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hindurch zu den Trägern der Kultur gemacht hätten. Auch
dieses Argument war ein Sophismus. Allerdings sind nach endgültiger
Zerstörung der altrömischen, heidnischen Kulturstätten
die Klöster jahrhundertelang im europäischen Abendlande die
Träger der geistigen Kultur und sogar die Hüter der letzten
Überreste der altheidnischen Literatur gewesen. Hatte doch die
römische Kirche die ganze Schulbildung so ausschließlich usurpiert,
daß es außerhalb der Klostermauern überhaupt keinen
Schulunterricht mehr gab. Welche Förderung die „Wissenschaft“
dadurch gewonnen hat, mögen zwei Tatsachen veranschaulichen:
die Erdkunde verkümmerte soweit, daß man bis zu den
Zeiten Heinrichs des Seefahrers, also bis ins 15. Jahrhundert hinein,
annahm, daßes jenseits der Äquatorialzone keine Lebewesen mehr
gebe! Selbst mit der griechischen Welt war die wissenschaftliche
Fühlung so vollständig verloren gegangen, daß die Kenntnis des
Aristoteles den römischen Christen durch die muhamedanischen
Araber vermittelt worden ist. Fast ein volles Jahrtausend hindurch,
während der ganzen Zeit, als die Klöster die ‚Träger der
Kultur‘‘ gewesen sind, sind die Wissenschaften den Krebsgang
gegangen. Erst als die Wiedergeburt des klassischen, heidnischen
Altertums einsetzte und die kirchliche Reformation, wie sie
Luther durch Beseitigung der Klöster anbahnte, als die Tage
der „Dunkelmänner‘“ in der Mönchskutte gezählt waren, die
Laienbildung aufkam, brach für die Wissenschaft ein neues
Morgenrot an. Was haben die Klöster während der letzten vier
Jahrhunderte für die ‚Wissenschaften‘ oder gar für die Wissenschaft
als solche, als Erkenntniswert geleistet?
Von allen römischen Orden haben die Benediktiner, entsprechend
ihrem Alter, da sie schon zu einer Zeit Wurzel faßten,
als die altrömische heidnische Wissenschaft noch nicht erstorben
war, noch am meisten Wert gelegt auf Pflege der „Wissenschaft“
oder wenigstens der Buchgelehrsamkeit. Erst dieser Tage hat
Kaiser Wilhelm II. gemeint, sie wegen dieser ihrer wissenschaftlichen
Bestrebungen beloben zu müssen. Was aber hat ihr Musterkloster
zu Beuron im Hohenzollerschen, dem diese Auszeichnung
zuteil geworden ist, bislang für die Wissenschaft geleistet? Der
begeisterte Konvertit und römische Katholik Reinhold
Baumstark ist zwar, als er auch im Hinblick auf dessen
wissenschaftliche Bestrebung, Beuron aufsuchte, bei der ihm
innewohnenden Neigung zu religiöser Askeses, nahe daran ge-