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Heer, Flotte gleichberechtigt mit entscheiden, aber bei Landesanleihen,
Schulfragen, Kirchenpolitik, Eisenbahnen, Brücken, Wegen, Armenpflege,
Wohnungsfrage drückt man es in den Winkel. Hier entscheidet der, der
etwas hat: Land oder Geldl!
Man muß diesen Gustand im Auge behalten, wenn man die starke
Zentralisationsneigung verstehen will, die sich häufig in sozialdemokratischer
Literatur findet. Da man am wenigsten darauf rechnet, die
Einzelgemeinden zu erobern (Üübrigens ein in manchen TLändern nicht unmöslicher
Fall), so schiebt man soviel als möglich von der Gemeinde auf
den Staat, vom Staat aufs Reich. So sehr die Sozialdemokratie den
gegenwärtigen Staat bekämpft, so staatssozialistisch ist sie in einzelnen Anforderungen
an die gegenwärtige Gesellschaft. Nicht immer ohne sachlichen
Grund. Wir rechnen hierher beispielsweise die Übernahme von Schullasten,
Armenlasten und Wegebaukosten auf den Staat, drei Hunkte, die
für die ärmeren Gegenden von direktestem Interesse sind. Oft besteht
ja die Ausgabe der Gemeindekasse aus nichts anderem fast als diesen
dreierlei Lasten. Um dieser Lasten willen müssen arme Gemeinden trotz
der gewährten Staatszuschüsse Anleihen aufnehmen, an denen sie dann
mit ihren geringen Kräften lange zu zahlen haben. Dom Standpunkt
dieser Bedrängten, die von selbst weder neue Schulen noch neue Wege
bauen würden, die nur durch Staatsmacht zu erhöhten TLeistungen gedrängt
werden, ist es natürlich richtig, Ubernahme durch den Staat zu
verlangen. Indem die soziale Demokratie diese vertritt, fordert sie: Ausgleich
von oben her! Nur darf sie dabei nicht vergessen, den Gemeinden
überhaupt selbständige Derfügungsrechte zu lassen. Und in Derfolgung
dieses selben Ausgleichgedankens kommt die Sozialdemokratie dazu, die
Deckung der Kosten der Invaliditäts= und Altersversicherung dem Keich
zuzuschieben, überhaupt die Reichsfinanzverwaltung gegenüber allen tieferen
Stellen zu stärken. Nicht im jetzigen Drogramm, aber vielfach im Gedankenkreis
der Sozialdemokratie waltet eine Art Derachtung der Unterstufen
der Derwaltung. Die Jdee des Großbetriebes scheint auch hier zu
siegen. Ganz wenig geistige Arbeit ist bis jetzt auf das Dezentralisationsproblem
verwendet worden. Noch immer fehlen eingehendere sozialdemokratische
Arbeiten über die Gemeindeverwaltung. Es liegt über