475
gemacht; aber er war kein solcher Advokat, der öber seine
Theotie nachdachte, sie entwickelte, sondern ein Chikaneur,
gewaltthätg, heftig, und seine Heftigkeit war nicht einmal mit
der Arglist verbunden, die sich bei einem gewandten Hofmanne
findet. Es coeristirte mit ihm ein König, der der Atheist seines
Jeitalters war, der, wenn er schon der Welt die größte
Wohlehat erzeigt har, indem er das Joch zu zerbrechen anfing,
das sie zu sehr drückte, wenn er gleich die Kinderschuhe
hinwegzuwerfen anfing, die Europa lange genug getragen hatte,
doch ganz unstreitig ein König von schlechtem Charakter war, ein
Tyrann und ein arger Sünder gegen das sechste Gebor. Dieser
war der König Philipp, der Schöne genannt. Es istnicht
ausgemacht, wer eigentlich in den Händeln angefangen hat.
Die gewöhnliche Vorstellungsart davon ist: Bonifacius verbot
dem König von Frankreich, nachdem er ihm vorher besohlen
hatte, Krieg mit England zu führen, den König von
England zu bekriegen; denn dieser sey ein Lehensmann, Philipp
greife also durch den Krieg gegen England den heiligen
Stuhl an. Aber Philipp setzte die Kriege fort, und weil er
sehr in Geldnoth war, schrieb er auch Steuern unter der Geistlichkeit
aus. Der Pabst wollte den Ungehorsam des Königs
mittelbar strafen, schickte also eine Bulle nach Frankreich,
worin er verbietet, von den Kirchen-Einkünften etwas zu irgend
einer Sache zu verwenden, die nicht gerade Kirchensache
sev. Der Köniz, dadurch nicht schüchtern gemacht, verbietet,
Geld außer Landes zu schicken, verbietet auch den Aufenhalt
aller Fremden in Frankreich und Reisen außer dem Reiche, ohne
seine besondere Einwilligung. Dieses Letztere that dem Pabste sehr
wehe, denn das Jubiläum stand bevor, wobei Alles nach Rom
hinziehen sollte. Der Pabst sah Philipp für einen Mann an,
der nachgeben würde, wenn man direkt auf ihn losginge,
schickte also eine Bulle nach Frankreich, des Inhalrs: wenn