Metadaten : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

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Geheimtelegramm  des  Gesandtenin  Rumänien,
2.  Mai.  Nr.  526.

Unter  Bezug  auf  mein  Telegramm  Nr.  523,

Suchen  war  Take  Joneseu  bei  mir  und  teilte  wir  mit,  daß  Rakowski  sich
in  dem  Dorfe  Wladitscheni,  6  Werst  von  Jassy,  befindet,  Auf  Grunid  der  Mitteilungen
  ihrer  Polizeiagenten  befürchtet  die  rumänische  Regierung.  daB  unsere
Truppen  hier  einen  Staatsstreich  ausführen  und  Rakowski  an  die  Spitze  des
Staates  stellen  wollen.  Take  Jonescu  hat  Grund  anzunehmen.  daß  Rakowski
selbst  nach  Rußland  abreisen  will.  Die  Genietruppen  aber,  welche  in  Wladitscheni
  im  Quartier  liegen,  wünschen.  daß  er  hierbleibt.  was  die  Rumänen  aus
Furcht  vor  der  Möglielhkeit  eines  bewaffneten  Zusammenstoßes  zwischen  Russen
und  Rumänen  nicht  wünschen.  Take  Joneseu  fragte  inich,  ob  die  russischen
Freunde  Rakowskis  ihm  nieht  raten  wollen,  nach  Enblarel  abzureisen.  was  unter
den  gegenwärtigen  Umständen  den  Wünschen  der  rumänischen  Rewierung  vollkommen
  entsprechen  würde.

gez.  Mossolow.
{Prawda  vom  31.  Januar  1918.)

GeheimtelegrammdesGesaudtenheidemrumänisellen
Hofe.  4.  Mai  191?.  Nr.  530.

Infolge  des  weiteren  Umgreifens  des  Gerüchtes,  daß  die  russischen  Truppen
  einen  Staatsstreich  in  Rumänien  beabsichtigen.  hat  lie  Krresame  in  len
Regierungskreisen,  der  Gesellsehaft  und  den  auswärtigen  Vertretungen  in  ‚Jassy
nach  dem  Zwischenfall  vom  1.  Mai  sich  nicht  nur  nicht  gielert,  sondern  sie  hat
zugenommen.  Die  systematische  Hartwäckigkeit,  mit  welcher  Gerüchte  verbreitet
  werden,  weist  darauf  hin,  daß  sie-aus  ein  und  derselben  Quelle  stammen
und  daß  damit,  ein  bestimmter  Zweck  verfolgt  wird.  Am  2.  Mat  abends  trafen
ein  Infanterieregiment  und  einige  Schwadronen  Kavallerie  in  Jassy  ein,  nahmen
vor  dem  Hause,  in  dem  die  Königliche  Familie  wohnt.  Aufstellung  und  verblieben
ziemlich  lange  dort.  Von  der  Heranziehung  dieser  Truppen  nach  ‚Jassy  war
General  Stscherbatschew  nieht  in  Kenntnis  gesetzt  worden,  Gestern  lenkte  ich
die  Aufmerksamkeit  Take  Joneseus  auf  die  Gefahr,  welche  die  Heranziehnug
rumänischer  Truppen  nach  hier  hervorruft,  da  der  geringste  durch  irgendeinen
deutschen  Provokateur  veranlaßle  Zwischenfall  zu  einem  bewaffneten  Zusammenstoß
  zwischen  rumänischen  und  russischen  Truppen  führen  kann,  was  in  der
hiesigen  nervösen  Atmosphäre  besonders  gefährlich  erscheint.  Take  Jonescu
hat  Anordnuugen  getroffen,  damit  das  angekommene  Regiment  auf  den  Straßen
nicht  gesehen  und  damit  in  der  Stadt  bekanntgemacht  wird,  daß  es  sich  in  ‚Jussy
nur  auf  dem  Wege  zur  Front  aufhalte.

Nach  Ansicht  aller  Gesandten  der  Verbandsmächte.  wie  auch  der  meinigen,
  ist  sowohl  der  Zwischenfall  vom  1.  Mai  als  auch  (ie  fortgesetzte  Erregung
in  Jassy  nur  die  Frucht  der  deutschen  Propaganda,  wobei  unsere  Soldaten  das
blinde  Werkzeug  in  den  Händen  der  unter  der  Maske  des  Sozialismus  sich  ver-