Contents : Realienbuch Nr. 3 (3)

70  Naturgeschichte.  III

zogen,  so  verschwinden  sie.  Unterdessen  haben  sich  am  unteren  Ende  des  Stengels  aber
neue  Wurzelknollen  gebildet.  Gleichzeitig  entstehen  in  den  Blattwinkeln  schmutziggelbe
Knospen,  die  Weizenkörnern  ähnlich  sind.  Da  aus  ihnen  im  nächsten  Jahre  auch
Dflänzchen  hervorgehen,  werden  sie  als  Brutknospen  oder  Brutknollen  bezeichnet.
In  Busch  und  Wald  entfaltet  zur  Frühlingszeit  das  zarte  Busch-Windröschen  seine
weißen,  oft  rötlich  angehauchten  Blüten.  Die  nötigen  Baustoffe  entnimmt  es  einem  unterirdischen
Stamme  oder  Wurzelstocke,  der  am  Vorderende  beständig  weiter  wächst  und  am  hinterende
allmählich  abstirbt.  —  In  derselben  Seit  überstreuen  zahlreiche  Hahnenfußarten  Wiesen  und
Grasplätze  mit  ihren  gelben  Blüten.  Eleich  dem  Scharbockskraute  sind  diese  Pflanzen  durch
einen  giftigen  Saft  gegen  Tierfraß  geschützt.  —  An  nassen  Orten  wächst  die  Sumpfdotterblume
  (Uamel)  mit  ihren  großen,  dottergelben  Blüten.  (Beschreibe  diese  Pflanzen!)

2.  Samilie.  Kreuzblütler.

1.  Der  Raps.

1.  Bedeutung.  Die  Samen  des  Rapses  sind  als  Futter  für  Stubenvögel  allgemein
bekannt.  Serdrückt  man  einige  zwischen  Hapier,  so  entsteht  ein  bleibender  Fettfleck.
Das  El,  das  diesen  Sleck  verursacht,  ist  daher  ein  fettes  öl  (Eegensatz:  flüchtiges
El;  s.  Rose).  Dieses  „Rüböl“  wird  durch  Serstampfen  oder  Serquetschen  der  Samen
gewonnen  und  zum  Schmieren  von  Maschinen,  zur  Bereitung  von  Seife  und  zu  andern
gewerblichen  Iwecken  verwendet.  Die  bei  der  Gewinnung  des  Oles  zurückbleibenden
festen  Bestandteile  preßt  man  zu  „Glkuchen",  die  als  Diehfutter  geschätzt  werden.

2.  Stengel.  Der  Landmann  sät  die  Jamen  des  Rapses  gewöhnlich  im  Spätsommer
aus.  Die  daraus  hervorgehenden  Pflanzen  hören  aber  auf  zu  wachsen,  sobald  der  Winter
anbricht.  Ihre  Stengel  bleiben  während  der  kalten  Jahreszeit  so  niedrig,  daß  die  Blätter
dem  Erdboden  mehr  oder  weniger  aufliegen  und  eine  Rosette  bilden.  Daher  vermag  der
Winterschnee  die  zarten  Pflanzen  nicht  zu  zerknicken.  Im  Frühlinge  aber  setzen  sie  das
unterbrochene  Wachstum  fort:  sie  treiben  Stengel,  die  eine  höhe  von  1,50  m  erreichen.

3.  Die  Blätter  nehmen  von  unten  nach  oben  an  Eröße  ab,  so  daß  sie  sich
das  Sonnenlicht  gegenseitig  nicht  rauben.  Eleich  dem  Stengel  sind  sie  mit  einer  blaugrünen
  Wachsschicht  bedeckt.  Träufelt  man  Wasser  auf  die  Blätter,  so  rollt  es  in
Tropfen  ab,  und  zwar  fließt  es  an  dem  Stengel  zur  Wurzel  hernieder.  Dasselbe  geschieht
  mit  den  Regentropfen,  die  auf  die  Blätter  fallen;  denn  diese  stehen  schräg  aufwärts
  und  bilden  zumeist  flache  Rinnen.  Die  oberen,  ungestielten  und  ganzrandigen
Blätter  umfassen  den  Stengel  zudem  teilweise  mit  ihrer  Blattfläche,  und  bei  den
unteren,  undeutlich  gestielten  und  eingebuchteten  Blättern  zieht  sich  die  Blattfläche
in  kleinen  Lappen  bis  zum  Stengel  herab.

4.  Wurzel.  Da  das  Regenwasser  also  nach  innen  geleitet  wird,  müssen  dort
auch  die  feinen  Saugwurzeln  liegen,  die  das  Wasser  aufnehmen.  Wir  finden  daher
beim  Raps  eine  möhren  förmige  hauptwurzel,  von  der  sich  die  Seitenwurzeln
niemals  weit  entfernen  (vgl.  dag.  Birnbaum.!).

5.  Blüte.  a)  Aus  dem  hauptblütenstiele  entspringen  in  verschiedener  Höhe  zahlreiche
  langgestielte  Blüten  („Blütentraube").  Mit  vier  aufrechtstehenden  Kelchblättern
  wechseln  vier  Blumenblätter  ab,  die  sich  kreuzweis  gegenüber  stehen
(„Kreuzblütler"“).  Die  unteren,  schmalen  Kbschnitte  der  Blumenblätter  bilden  mit
dem  Lelchexeine  Röhre;  die  oberen,  breiten  Zbschnitte  dagegen  sind  rechtwinklig  ab-