In den germanischen Wäldern. 35
nicht wieder heiraten durften. Im Uebrigen war, wie
schon angedeutet worden, das Dasein unserer Ahnmütter
um so weniger ein müssiges, da die Sorge für Haus,
Herd und Feld auf ihnen lastete. Die Männer kümmerten
sich nur um Jagd-, Kriegs= und Staatssachen 10).
Erwägt man noch, daß uns von dem geselligen Verhalten
der Bewohner Germaniens kein Zug sanfter Gesittung
überliefert worden, daß das Leben der Männer
zwischen wilder Aufregung und trägem Müssiggange verfloß,
daß sie sich gern in Bier berauschten, daß sie in unbändiger
Spielwuth nicht allein ihre ganze Habe, sondern
auch die eigene Person und Freiheit auf die Würfel setzten,
und daß endlich nur eine Art von Schauspiel,
nackter Jünglinge wilder Tanz zwischen aufgerichteten
Speerspitzen und Schwerkklingen, die festlichen Zusammenkünfte
des Volkes bezeichnete, — so müßte man allem
bisher Beigebrachten zufolge versucht sein, anzunehmen,
daß in Altdeutschland edlere Weiblichkeit kaum habe
gedeihen können, falls nicht bestimmte Zeugnisse für
das Vorhandensein einer solchen vorlägen. Aus der
taciteischen Schilderung der Cheverhältnisse erhellt deutlich,
daß die germanische Frau nicht die Sklavin, sondern
die Genossin des Mannes war, und allbekannt ist die
berühmte Stelle der Germania: „Die Deutschen glauben,
daß dem Weib etwas Heiliges und Prophetisches (sanctum
aliquid et providum) innewohne; darum achten
sie des Rathes der Frauen und horchen ihren Aussprüchen.“
—.
14) Germania, 4, 5, 7, 8, 15, 17, 18, 19, 20, 23, 24.
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