148 Erich Marcks.
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Verschiedenartige zweier Erscheinungen deutlicher zeigen als ihre Ahnlichkeit,
welche, der Familienähnlichkeit gleich, nur dem ersten Blicke überwältigend
erschien; das wahrhaft Interessante l hier, wenigstens wenn
es sich um Menschen handelt, die Überhaupt die Betrachtung wahrhaft
lohnen, doch immer lediglich die ganz eigene, nur noch sich selber ähnliche
Individualität.
Um so erstaunlicher ist bei den beiden, die ich in dieser Betrachtung
zumeist zusammengestellt habe, der enge Zusammenhang ihres
sachlichen Schaffens. Ich habe ihn in der ganzen Richtung ihres inneren
Wirkens, in der Fortsetzung und Wiederaufnahme des alten Königtumes
durch Bismarck nachzuweisen gesucht; ich finde ihn nicht minder gerade
in derjenigen Leistung des Kanzlers wieder, die seine eigenste und seine
bedeutendste bleibt: in seiner Begründung des neuen Reiches.
Bismarck, der Deutsche, und Friedrich, der Preuße, sind da nicht nur
Arbeiter am selben Werke, sie stehen sich auch — das ist keine neue,
aber doch wohl noch immer keine selbstverständliche Beobachtung — in
der Gefinnung, der ganzen Eigenart ihres Wirkens überaus nahe. Bismarcks
deutsche Politik bis 1866, in gewissem Sinne bis 1870, ist, so kann
man geradezu sagen, fridericianisch: in dem Sinne, wie wir Friedrich
den Großen heute auffassen — nicht mehr, wie es eine frühere Generation
gern that, als einen Vertreter deutscher, sondern schlechthin preußischer
Bestrebungen. Gerade seit 1840, seit die nationale Bewegung in stärkeren
Fluß gekommen war, hatten die deutschen nationalgefinnten Liberalen
Friedrichs II. Bedeutung für die deutsche Geschichte, für die deutsche
Zukunft, wie fie sie ersehnten, wiederentdeckt: als des Trägers von
Preußens deutscher Mission. Sie meinten, die Führerstellung, die sie
1848 und 1849 Preußen zuweisen wollten, liege in der Konfequenz von
Friedrichs Siegen. In Wahrheit stand der Junker, der all diese nationalen
Hoffnungen so schroff von sich wies, der die Frankfurter Kaiserkrone des
Eintausches gegen die alte Königskrone nicht für wert hielt, der Freund
der Pietisten und der Camarilla, der Verteidiger von Preußens Olmützer
Selbsterniedrigung, dem aufgeklärten Könige und dessen preußischem
Stolze weit näher als Friedrichs liberale Bewunderer. Bismarck ist
nicht nur, wie jedermann vor Augen hat, der Nachfolger von Friedrichs
Thaten geworden, er war auch hier der Erbe seines eigentlichen staatsmännischen
Wesens. Alle Welt sah während der Revolution, während
der Monate der Kaiserwahl, den Schatten des größten Hohenzollern durch
Deutschland schreiten, Friedrich Wilhelm IV. nicht weniger als die
Kleindeutschen der Paulskirche; wirklich in Friedrichs Sinne gesprochen
hat Bismarck — schon 1849, nicht erst 1866! Mit dem Schwerte in