerer  Unglücksfall.  Am  Dienstagnachmitlag
  scheute  zwischen  Schloßberg  und
Gehering  das  Pferd  des  Milchhändlers  Kronast
von  hier  und  ging  durch.  In  rasendem  Tempo
  rannte  das  Fuhrwerk  gegen  einen  Kilome.
terstein.  Herr  Kronast  wurde  durch  die  Wucht
des  Anpralles  auf  die  Straße  geschleudert,  wo#“
er  mit  schweren  Verletzungen  am  Rücken  liegen
blieb.  Ein  mitfahrender  Milchhändler  kam  mit
leichteren  Verletzungen  davon.  Herer  Kronast
soll  sich  auf  dem  Wege  der  Besserung  befinden.

Mla  Am  6.  ds.  nachm.  wurde  ein

Jahre  alter  Knabe  am  Ma#-Josephplay#
4%%„  einem  Fuhrwert  überfahren.  Glücklicherweise
  ist  er  dabei  nicht  verletzt  worden.

Verhaftung.  Ein  Dienstknecht  von  Reitenhaslach
  wurde  wegen  Sittlichkeitsverbrechen,
begangen  in  der  Luitpoldanlage,  festgenommen.

Nusil  uud  Theulet.

Das  Privat-Musik.=  Institut  Nosenheim
  veranstaltet,  wie  aus  dem  Inseratenteil
  ersichtlich,  am  lommenden  Sonntag  sein
diesjähriges  Schülerlonzert  im  Soale  des  kath.
Gelellenhauses  (alte  Post).  Die  Darbietungen
des  Instituts  sind  alljährlich  sehr  gut  verlaufen.
  Deshalb  dürften  auch  diesmal  die  Besucher
  überrascht  werden,  zumal  die  Leitung  in
guten  Händen  liegt.

Aus  dem  Gerichkssaale.
Kal.  Amtsgericht  Rosenheim.
Dienstag,  den  5.  Mai  1914.

Wegen  versuchten  Betruges  standen  die  Krämerseheleute
  Heinrich  und  Johanna  Marr  von
Degerndorf  vor  Gericht.  Bei  den  bisher  unbr
siraften  und  gutbeleumundeten  Leuten  brach  in
der  Nacht  vom  18.  auf  cʒ.  v.  J.  ein
Ladenbrand  aus,  der  einen  Schaden  von  250
Ml.  an  den  aufgestapelten  Waren  verursachle.
  Gleichwohl  gaben  sie  dem  Generalagenten
Gcorg  Susemit  der  Fe  nerversicherungsgesellschaft
„Globus“  in  Hamburg  an,  ihnen  wären  um  2000
Mk.  Waren  verbraunt  oder  unbrauchbar  genmacht
  worden.  Susemil  lam  aom  Morgen  des
19.  Dez.  nach  Degerndorf  um  die  Brandstätie
und  den  verursachten  Schaden  in  Augenschein
zu  nehmen.  Als  er  im  Hause  der  Ehelente
Marr  ankam,  wurde  ihm  gleich  eine  Liste  überreicht,
  auf  der  die  verbrannten  und  unbrauchbar
gewordenen  Waren  von  dem  Uhrmacher  Schwader,
  der  im  gleichen  Hause  seit  einem  Tage  gewohnt
  hatte,  im  Werte  von  1700  Ml.  zusammengestellt
  waren.  Es  war  ihm  fast  undenkhar,  daß
man  in  so  kurzer  Zeit  ein  derart  unsasfeide
Verzeichnis  anfertigen  kann.  Susemil  kam  die
Summe  von  1700  Mk.  zu  hoch  vor,  worüber
er  öfters  seinen  Unwillen  zum  Ausdruck  brachte.
Nach  genauen  Aufsnahmen  brachte  der  Generalagent
  heraus,  daß  nur  insgesamt  für  höchstens

600  Mark  Waren  verbrannt  oder  zu  Schaden
bclammen  waren.  ESusemil  ließ  105  die  Orlginalrechnungen
  vorlegen  und  prüfte  den  Warenbestand
  und  die  verbrannte  Menge.  Dabei  ver-Lhwiegen?
  die  Marrschen  Eheleute,  daß  sie  für

fit  Waren  zurückgeschickt  hatten,  die

Summe  glich  sich  Hedoch  aus,  weil  die  Angeklagten
verbeen  hatten,  daß  sie  auch  noch  von  verschiein
  Firmen  im  ganzen  um  denselben  Betrag
*.  beslellt  hatten.  Susemil  mndete  fer-Pe
  daß  dle  r½  ebenen  Warm  von
k.  gar#n  8  auf  jener  Stellage  Pa##